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Arbeitsmarkt : IG Metall will Zeitarbeit eindämmen

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          2 Min.

          Die IG Metall will mit aller Macht den Einsatz von Leiharbeitern in den Unternehmen zurückdrängen. „Es wird in den Betrieben zu erheblichen Auseinandersetzungen um die Zeitarbeit kommen - das ist sicher“, kündigte der nordrhein-westfälische Gewerkschaftschef Detlef Wetzel an. Durch den wachsenden Einsatz von Leiharbeitern gerate ein gesellschaftliches Grundprinzip aus den Fugen.

          „Gleiches Geld für gleiche Arbeit - wer sich gegen diesen Grundsatz stellt, der stellt sich ins gesellschaftliche Abseits“, warnte Wetzel. In allen Betrieben würden Betriebsräte und Vertrauensleute künftig darin unterstützt, mit den Stammkräften und den Leihkräften für „faire Verhältnisse“ zu sorgen. Die soziale Verantwortung der Unternehmen ende nicht bei der Stammbelegschaft, stellte Wetzel klar. „Beschäftigte erster und zweiter Klasse, dafür kann es keinen gesellschaftlichen Konsens geben.“

          BZA: Verhalten der Gewerkschaft ist „befremdlich“

          Die IG Metall will nicht nur mit einem umfassenden Aktions-, Veranstaltungs- und Bildungsprogramm gegen die Ungleichbehandlung der Leiharbeiter vorgehen. Es wird auch erwogen, Abweichungen vom Flächentarifvertrag künftig nur noch dann zu erlauben, wenn die Arbeitgeber im Gegenzug eine Begrenzung oder Gleichbehandlung der Leiharbeiter zusagen. Eine solche Ergänzung der internen Pforzheim-Richtlinien werde zurzeit diskutiert, sagte der Leiter der Tarifabteilung, Oliver Burkhard. Das 2004 in Pforzheim geschlossene Abkommen erlaubt Abweichungen vom Flächentarif nicht nur in betrieblichen Notlagen, sondern auch zum Erhalt und zur Verbesserung der Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit sowie der Investitionsbedingungen. In den Jahren 2004 bis 2006 seien 991 abweichende Vereinbarungen getroffen worden, inzwischen sei die Zahl vermutlich vierstellig, sagte Burkhard.

          Die Zeitarbeitgeber reagieren auf den Vorstoß mit harscher Kritik. „Befremdlich“ findet Thomas Bäumer vom Bundesverband Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen (BZA) das Verhalten der Gewerkschaft. Er verweist auf den zwischen den Zeitarbeitgeberverbänden BZA und IGZ sowie den DGB-Gewerkschaften bestehenden und bis 2008 gültigen Tarifvertrag. Dieser sehe eine solche Kontingentierung nicht vor. „Wir sind tariftreu“, sagte Bäumer der F.A.Z. und wies darauf hin, dass die Gehälter Anfang Januar um 2,5 Prozent erhöht worden sind. Wenn die IG Metall nun auf gleiche Bezahlung des Stammpersonals und der Zeitarbeiter dringe, könne sich der Slogan laut Bäumer leicht umkehren: „Gleiches Geld und keine Arbeit.“

          „Diese Entwicklung untergräbt alle Tarifstandards“

          Als „unangemessen und unfair“ bezeichnete Thomas Reitz, Geschäftsführer des Personaldienstleisters Manpower, den Vorstoß. Anstatt sich über den Beschäftigungsaufbau des vergangenen Jahres zu freuen, zu dem die Zeitarbeit maßgeblich beigetragen habe, habe die Gewerkschaft eine Diskussion über die Lohnhöhe angefangen. Die steigende Nachfrage nach Zeitarbeit sei ein klares Signal: Die Unternehmen bräuchten in einer globalisierten Wirtschaft eine gewisse Flexibilität. Daran könne auch eine einzelne Gewerkschaft nichts ändern.

          Die wachsende Zahl der Zeitarbeitskräfte ist der Gewerkschaft schon lange ein Dorn im Auge. Nach den jüngsten Daten der Bundesagentur für Arbeit aus dem vergangenen Juni hat der Bestand an Leiharbeitern erstmals die Marke von 600.000 überschritten. Die Metall- und Elektroindustrie gehört zu den wichtigsten Kunden der Zeitarbeit. Bei Airbus beträgt der Anteil der Zeitarbeitskräfte fast ein Drittel, auch bei Daimler-Chrysler liegt er vergleichsweise hoch. Nach einer internen Umfrage in mehr als 50 Verwaltungsstellen schätzt die IG Metall, dass derzeit jede dritte neue Stelle innerhalb der Branche mit Zeitarbeitern besetzt wird. „Diese Entwicklung bedroht Jobs und untergräbt alle Tarifstandards“, warnte Wetzel.

          Für den Lohnabstand sind die Gewerkschaften indes selbst verantwortlich, da sie selbst mit der Zeitarbeitsbranche die niedrigen Tarifniveaus ausgehandelt haben, die sie jetzt beklagen. Gäbe es diesen Tarifvertrag nicht, müssten die Unternehmen dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz gemäß das Stammpersonal und die Leiharbeiter gleich behandeln und bezahlen („equal treatment / equal pay“). Offenbar aus Unmut über diese Situation haben die IG BCE und die Verkehrsgewerkschaft Transnet schon die DGB-Tarifgemeinschaft verlassen.

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