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Mindestlohn : Die 15-Dollar-Revolution

Bild: Bloomberg

Amerikas Metropolen erhöhen den Mindestlohn. Das kann unbeabsichtigte Konsequenzen haben - bei Fast-Food-Ketten gibt es schon einen Vorgeschmack darauf.

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          Als Simon Jacobs in New York Hale & Hearty, die Schnellrestaurantkette für gesunde Suppen, vor einigen Jahren übernahm, hatte sie acht Niederlassungen mit mehr als 200 Beschäftigten. Der umtriebige Jacobs vergrößerte die Zahl der Restaurants auf 32 mit knapp 1000 Beschäftigten. Aus seiner heutigen Sicht war das ein schwerer Fehler.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Der Bundesstaat New York wird den Mindestlohn für die Arbeiter in der Fast-Food-Gastronomie bis 2018 auf 15 Dollar je Stunde erhöhen. Zurzeit bekommen die Hamburger-Brater und Pizzabäcker 8,75 Dollar. Die Erhöhung trifft alle Ketten mit mehr als 30 Niederlassungen einschließlich der lizenzierten Restaurants. McDonald’s, Kentucky Fried Chicken, Dunkin’ Donuts und all die anderen großen Namen gehören dazu, aber auch die unbekannten Unternehmen Pretzelmaker, Long John Silver oder eben Hale& Hearty, die Suppenmacher aus Manhattan. Knapp 140 Ketten und deutlich mehr als 150 000 Beschäftigte im Staat New York sind betroffen. Oder beglückt. Je nach Perspektive. Der Kampf um die Deutungshoheit tobt.

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          „Amerika verdient eine Lohnerhöhung“, hatte Präsident Barack Obama am Labor Day 2014, dem amerikanischen Tag der Arbeit, gesagt. Das war vor ziemlich genau einem Jahr. Er wollte damit den amerikanischen Kongress unter Druck setzen, einen höheren Mindestlohn zu erlassen. Der Präsident hatte allerdings 10,10 Dollar Stundenlohn im Sinn. Ein Jahr später hat ihn die Mindestlohnkampagne links überholt. Sie hat als magische Zahl die 15 Dollar in die Welt gesetzt und feiert einen Erfolg nach dem anderen.

          New York, Seattle, San Francisco, Chicago, Los Angeles – Amerikas Metropolen sind auf dem Weg, den Niedriglöhnern, die oft zwischen acht und neun Dollar verdienen, jene 15 Dollar zu verschaffen. „Wieso eigentlich 15 Dollar? Weil das so eine schöne runde Zahl ist?“ Simon Jacobs entrüstet sich. Der Unternehmer ist aus London nach New York gekommen und findet nun, dass seit Obamas Worten das Geschäft hart geworden ist. Löhne sind der zweitgrößte Kostenfaktor nach den Nahrungsmitteln für seine Branche. „Die Idee, dass Restaurantunternehmen eine Steigerung der Löhne um 15 Prozent jedes Jahr erfolgreich bestehen können, trotzt jeder Wirklichkeit“, schimpft Jacobs. Es werde Pleiten geben, Entlassungen und weniger Expansion. In der Summe bedeutet das: „Weniger Jobs für Arbeitnehmer ohne Ausbildung.“

          60 Prozent aller Beschäftigten von Schnellrestaurants beziehen Sozialleistungen

          Unterstützung bekommt er von einem der Großen der Branche, den Chef der Kette Dunkin’ Donuts, Nigel Travis. Er nennt eine Lohnerhöhung um 71 Prozent in drei Jahren hanebüchen. Das bremse seine Ambitionen, neue Leute einzustellen. New York State habe eine Jugendarbeitslosigkeit von mehr als 20 Prozent, rechnet Travis vor. „Die Leute vergessen, dass unsere Branche die erste Arbeitsstelle für Millionen Amerikaner ist. Wir trainieren die Leute für den amerikanischen Arbeitsmarkt.“ Sie lernen Pünktlichkeit, Sauberkeit, diszipliniertes Arbeiten und den Umgang mit Kunden. Das sei für einen Arbeitsmarkt, der zum Beispiel das deutsche Lehrlingssystem nicht kenne, wichtig.

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