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Amerikas Finanzminister in Berlin : Sparen ist richtig, Jack Lew!

Amerikas Finanzminster Jack Lew kommt am Mittwoch nach Berlin Bild: Reuters

Amerikas Finanzminister kommt nach Berlin, um den Deutschen die Leviten zu lesen: Die Bundesregierung soll mehr Geld ausgeben. Hier sind fünf Gründe für Jack Lew, warum seine Ideen nicht die richtigen sind.

          3 Min.

          Willkommen in Deutschland, Jack Lew!

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Heute Mittag treffen Sie unseren Finanzminister Wolfgang Schäuble - und wir wissen auch, was Sie auf dem Herzen haben. „Einige Länder können die Nachfrage und das Wachstum mehr ankurbeln, als andere das tun“, haben Sie gesagt. Damit meinen Sie Deutschland. Unsere Regierung soll auf Pump mehr Geld ausgeben, damit wir Deutschen mehr Geld ausgeben können. Sie hoffen, dass das Geld am Ende den Krisenstaaten zugute kommt - zur Not auf Umwegen. Schon im vergangenen Jahr hat Ihr Ministerium uns vorgeworfen, Deutschland exportiere zu viel und importiere zu wenig aus anderen Ländern.

          Aber Ihre Vorschläge sind nicht die richtigen. Aus fünf Gründen:

          1. Deutschland ist schon längst eine Stütze des Wachstums

          Nach der Finanzkrise haben sich bisher nur zwei Länder richtig erholt: die Vereinigten Staaten und Deutschland. Nur in diesen beiden Ländern liegt das Pro-Kopf-Einkommen über dem Vorkrisenniveau. In Amerika mögen Sie das mittels großer Konjunkturprogramme und hoher Staatsverschuldung geschafft haben. Deutschland hatte auf einem anderen Weg Erfolg: sparsam wirtschaften, auf Lohn verzichten, attraktive Produkte zu einem angemessenen Preis anbieten - damit haben wir schon vor der Krise die Grundlage dafür gelegt, dass das Land gut aus der Krise kommen kann.

          2. Wir geben schon viel Geld aus

          So sparsam sind wir Deutschen trotzdem nicht. Unsere Firmen sind konkurrenzfähig, unsere Arbeitsplätze sicher, die Zinsen machen Sparen zum Verlustgeschäft - da fangen wir ganz von selbst an, unser Geld auszugeben. Wir konsumieren wieder: Wir gehen ins Restaurant, wir kaufen ein und wir akzeptieren horrende Mietsteigerungen in großen Städten, anstatt aufs Land zu ziehen. Der Konsum ist heute die wichtigste Stütze unseres Wirtschaftswachstums! Auch aus dem Ausland importieren wir schon mehr Waren als vor ein paar Jahren.

          Zugegeben, unsere Exporte wachseln immer noch schneller als unsere Importe. Aber ist das schlimm, wenn der Rest der Welt unsere Waren kaufen will? Und glauben Sie wirklich, mit zusätzlicher Staatsverschuldung könnte die Regierung unsere Importe nennenswert in die Höhe treiben? Heute bleibt das meiste von unserem neuen Konsum hier im Land - das wird sich auch mit einem Konjunkturprogramm nicht ändern.

          Sie wollen Ungleichgewichte zwischen den Ländern ausgleichen. Dazu sind aber nicht wir die erste Adresse. Bedenken Sie: Bevor wir mehr griechische Waren kaufen können, müssen erst mehr interessante griechische Waren produziert werden.

          3. Unsere Regierung spart überhaupt nicht

          Auch unsere Regierung ist gar nicht so sparsam, wie Sie denken. Ich weiß, Sie überziehen Ihr Konto noch viel heftiger als unser Finanzminister. Aber unsere neue Regierung hat gerade erst beschlossen, dass sie in den nächsten Jahren doch keine Schulden tilgen will. Das Geld gibt sie lieber für neue Wohltaten aus. Noch mehr Ausgaben versteckt sie in der Rentenkasse. Darin werden so viele neue Ausgaben versteckt, dass niemand mehr weiß, wie das nach dem Jahr 2017 finanziert werden soll.

          4. Noch mehr Schulden wären gefährlich

          Sie haben gut reden, wenn es um Schulden geht: Sie stellen die Welt-Leitwährung bereit, Sie haben fast immer Kredit. Amerika hält vielleicht auch mal eine Zeit lang höhere Schulden aus. Wir in Deutschland müssen schon ein bisschen aufpassen, wie groß unser Schuldenberg ist. Die Zinsen wollen ja auch bezahlt werden. Heute sind die zwar niedrig. Aber falls sie wieder steigen, wird es teuer. 100 Milliarden Euro hat unsere Regierung zwischen 2009 und 2013 an den niedrigen Zinsen gespart und den Haushalt trotzdem nicht ausgeglichen. Stellen Sie sich mal vor, die Regierung muss diese Summe irgendwann wieder bezahlen.

          Ihre Berater sagen, wenn der Staat sich Geld leiht, wächst auch die Wirtschaft schneller. Trotzdem endet fast jedes schuldenfinanzierte Konjunkturprogramm mit einem höheren Schuldenstand. Deshalb sind Kredite die falsche Lösung. Gucken Sie sich mal Irland an. Das Land hat ordentlich gespart, jetzt wächst es wieder und kann sich inzwischen wieder ganz normal Geld an den Kapitalmärkten leihen - das hat das Land gestern erst bewiesen.

          5. Staaten sollten nicht gemeinsam haften

          Mit der Wirtschaftspolitik reicht es Ihnen nicht. Sie haben auch Ratschläge für die Eurokrise: Sie verlangen, dass Europa mehr Geld für eine gemeinsame Bankenrettung bereitstellt. Ihr Ziel ist „eine signifikante Teilung von Risiken und Kosten“. Aber Sie wissen doch, wie das ist: Wenn man die Kosten auf andere abwälzen kann, geht man auch höhere Risiken ein. Was die Banken wirklich brauchen, ist mehr Eigenkapital als Schutz vor Pleiten und eine glaubwürdige Lösung, wie für eine Insolvenz Aktionäre und Gläubiger zahlen anstelle der Staaten.

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