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Arbeitsmarkt : Statt Müllmännern kommen die Müllhändler

Arbeitsplatz dank gelber Tonne: Die Beschäftigtenzahlen steigen Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Entsorgungsbranche bietet gute Berufsaussichten: Je größer der Anteil des recycelten Abfalls, desto mehr Arbeitskräfte werden benötigt. Die Wiederverwertung hat auch die Berufsbilder stark veränder: Qualifizierte Mitarbeiter werden immer wichtiger.

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          Die gute Konjunkturlage ist in der Entsorgungs- und Recyclingbranche angekommen und wirkt sich damit auch positiv auf dem Arbeitsmarkt aus. Nach Schätzungen des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung dürfte der Umsatz der privaten Anbieter in diesem Jahr um 4 bis 5 Prozent steigen. Das macht sich bei den Beschäftigtenzahlen bemerkbar, die im vergangenen Jahr um rund 2 Prozent gestiegen sind. „Damit ist der Arbeitsplatzabbau nicht nur gestoppt, sondern ein leichter Aufbau in Gang, der sich nach unserer Prognose auch in diesem Jahr fortsetzen wird“, sagt Burkhard Landers, der Präsident des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE).

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Genaue Statistiken speziell für die Entsorgung und das Recycling gibt es nicht. Aber einschließlich der Wasserwirtschaft verdienen in Deutschland Schätzungen zufolge rund 250.000 Menschen ihr Geld in der Entsorgungsbranche. Wenigstes ein Drittel von ihnen dürfte in den Abfallwirtschaftsbetrieben der Kommunen beschäftigt sein. Die Wachstumsimpulse kommen vor allem von den höheren Preisen für Recyclingprodukte. Für Misch- und Schwerschrott haben sich die Notierungen seit Anfang des Metallbooms vor zwei Jahren auf 140 Euro pro Tonne verdoppelt, Edelmetalle haben sich um bis zu 50 Prozent verteuert.

          Von der Tonnenleerung zur technisierten Branche

          „Ohne Recycling wäre die Rohstoffsicherung nicht mehr möglich“, schreibt das Ifo-Institut. Je größer der Wiederverwertungsanteil, desto größer wird der Arbeitskräftebedarf. Bei der Deponierung oder Verbrennung von Abfällen wird nur ein Bruchteil der Beschäftigten wie im Recycling benötigt. Die beständige Verschärfung der europäischen und deutschen Abfallgesetzgebung wirkt deshalb wie ein Jobmotor für die Branche. Mit ausgefeilten Techniken versuchen die Recyclingunternehmen möglichst viele Wertstoffe aus den Abfallbergen herauszuholen und den verbleibenden Rest möglichst umweltschonend zu beseitigen.

          Die Zeiten, in denen der Müll auf die Deponie gekippt wurde, sind endgültig vorbei. Dementsprechend haben sich die Berufsbilder verändert. Der Müllmann, der die Tonnen und Container leert, prägt immer noch das Image. Aber auf den weiteren Wertschöpfungsstufen hat sich eine technisierte Branche entwickelt, die hochqualifizierte Mitarbeiter benötigt.

          Zwei Dutzend unterschiedliche Ausbildungsberufe

          Allein Remondis, der größte Entsorgungskonzern in Deutschland, bietet allein zwei Dutzend unterschiedliche Ausbildungsberufe an. Die Palette reicht von der Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft über den Betriebstechniker bis zum Kraftfahrer. Auch Ingenieurberufe sind zunehmend gefragt. Die Labor- und Verfahrenstechnik bildet ein typisches Arbeitsfeld, immer wichtiger wird auch die Energie- und Verbrennungstechnik.

          Eine weitere Schiene ist die Logistik rund um das Abfall- und Recyclinggeschäft. Immer wichtiger wird gleichzeitig der Handel mit den aus dem Müll gewonnenen Sekundärrohstoffen. Zunehmend benötigt werden dabei auch Experten für das internationale Geschäft, vor allem für den Export nach China.

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