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Arbeitsmarkt : DIHT: Ein-Euro-Jobs auch in der Wirtschaft

  • Aktualisiert am

Arbeitsagentur Frankfurt: ALG II sorgt für Informationsbedarf Bild: dpa/dpaweb

Langezitarbeitslose sollten auch in der Privatwirtschaft in Ein-Euro-Jobs beschäftigt werden können, fordert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Bisher ist dies nur in Stiftungen, bei Kommunen und der Wohlfahrtspflege vorgesehen.

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          Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag fordert, daß auch der Wirtschaft die Einstellung von Langzeitarbeitslosen mit Ein-Euro-Jobs ermöglicht wird. Dafür sollten Arbeitslose wie Zeitarbeiter an Betriebe ausgeliehen werden können, schlug DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Wochenende vor. Eine Woche nach In-Kraft-Treten von Hartz IV gibt es offenbar schon 5000 Eingaben beim Ombudsrat, 70 Prozent davon aus Ostdeutschland.

          DIHK-Hauptgeschäftsführer Wansleben sagte der „Bild am Sonntag“, die Betriebe könnten für die Einstellung von Arbeitslosen mit Ein-Euro-Jobs eine „individuell vereinbarte, marktgerechte Gebühr“ von drei oder vier Euro pro Stunde an die Arbeitsagentur zahlen. Die Arbeitslosen würden ein Euro pro Stunde zusätzlich zum Arbeitslosengeld II erhalten. Wansleben sagte, auf diese Weise würden Arbeitslose wieder in Kontakt zu den Betrieben kommen und die staatlichen Arbeitsagenturen könnten einen Teil der ALG-II-Zahlungen refinanzieren. Bisher sind Ein-Euro-Jobs auf Träger der freien Wohlfahrtspflege, Stiftungen oder kommunale Arbeitgeber beschränkt.

          Schmoldt: Minijobs nur für Langzeitarbeitslose

          Dagegen forderte der Vorsitzende der Gewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie, Hubertus Schmoldt, die Abschaffung der Minijobs in ihrer bisherigen Form. „Wir sollten darüber nachdenken, Minijobs nur für Langzeitarbeitslose zuzulassen“, sagte er der „Rheinischen Post“. Falls Voll- und Teilzeitjobs im großen Stil in Minijobs umgewandelt würden, müsse gegengesteuert werden.

          Die SPD korrigierte einen „Spiegel“-Bericht, wonach Parteichef Franz Müntefering schnelle Nachbesserungen bei der Hartz-IV-Reform in Aussicht stellte. SPD-Sprecher Lars Kühn erklärte, es werde keine rasche Reaktion geben, sondern die Regierung werde die Entwicklung der Reform im Laufe des Jahres prüfen. Müntefering habe in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin lediglich darauf hingewiesen, daß die Finanzmittel der Kommunen - wie gesetzlich vorgesehen - frühzeitig überprüft würden. Demnach soll bereits im Februar oder März erhoben werden, wieviel Geld in den Städten und Kreisen ankommt.

          Clement: 20 Prozent weniger Arbeitslose durch Reform

          Der Ombudsrat der Bundesregierung hat laut Zeitungsberichten mittlerweile rund 5000 Eingaben gegen die Reform gezählt hat. Zwischen dem 1. Dezember und 7. Januar wurden demnach 4000 telefonische und 1000 schriftliche Eingaben registriert. Die größten Schwierigkeiten bereitet den Betroffenen demnach die Berechnung sogenannter Bedarfsgemeinschaften mit Partnern oder Kindern.

          Nach Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement könnte die Reform die Arbeitslosigkeit um bis zu 20 Prozent reduzieren. Clement sagte der „Berliner Zeitung“, daß bei einem Wirtschaftswachstum zwischen 1,5 und 2 Prozent die Arbeitslosigkeit um 15 bis 20 Prozent gesenkt werden könne, wenn die Vermittlung der Bundesagentur für Arbeit und der Jobcenter vor Ort ab Oktober auf vollen Touren laufe.

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