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Arbeitszeit : Arbeitgeber pochen weiter auf Ende des Acht-Stunden-Tags

  • Aktualisiert am

Gewerkschaften und Arbeitgeber streiten über eine Flexibilisierung der Arbeitszeit. Bild: dpa

Die Arbeitgeber wittern ihre Chance, die Arbeitszeit stark zu flexibilisieren. Arbeitsministerin Nahles will den Acht-Stunden-Tag zwar nicht abschaffen, ist „aber für vieles offen“. Aus den Gewerkschaften kommt heftige Kritik.

          Die Arbeitgeber pochen weiterhin darauf, den Acht-Stunden-Tag abzuschaffen. Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger, sagte der „Welt“, Beschäftigte sollten beispielsweise entscheiden können, statt täglich starr sieben Stunden heute mal neun und morgen elf Stunden zu arbeiten, dafür dann aber übermorgen zu Hause zu bleiben. „Das geht aber rechtlich nicht. Deshalb ist der Vorschlag sinnvoll, von einer täglichen auf eine wöchentliche Grenze zu gehen.“

          Nahles: „Ich bin für vieles offen“

          Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zeigt sich grundsätzlich zu Änderungen am Arbeitszeitgesetz bereit. "Ich bin für vieles offen", sagte sie der  "Berliner Zeitung". Es gehe bei möglichen Änderungen aber nicht um die Abschaffung des Acht-Stunden-Tages, sondern um die Frage, wie der deutsche Arbeitsmarkt flexibler werden könne.

          Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnt die von den Arbeitgebern geforderte Flexibilisierung der Arbeitszeiten und eine Ende des Acht-Stunden-Tages strikt ab. „Wir wissen, dass Arbeitszeiten über acht Stunden am Tag weder sozial verantwortlich noch ökonomisch sinnvoll sind“, sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann der „Passauer Neuen Presse“. „Einen längeren Arbeitstag festzuschreiben, machen wir deshalb auf keinen Fall mit. Am Acht-Stunden-Tag wird nicht gerüttelt.“

          Kritik aus den Gewerkschaften

          Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hatte zuvor gefordert, das Arbeitszeitgesetz sollte von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umgestellt werden, um mehr Spielräume zu schaffen und betriebliche Notwendigkeiten abzubilden.

          Dazu sagte Gewerkschafter Hoffmann, die Arbeitgeber wollten ein generelles Aufweichen von Regeln, die sich über viele Jahrzehnte bewährt hätten. „Die Beschäftigten sollen am besten sieben Tage die Woche rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Das geht überhaupt nicht.“ Bereits heute arbeiteten 60 Prozent der Beschäftigten länger als in Tarifverträgen festgelegt. „Es gibt also eine hohe Flexibilität, die Unternehmen im Ausnahmefall nutzen können. Deshalb sehe ich beim Arbeitszeitgesetz keinen Handlungsbedarf.“

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