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Andrea Nahles findet : In Deutschland herrscht gar nicht so viel Armut

  • Aktualisiert am

Sozialministerin Andrea Nahles Bild: dpa

In Deutschland gibt es immer mehr Armut? Gegen diese Erzählung gibt es immer mehr Opposition. Jetzt stellt sich auch die Sozialministerin dagegen.

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          In Deutschland gibt es immer mehr Armut - so schrieb es der Paritätische Wohlfahrtsverband im Februar. Seine Rechnung: Arm ist, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens zur Verfügung hat, für eine vierköpfige Familie wären das derzeit 1873 Euro im Monat. Das ist ein „relativer Armutsbegriff“. In dieser Rechnung würde die Armut nicht einmal verringert, wenn alle Deutsche plötzlich das Doppelte verdienten.

          Dafür hat der Wohlfahrtsverband viel Kritik bekommen. Jetzt stellt sich selbst Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) gegen diese Wahrnehmung. „Der Ansatz führt leider schnell in die Irre“, sagte sie der Süddeutschen Zeitung. Es handele sich um eine relative Größe, die zwar die Spreizung der Einkommen zeige, aber nicht die absolute Armut.

          Mit solchen Berechnungen laufe die Politik und die Gesellschaft Gefahr, den Blick für die wirklich Bedürftigen zu verlieren. „Es gibt zum Beispiel mehr illegale Einwanderer und sehr viele jüngere Erwerbsgeminderte, da haben wir es mit wirklicher Armut zu tun.“

          Ende 2016 oder Anfang 2017 will sie den fünften Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung vorlegen. Darin werde ihr Haus darlegen, welche Auswirkungen Reichtum für die Gesellschaft habe oder welchen Einfluss Vermögende und Eliten auf politische Entscheidungen und gesellschaftliche Diskurse nähmen, sagte Nahles. „Ich glaube, da gibt es viele Vermutungen, oft auch Vorurteile“, erklärte die SPD-Politikerin.

          In diesem Artikel ist folgende Korrektur vorgenommen: Ursprünglich hieß es, die Armutsschwelle des Wohlfahrtsverbands liege bei 60 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens. Tatsächlich sind es 60 Prozent des Median-Einkommens.

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