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Ankauf von Staatsanleihen : No, Dottore Draghi

Mario Draghi Bild: Reuters

Die EZB wird wohl den Kauf von Staatsanleihen in großem Stil beschließen. Die wirtschaftlichen Folgen sind ungewiss.

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          Die Europäische Zentralbank wird mit hoher Wahrscheinlichkeit am kommenden Donnerstag ein Programm zum Ankauf von Staatsanleihen beschließen. Es gibt gute Gründe, diesem Programm nicht zuzustimmen – und diese Gründe sind rein ökonomischer Natur. Es ist nicht notwendig, auf juristische Bedenken zu verweisen (wie es nicht wenige deutsche Ökonomen tun), noch ist es zwingend, den Norden ausbeutende Südländer als Argumentationsfigur zu bemühen.

          Rein ökonomisch betrachtet, kauft bei einem solchen Programm eine staatliche Zentralbank Staatsanleihen und schreibt im Gegenzug meist privaten Banken Einlagen auf deren bei der Zentralbank unterhaltenen Konten gut. Durch die Staatsanleihenkäufe der Zentralbank ändert sich die Summe der in der Privatwirtschaft gegenüber dem Staat gehaltenen Forderungen überhaupt nicht. Es ändert sich nur die Zusammensetzung dieser Forderungen: Die Privatwirtschaft hält weniger Staatsanleihen als zuvor, aber besitzt im Gegenzug mehr Bankguthaben beim Staat. Jede ökonomische Wirkung von Staatsanleihenkäufen muss sich aus dieser Veränderung der Forderungen der Privatwirtschaft gegenüber dem Staat ableiten lassen.

          Das ist gar nicht einfach. Der amerikanische Ökonom Neil Wallace hat vor gut drei Jahrzehnten gezeigt, dass in einer Welt mit perfekten Kapitalmärkten Staatsanleihenkäufe von Zentralbanken keinerlei Effekte besitzen. Nun sind Kapitalmärkte in der Realität nicht perfekt und es lassen sich daher Argumente finden, warum Staatsanleihenkäufe doch Wirkung entfalten könnten. So mag ein Renditerückgang als Folge der Anleihenkäufe zu einer Belebung der Wirtschaft beitragen. Falls viele ausländische Investoren Staatsanleihen verkaufen, kann dies eine exportfördernde Abwertung der Währung zur Folge haben.

          Neue amerikanische Studien belegen jedoch, dass dort die positiven Wirkungen von Staatsanleihenkäufen sehr wahrscheinlich überschätzt worden sind. Andererseits stehen diesen Käufen problematische Anreizwirkungen entgegen. EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger hat recht: Staatsanleihenkäufe können, wenn überhaupt, nur eine letzte Waffe der Geldpolitik in einer verzweifelten Situation bleiben. Aber auch dann bliebe ihre Wirkung ungewiss.

          Das ist aber nicht die Welt, in der wir leben. Der Euroraum befindet sich nicht in einer schweren Deflation und es gibt durchaus Anzeichen für gedämpften wirtschaftlichen Optimismus, denn einige monetäre Indikatoren beginnen sich zu verbessern.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

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