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Apotheken : Apotheker bieten Hauszustellung von Arzneimitteln

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Die deutschen Apotheker reagieren auf die Zulassung des Versandhandels von Medikamenten mit einem Gegenkonzept.

          2 Min.

          Die deutschen Apotheker reagieren auf die Zulassung des Versandhandels von Medikamenten mit einem Gegenkonzept. Von sofort an können Patienten in dem Internet-Portal (www.aponet.de) bei einer nahen Apotheke ihrer Wahl Arzneimittel bestellen, die dann innerhalb weniger Stunden zu Hause zugestellt werden. "Das ist unsere Antwort auf die Politik", sagte Hans-Günter Friese, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), zur Eröffnung des Deutschen Apothekertags in Köln. Anders als im Fall von Internet-Apotheken gingen die Arzneimittel nicht durch die Hände Dritter, sondern würden von Apothekenmitarbeitern zugestellt. So sei die Bevölkerung vor den Gefahren des Versandhandels geschützt.

          Bislang hatten die Apotheken im Internet nur eine Vorbestellung von Medikamenten ermöglicht, die dann in der Apotheke abgeholt werden müssen. Der Zustellservice der teilnehmenden Apotheken ist in der Testphase bis zum Jahresende gebührenfrei. Danach sei denkbar, daß bis zu einem bestimmten Preis eine Gebühr erhoben werde, sagte ABDA-Sprecher Elmar Esser. Bestellungen bei Apotheken in größerer Entfernung zum Zustellort sind ausgeschlossen. Der Verband habe schnell reagiert, lobte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Marion Caspers-Merk (SPD). "Wir wollen, daß Versandhandel in Deutschland stattfindet." Dies werde aber nur ein Marktsegment unter vielen sein.

          Den parteiübergreifenden Reformkonsens hätten die Apotheker "mit Fassungslosigkeit und Enttäuschung" aufgenommen, sagte Friese. Er beklagte den Zeitgeist, dem die Stärkung des "wettbewerblich kommerziellen Elements im Gesundheitswesen" entspreche. Union und FDP warf er vor, Zusagen aus dem Frühjahr 2003 nicht eingehalten zu haben. Nach den Gesetzesplänen soll öffentlichen Apotheken von 2004 an der Versandhandel gestattet werden. Auch bei diesem Vertriebsweg müssen Patienten künftig die Zuzahlung von mindestens 5 Euro je Packung entrichten. In Verbindung mit der Neuregelung der Apotheken-Handelsspanne würden es die neuen Distributeure schwer haben, sagte Friese voraus. Bislang verdienen Apotheker um so mehr, je teurer ein Medikament ist. Künftig dürfen sie nur noch 3 Prozent auf den Einkaufspreis aufschlagen, erhalten je Packung aber ein festes Honorar von 8,10 Euro. Ein solches "Kombimodell" hatten die Apotheker vorgeschlagen, um zu verhindern, daß Versandapotheken ihr Sortiment auf gewinnbringende teure Mittel beschränken. "Der Rosinenpickerei ist weitgehend die Geschäftsgrundlage entzogen", erkannte Friese an.

          Fragen wirft nach Ansicht des Verbandschefs die Lockerung des sogenannten Mehrbesitzverbots auf: Künftig kann jeder Apothekenleiter bis zu drei Filialen im selben oder benachbarten Kreis betreiben. Friese hält das für überschaubar, solange das Gesetz eingehalten wird. Die Begrenzung werde nicht von Dauer sein, prognostizierte der FDP-Gesundheitspolitiker Dieter Thomae. Die rot-grüne Koalition befürworte aus ideologischen Gründen Apothekenketten, um der Gewerkschaft Verdi mehr Einfluß zu verschaffen.

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