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Apotheken : Happy Digits für den Hustensaft

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Aufbruch in eine neue Apothekenwelt Bild: AP

Doc Morris-Chef Ralf Däinghaus hat eine neue Initiative gestartet: In seine „Markenpartner-Apotheke“ will er 500 Apotheken einbeziehen. Rezeptfreie Medikamente würden dort bis zu 30 Prozent billiger angeboten. Die neue Apothekenwelt, die ihm vorschwebt, gibt es aber längst.

          DocMorris mit seinem Gründer und Geschäftsführer Ralf Däinghaus sind so etwas wie das Enfant terrible im deutschen Pharmamarkt. Immer wieder suchen (und manchmal finden) sie Nischen und Lücken im komplizierten Regulierungsgeflecht. Als der Versand von Arzneimitteln an Private noch verboten war, betrieben sie das Geschäft aus den Niederlanden - wo es erlaubt war, Pillen per Post zu schicken. Seit 2004 ist das, unter Einschränkungen, auch hierzulande erlaubt. Doch liegt der Anteil der Versender im Handel mit rezeptpflichtigen Arzneien noch unter einem Prozent des Gesamtmarktes.

          Zuletzt machte sich DocMorris daran, in Saarbrücken eine Apotheke zu kaufen. Das wurde einstweilen per Gerichtsbeschluss untersagt, weil nach deutschem Recht Kapitalgesellschaften keine Apotheke kaufen dürfen. Wenig beeindruckt davon hat Däinghaus nun eine neue Initiative begonnen, wieder vom Saarland aus: In seine „DocMorris-Markenpartner-Apotheke“ will er in wenigen Jahren 500 Apotheken einbeziehen. Günstige rezeptfreie Medikamente gebe es jetzt nicht nur beim Versand, sondern auch in der „DocMorris-Apotheke um die Ecke“. Nicht rezeptpflichtige Medikamente würden dort um bis zu 30 Prozent billiger als bei der Konkurrenz angeboten.

          „Linda“, „Vivesco“ oder „Gesund ist bunt“

          Allerdings gibt es die neue Apothekenwelt, die Däinghaus vorschwebt, schon. Sie tritt unter hübschen Namen wie „Linda“ oder „Vivesco“, unter „Gesund ist bunt“ auf oder nutzt Namen der griechischen Mythologie wie „Midas“. Die Konzepte unterscheiden sich im Detail, im Kern geht es um die Stärkung der Marktmacht - gegenüber Kunden und Herstellern. Deshalb wundert nicht, dass einige Kooperationen direkt von Großhandelsfirmen initiiert wurden oder dass diese zumindest im Umfeld beteiligt sind.

          „Wir machen alles zur Stärkung von Abverkauf, Frequenzsteigerung und Kundenbindung“, sagt Thomas Graf von der Frankfurter Vivesco. Vivesco ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Großhändlers Anzag und hat seit 2004 rund 1250 Apotheken an sich gebunden. Das wären etwa 5 Prozent der 21.500 Apotheken in ganz Deutschland. Graf legt großen Wert darauf, dass der Apotheker die Konditionen mit der Anzag oder anderen Lieferanten selbst aushandelt. Über 1400 Apotheken verfügt „Linda“. Der Verein, sagt Sprecher Wolfgang Müller, sei unabhängig, arbeite aber mit dem Großhändler Phönix als Hauptlogistikpartner zusammen. „Wir haben eine Nähe zu Phönix, sind aber nicht deren verlängerter Arm.“

          „Happy Digits“

          Das wäre auch rechtlich schwierig. Denn der Apotheker muss unabhängig sein. Allenfalls vier Apotheken darf ein Apotheker besitzen. So soll die Bildung von Ketten vermieden werden, von denen die Politiker, vor allem die Apotheker, Gefahren für die Volksgesundheit wittern. Deshalb erstrecken sich die Kooperationen auf Marketing und Einkauf. So ein Zusammenschluss, sagt Linda-Sprecher Müller, sei „für die Industrie und die Krankenkassen ein starker Partner“. Äußerlich erkennen die Kunden diesen am Logo, an der Kasse auch schon mal an den Aufstellern. In „Linda“-Apotheken gibt es an der Kasse Bonuspunkte für „Payback“, in mehr als 1000 „Gesund ist bunt-Apotheken“ der der Gehe nahestehenden Kooperation Parmapharm gibt es bei Vorlage des richtigen Plastiks „Happy Digits“.

          Der Apothekerverband Abda, der Däinghaus oft attackiert hatte, gibt sich nach dem neuesten Vorstoß versöhnlich. „Nachdem klar ist, dass der Versandhandel nicht den erhoffte Gewinn abwirft, sucht DocMorris offensichtlich nach einem anderen Betätigungsfeld.“

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