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Arbeitszeitdebatte : „Das bringt die Menschen auf die Bäume“

  • Aktualisiert am

Bloß keine einseitige Debatte Bild: dpa/dpaweb

Der Bundeskanzler äußert sich, Angela Merkel natürlich auch, Wirtschaftsforscher tun es und Unternehmen geben laut: Die Debatte um längere Arbeitszeiten bekommt täglich neue Nahrung.

          4 Min.

          Die Debatte um längere Arbeitszeiten erhält täglich neue Nahrung. Nach der Einführung der 40-Stunden-Woche in zwei Werken von Siemens wird derzeit auch bei Daimler-Chrysler, Linde und der Deutschen Lufthansa über eine Ausdehnung der Arbeitszeiten gerungen. Wissenschaftler wie auch die Bundesregierung erneuerten unterdessen ihre Warnung vor einer generellen Verlängerung der Wochenarbeitszeit.

          Bundeskanzler Gerhard Schröder hat eine Versachlichung der Diskussion um eine längere Wochenarbeitszeit gefordert. Der SPD-Politiker sagte am Dienstag in Stuttgart bei einer Tagung des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), er warne vor jeder Einseitigkeit in der Debatte. „Das bringt die Menschen auf die Bäume.“ Der Bundeskanzler sprach sich erneut für eine Flexibilisierung aus und gegen eine Fixierung auf eine bestimmte Wochenstundenzahl. Durch die Tarifabschlüsse in der jüngsten Vergangenheit sei ein „Maß an betrieblicher Flexibilität“ geschaffen worden.

          „Ganze Sauherde durch das Dorf getrieben“

          Schröder sagte, er finde es werde ein großer Fehler gemacht, wenn die Diskussion „ideologisch geführt“ werde. Der Vizechef des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Otmar Zwiebelhofer, sagte am Rande der Veranstaltung: „Es wird eine ganze Sauherde durch das Dorf getrieben.“ In die Debatte müsse wieder Ruhe einkehren. In Deutschland gebe es ein Kostenproblem. Das könne aber nicht nur durch die Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich gelöst werden. „Jeder Einzelfall muß beleuchtet werden.“ Generell zu fordern in Deutschland müsse 50 Stunden in der Woche gearbeitet werden, bringe „uns nicht weiter.“

          Bild: F.A.Z.

          VDA-Präsident Bernd Gottschalk sprach sich auch für längere Arbeitszeiten und niedrigere Arbeitskosten aus. Zu den von der Daimler-Chrysler-Führung geforderten Einsparungen sagte er, wenn man durch mehr Feiertage in Baden-Württemberg und durch teure Erholzeiten gegenüber norddeutschen Standorten im Nachteil sei, dann sollte man Mittel und Wege finden. Das könne je nach Unternehmen einmal über längere Wochenarbeitszeiten gehen, ein anderes mal über andere Faktoren der Arbeitskosten, wie etwa Schichtzuschläge. „Auch die Streichung des einen oder anderen Urlaubs- oder Feiertages sollte kein Tabu sein; man muß ja nicht gleich in Extreme fallen“, sagte Gottschalk.

          "Jede Fixierung führt in die Irre"

          "Jede Fixierung führt in die Irre", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg und verwies auf tarifliche Öffnungsklauseln, die flexible Lösungen in Unternehmen möglich machten. Auch die CDU-Vorsitzende Angela Merkel wandte sich gegen politische Forderungen nach einer Anhebung der Arbeitszeit. Dies sei Thema der Tarifpartner. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht in ihrem "Beschäftigungsausblick 2004" indes durchaus positive Effekte für die Wirtschaftsentwicklung, wenn länger gearbeitet wird, und verweist auf die Vereinigten Staaten.

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