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Beschäftigung boomt   : Arbeitslosenzahl so niedrig wie seit 24 Jahren nicht mehr

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Es wird in die Hände gespuckt: Kraftwerkstechniker bei der Montage einer Dampfturbine in Bremen. Bild: dpa

Der Aufschwung hält an: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist erstmals unter die Marke von 2,7 Millionen gesunken. Die Quote liegt nur noch bei 6 Prozent. Wann kommt die Vollbeschäftigung? 

          Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Oktober um 59.000 auf 2,649 Millionen gesunken. Das seien 59.000 weniger als im September und 83.000 weniger als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Weniger als  2,7 Millionen Arbeitslose gab es zuletzt im November 1991. Die Arbeitslosenquote sank im Oktober auf 6 Prozent. „Die günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hält weiter an“, erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. „Das kräftige Wachstum der Beschäftigung ist ungebrochen.“

          „Auch die Arbeitskräftenachfrage hat nochmals zugelegt“, sagte Weise. Die Zahl der offenen Stellen stieg im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um 95.000 auf 612.000. Besonders gesucht waren laut BA Arbeitskräfte in Verkehr und Logistik, Verkauf sowie Metallerzeugung, -bearbeitung und Metallbau. Auch in den Berufsfeldern Maschinen- und Fahrzeugtechnik, Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik suchen die Firmen weiter nach Fachkräften.

          Mit der aktuellen Arbeitslosenquote von 6 Prozent bewegt sich Deutschland - je nach Definition - mittlerweile schon stark in Richtung Vollbeschäftigung. Wirtschaftswissenschaftler sehen diese meist bei einer Arbeitslosenquote von 4 Prozent erreicht; in den neunziger Jahren sprachen manche Politiker auch bei einer Arbeitslosenquote zwischen 3 und 5, manchmal sogar zwischen 3 und 6 Prozent von Vollbeschäftigung.

          Der Gedanke dahinter: Es muss immer eine gewisse „Such-Arbeitslosigkeit“ geben, also Menschen, die von einer Stelle zur anderen wechseln, aber die neue Stelle noch nicht angetreten haben oder die einige Wochen nach Beendigung ihrer Ausbildung suchen müssen, bis sie ihren ersten Job antreten.

          Frank-Jürgen Weise zur Flüchtlingszuwanderung: „Das ist eine gute Bereicherung unserer Arbeitswelt und unserer Gesellschaft, dass da nicht überall ältere graue Herren durch die Gegend laufen und langsam mit dem Auto auf der Autobahn rumfahren, sondern das wird eine lebendige Gesellschaft.“

          Ein Hemmnis auf dem Weg zu einer noch niedrigeren Arbeitslosenquote dürfte aber die Flüchtlingswelle sein, die bald auch deutliche Spuren am deutschen Arbeitsmarkt hinterlassen könnte, sich jetzt aber in den Zahlen noch nicht nennenswert niederschlägt. Auf die Frage, ob 2016 die Arbeitslosigkeit spürbar steigen werde, sagte Frank-Jürgen Weise, kürzlich der F.A.Z.: „Wenn nichts passiert, ja.“ Entscheidend für die Entwicklung sei, ob weiterhin so viele Flüchtlinge kommen wie bislang. Die Flüchtlinge seien aber auch eine „gute Bereicherung unserer Arbeitswelt und unserer Gesellschaft“, sagte Weise, „das wird eine lebendige Gesellschaft."

          Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen ging die Erwerbslosigkeit laut BA binnen eines Monats um 5000 zurück auf 2,788 Millionen. Bankvolkswirte hatten im Durchschnitt einen Rückgang um 4000 Arbeitslose erwartet. In Westdeutschland ging die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl um 2000 zurück, im Osten um 3000.

          Freie Ausbildungsplätze und suchende Lehrstellenbewerber

          Die BA teilte am Donnerstag ebenfalls mit, dass mit Beginn des Ausbildungsjahres nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) 20.700 bei ihr registrierte Lehrstellenbewerber noch keine Stelle gefunden hatten. Gleichzeitig habe es Ende September noch 41.000 freie Ausbildungsplätze gegeben. Der rechnerische Überschuss im Lehrstellenangebot falle damit das sechste Jahr in Folge größer aus.

          „Die Situation am Ausbildungsmarkt ist für Bewerber erneut etwas günstiger als im Vorjahr", sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker. Es sei aber schwieriger geworden, Bewerber und Ausbildungsstellen zusammenzubringen, weil Angebot und Nachfrage sich regional unterschieden.

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