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Arbeitsmarkt : DIW-Studie: Mindestlohn kann viele Erwartungen nicht erfüllen

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Gebäudereiniger bekommen bereits Mindestlöhne Bild: ZB

Die Linkspartei will im neuen Bundestag noch vor der Regierungsbildung einen flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro durchsetzen. Laut einer DIW-Studie wird das einige Branchen und Regionen in Probleme bringen.

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          Die Linkspartei hat SPD und Grüne aufgefordert, die gemeinsame Mehrheit im Bundestag vor der Regierungsbildung zu nutzen und einen Mindestlohn durchzusetzen. Ökonomen aber sind uneins über die Auswirkungen. Einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)  zufolge würde ein flächendeckender Mindestlohn zwar Lohnspreizung verringern, doch würden Einkommensungleichheit und Armut kaum abnehmen. Größere Arbeitsplatzverluste könnten wahrscheinlich vermieden werden, wenn ein moderates Lohnniveau festgesetzt werde, teilte das  DIW am Mittwoch in Berlin mit. Viele der mit einer gesetzlichen Lohnuntergrenze verbundenen Erwartungen würden aber nicht erfüllt, heißt es in der Untersuchung.

          Den DIW-Arbeitsmarktexperten Karl Brenke und Kai-Uwe Müller zufolge kann der Mindestlohn zwar „Lohnspreizungen mindern, ist aber kein sozial- und verteilungspolitisches Allheilmittel.“ Auch könne man nicht „auf einen kräftigen, gesamtwirtschaftlichen Kaufkraftschub hoffen“. Die Fachleute betonen, dass damit weder das Lohndumping ein Ende hätte noch die Zahl der Hartz-IV-Aufstocker massiv zurückgehen werde.

          In diesen Branchen gibt es derzeit Mindestlöhne
          In diesen Branchen gibt es derzeit Mindestlöhne : Bild: F.A.Z.

          Käme es zu einem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro, müssten den Forschern zufolge die Bruttostundenlöhne derjenigen Arbeitnehmer, die aktuell darunter liegen, um durchschnittlich mehr als 35 Prozent steigen. Die gesamtwirtschaftliche Lohnsumme würde sich dadurch um rund drei Prozent erhöhen: im Westen um zwei und im Osten um fünf Prozent, bei Kleinstbetrieben allerdings um zehn Prozent. In der Folge sänke die die Lohnungleichheit im unteren Bereich, jedoch blieben Einkommensungleichheit, Armutsrisiko und die Zahl der Aufstocker nahezu unverändert.

          Insgesamt sehen die Experten einen Mindestlohn von 8,50 Euro oder mehr mit Skepsis. „Die Risiken wären für einige Branchen und Regionen groß.“ Sie empfehlen deshalb, den Mindestlohn zunächst auf einem niedrigeren Niveau anzusetzen und schrittweise zu erhöhen. „Brenke und Müller sprechen von einem “Feldexperiment, das mit Vorsicht angegangen werden sollte. Es wäre gefährlich, gleich mit einer hohen Dosis zu beginnen“. Außerdem regen die Experten bei der Höhe eines Mindestlohns Unterschiede etwa nach dem Alter oder der Region an.

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