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Amerikas Notenbank : Auch Ben Bernanke wollte seine „Bazooka“

Ben Bernanke Bild: AP

Die wichtigste Zentralbank der Welt veröffentlicht Protokolle der Treffen ihrer obersten Entscheider während der Finanzkrise. Es zeigt sich: Die neue Notenbankchefin Yellen ahnte früher als andere, wie schlimm es wird.

          Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 fanden die amerikanischen Notenbanker noch Zeit für einen Scherz, um die Anspannung ein wenig zu lockern. Das zeigt ein Blick in die mit Spannung erwarteten Abschriften der Notenbanksitzungen des Krisenjahres 2008, die die Federal Reserve nun veröffentlicht hat (hier der Originaltext).

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Am 16. September 2008, noch bevor der Versicherungskonzern AIG gerettet wurde, schlug der damalige Notenbank-Präsident Ben Bernanke dem Offenmarktausschuss vor, keine Obergrenzen für Dollar-Kreditlinien an anderen Notenbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB) zu setzen. „Ich weiß, damit bekomme ich meine eigene Bazooka“, scherzte Bernanke in Anlehnung an den damaligen Finanzminister Henry Paulson, der vom Kongress eine finanzielle Panzerfaust gefordert hatte, um diese nicht benutzen zu müssen. Das Protokoll notiert Lachen.

          Die Gesprächsabschriften umfassen insgesamt fast 1900 Seiten von 6 Telefonkonferenzen und 8 Treffen des wichtigsten Entscheidungsgremiums der Zentralbank (Offenmarktauschuss). Die Veröffentlichung der Federal Reserve umfassen allerdings nicht die zahllosen Telefonate, die Bernanke damals zur Krisenabwehr unter anderem mit dem amerikanischen Finanzminister Henry Paulson und dem damaligen Vorsitzenden der wichtigen Zentralbank-Zweigstelle von New York, Timothy Geithner, führte - Geithner wurde später Finanzminister.

          Die Abschriften eröffnen Einsichten auch in das Denken der neuen Zentralbank-Präsidentin Janet Yellen. Im Januar 2008 schon sah sie die amerikanische Wirtschaft „am Rande, wenn nicht schon in der Rezession“. Die Fed hatte eine Woche zuvor in einer Telefonkonferenz den Leitzins drastisch um 0,75 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent gesenkt. Am Jahresende 2008 sollte der Leitzins Null Prozent erreicht haben.

          Anfang 2008 aber sahen die Fed-Ökonomen die Wirtschaft im Gegensatz zu Yellen noch nicht in der Rezession. Sie warnten nur vor größer werdenden Risiken eines Abschwungs. Schon die Abschriften aus den Vorjahren hatten gezeigt, dass Yellen als eine der ersten im Offenmarktausschuss die Gefahr erkannt hatte, dass das Platzen der Hauspreisblase die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen würde.

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