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Andrea Nahles : Fahrstuhlabenteuer

  • -Aktualisiert am

Raus aus dem Paternoster! Der soll nach der umstrittenen Verordnung nur noch für ganz versierte Mitarbeiter da sein. Bild: dpa

Das Fahren im Paternoster kitzelt ein bißchen an den Nerven. Die Bundesregierung hält die Aufzüge jetzt für so gefährlich, dass sie deren Nutzung regeln will. Manchmal übertrifft die deutsche Wirklichkeit leider jedes Klischee.

          Schon vor zwanzig Jahren sollten die Paternoster, deren Neubau da bereits geraume Zeit verboten war, endgültig einem übertriebenen Sicherheitsbedürfnis geopfert werden. Nach heftigen Protesten wurde den letzten 400 dieser gemütlichen Aufzüge, in die man ohne störende Türen bei laufendem Betrieb hinein- und hinausspringen kann, dann wenigstens ein Bestandsschutz bis ans Ende ihrer Laufzeit gewährt.

          Jetzt aber meint die Bundesregierung, sie müsse die Bürger selbst vor diesem Rest Nervenkitzel und Risiko bewahren. Das Fahren im Paternoster wird von Juni an nur noch dem erlaubt, der in die Benutzung eingewiesen worden ist.

          Doch ist schon die nächste Novelle geplant: Auch von dieser Regel soll es Ausnahmen geben, das Kabinett wird sich bald wieder mit den Aufzügen befassen. Glücklich ein Land, das keine anderen Sorgen hat?

          Der Scherz bleibt einem im Halse stecken. Ein Staat, der seine Bürger im Alltag derart in Watte packt, lullt sie ein. Kein Radfahrer ohne Helm, kein Fußweg ohne Zaun, kein Aufzug ohne Tür? Es wird lebensgefährlich, wenn sich die Politik anmaßt, ihren Bürgern jedes Aufpassen zu ersparen.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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