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Anthony Scaramucci : Hier kommt der Mooch

Beherrscht ganz ähnliche Gesten wie sein Boss: Anthony Scaramucci Bild: AP

Anthony Scaramucci kennt auf einmal jeder. Wer ist der neue Kommunikationschef des Weißen Hauses, in den Donald Trump nun seine Hoffnung setzt? Auf jeden Fall einer, mit dem er einiges gemein hat.

          Der ehemalige Hedgefonds-Unternehmer Anthony Scaramucci hat eine fulminante erste Woche als Kommunikationschef des Weißen Hauses hinter sich. Er bezeichnete Donald Trumps Stabschef Reince Priebus als „verdammten paranoiden Schizophreniker“ - kurz bevor der Präsident Priebus entließ und durch den bisherigen Heimatschutzminister John Kelly ersetzte. Den rechten Chefstrategen Steve Bannon bedachte er mit Obszönitäten und verlieh außerdem seinem Wunsch Ausdruck, alle Leute, die Geheimnisse aus dem Weißen Haus verraten, ermorden zu wollen und mindestens zu feuern.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Dem Fernsehsender CNN verriet er überdies, dass er ein „Straight Shooter“ sei, einer, der mit offenem Visier kämpft. Damit ist eine neue Zeit angebrochen im Weißen Haus: Der rausgeflogene Sprecher Sean Spicer war von Journalisten als brüsker notorischer Lügner verabschiedet worden, während Scaramucci erkennbar aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht hat. Gelogen hat er nicht.

          Scaramucci (Spitzname „Mooch“) macht es selbst potentiellen Verteidigern schwer, seine Auftritte als zwingende Bauteile einer überlegenden Kommunikationsstrategie darzustellen. Klar: Vermutlich hat er einige Leute von der Tatsache abgelenkt, dass die Republikaner mit ihrer Gesundheitsreform grandios gescheitert sind, ihre große Steuerreform verwässert sehen und lieber nicht mehr von dem eine Billion Dollar schweren Infrastrukturprogramm sprechen. Nur scheint es auch keine nachhaltige Strategie zu sein, politische Niederlagen mit PR-Katastrophen zu übertünchen.

          Sechs Monate „Cock-Blocking“

          In Wahrheit war echte Wut der Auslöser der Ausfälle Scaramuccis, von denen vor allem jenes Telefongespräch mit dem „New-Yorker“-Reporter Ryan Lizza ins Kontor haut. Sein Zorn richtet sich gegen diejenigen Verräter im Weißen Haus, die tatsächlich seit Beginn der Amtszeit Donald Trumps in nie da gewesener Quantität Geheimnisse an Journalisten weitergeben mit dem erkennbaren Ziel, der Politik und der Reputation des Präsidenten und seines Umfeldes zu schaden.

          Gespeist wird Scaramuccis Zorn offenkundig durch seine starke Loyalität zu Donald Trump, dem er sich wegen interessanter Parallelen im Lebenslauf (mittlerweile) verbunden fühlt. Persönliche Betroffenheit dürfte die Wut allerdings zusätzlich entfacht haben. Denn die Online-Zeitschrift „Politico“ hat in dieser Woche die finanziellen Verhältnisse Scaramuccis offengelegt, soweit sie aus der vertraulichen Selbstauskunft hervorgingen, die er vor seinem Eintritt in die staatliche Export-Import-Bank abgeben musste. Das hat den Multimillionär erkennbar verärgert, zumal verschiedene Medienberichte mit dem Hinweis versehen waren, dass er trotz seines Eintritts in den Staatsdienst noch von seinem alten Hedgefonds Skybridge Capital profitiere.

          Trump hatte ihn in der Staatsbank plaziert, nachdem der nun entlassene Stabschef Priebus erfolgreich verhindert hatte, dass Scaramucci eine Aufgabe im Weißen Haus bekommt. Das ist zumindest die Wahrnehmung von Scaramucci, der von sechs Monate „Cock-Blocking“ sprach. Das Wörterbuch für englische Umgangssprache erläutert Cock-Blocking so: Ein Mann wird erfolgreich daran gehindert, Sex zu haben.

          Amerikanische Aufstiegsgeschichte

          Scaramucci ist in den handfesten Verhältnissen einer von italienischen Einwanderern geprägten Arbeiter-Enklave in Port Washington auf Long Island nahe der Metropole New York groß geworden. Sein Vater hat 42 Jahre als Arbeiter in einem Sandbruch geschafft, seine Mutter war Hausfrau. Er sei anfangs ein schlechter Schüler gewesen. Einem Magazin verriet er: „Ich möchte, dass sie sich folgendes Bild vorstellen. Ich war ein Mann im schwarzen T-Shirt, trug Goldkettchen und fuhr einen getunten 79er Camaro.“

          Scaramucci verkörpert zugleich eine Aufstiegsgeschichte, wie man sie sich am besten in den Vereinigten Staaten vorstellen kann. Seine Eltern ermöglichten ihm ein Studium, das ihn schließlich nach Harvard an die Law School führte. Die Investmentbank Goldman Sachs mit ihrem Herz für ehrgeizige Aufsteiger gab Scaramucci eine Chance - später gründete der Mann einen eigenen Hedgefonds namens Oscar Cap, den er an die Bank Neuberger verkaufte, die wiederum bei den Lehman Brothers endete.

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