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Arbeitsmarkt : Ältere arbeiten viel mehr als früher

In den Ford-Werken montieren nicht nur junge Leute den Fiesta. Bild: dpa

Den Weg in die Rente treten die Deutschen heute später an als vor 20 Jahren: Die Erwerbsquote der Personen über 60 Jahre hat sich mehr als verdoppelt.

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          Die Chancen am deutschen Arbeitsmarkt für Ältere sind so gut wie lange nicht. Die Erwerbsquote der Personen zwischen 60 und 64 Jahren hat sich innerhalb von zwanzig Jahren mehr als verdoppelt. Waren nach der Wiedervereinigung noch knapp 21 Prozent in dieser Altersgruppe am Arbeitsmarkt aktiv, sind es 2010 mehr als 44 Prozent gewesen, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung mitteilte.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Ein Trend, der sich angesichts der alternden Gesellschaft und der zunehmenden Bedeutung älterer Mitarbeiter fortsetzen dürfte. „Wir gehen davon aus, dass die Erwerbsquote weiter steigen wird“, sagte Carsten Pohl, einer der Studienautoren, dieser Zeitung.

          Alte arbeiten häufiger als Junge

          Die Beschäftigungschancen von Älteren haben für die Erhöhung des Renteneintrittsalters um zwei auf 67 Jahre eine Rolle gespielt. Die Bundesregierung hatte die Anhebung mit den verbesserten Aussichten für Ältere begründet. Teile der Opposition und die Gewerkschaften zweifeln diese Entwicklung nach wie vor an.

          Jetzt haben die Älteren die 15- bis 19-Jährigen überholt, deren Erwerbsquote im selben Zeitraum auf 30 Prozent gesunken ist. Auch in der Gruppe bis 25 Jahre sank der Anteil leicht. Die Wissenschaftler führen dies vor allem auf den Trend zu höherwertigen Bildungsabschlüssen zurück, weshalb die Absolventen später auf den Arbeitsmarkt drängen. Über alle Altersklassen hinweg (15 bis 64 Jahre) stieg die Erwerbsquote um knapp fünfeinhalb Punkte auf 76,5 Prozent.

          Mehr befristete Verträge, Zeitarbeit und Minijobs

          Die überdurchschnittlich hohe Zunahme unter den Älteren führt das IAB zum einen darauf zurück, dass heute deutlich mehr Frauen erwerbstätig sind als vor zwanzig Jahren und dass sich der Gesundheitszustand der Belegschaften merklich verbessert hat. Zum anderen wurde die Entwicklung laut Carsten Pohl dadurch begünstigt, dass die Politik seit den Reformen zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts die Vorruhestands- und Frühverrentungsregeln deutlich restriktiver handhabe.

          Ein bedeutender Anteil des Beschäftigungsanstiegs gehe auf eine Zunahme von atypischer Beschäftigung zurück, sagte Pohl. Darunter verstehen Wissenschaftler zum Beispiel befristete Arbeit, Zeitarbeit und Minijobs. Jüngere Arbeitnehmer hatten dagegen 2011 weniger befristete Arbeitsverträge als zuvor. Ebenso fallen neben der klassischen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung auch Beamte und Selbständige unter die Definition von Erwerbstätigkeit. Nähere Auskünfte dazu enthält die IAB-Studie jedoch nicht.

          Aus der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit lässt sich jedoch ablesen, dass Ältere auch deutlich öfter sozialversichert arbeiten als früher. Waren es im Juni 1999 gerade mal knapp 550.000 Personen über 60 Jahre, lag deren Zahl im Juni 2011 mit fast 1,3 Millionen mehr als doppelt so hoch.

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