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Donald Trump : Ein Steuervermeider in bester Gesellschaft

Donald Trump bei einer Wahlkampfrede in Ohio Bild: AFP

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump wird kritisiert, weil er keine Steuern zahlt. Doch sein Vorgehen ist nicht so ungewöhnlich. In Amerikas Steuerrecht klafft eine große Lücke.

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          Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat den Ruf angeheftet bekommen, ein rücksichtsloser Steuervermeider zu sein. Er hatte Medienberichten zufolge einen 900 Millionen hohen Dollar-Verlust vor einigen Jahren genutzt, um in den Folgejahren seine Steuerlast durch den Verlustvortrag zu drücken.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          In den politischen Debatten, die darauf folgten, versuchten Trumps Gegner die Erzählung durchzusetzen, der Unternehmer sei außergewöhnlich in seiner Gier und in seinem Mangel an Bereitschaft, an der staatlichen Umverteilung über seine gesetzliche Pflicht hinaus mitzuwirken. Trump wiederum, der die Medienberichte grosso modo bestätigte, stellte die Steuervermeidung als Beweis seiner fiskalischen Gewandtheit dar und als Voraussetzung dafür, den amerikanischen Steuerdschungel zu durchforsten, sollte er ins Amt kommen.

          In einer Hinsicht liegen Trumps Gegner falsch, vermutlich mit wahlkämpferischer Absicht. Trump ist nicht singulär im Bestreben, den Fiskus auf Diät zu setzen. Jedes Jahr nutzen allein mehr als eine Million Amerikaner die Möglichkeit, Verluste ins nächste Jahr zu übertragen, berichtet die Stiftung Tax Foundation. „Nichts ist obskur an dieser Methode“, twitterte Alan Cole, Ökonom und Mitarbeiter der Foundation. Und es ist noch nicht mal ein Loch in der Steuergesetzgebung, das einfach nur geschlossen werden muss.

          Zwei Drittel aller Unternehmen ohne Gewinnsteuer

          Die Erwartung, dass Steuerzahler Steuern in der Höhe des festgeschriebenen Satzes entrichten, ist ohnehin grundfalsch. Wie sehr, das zeigt in besonderer Klarheit ein Bericht des „Government Accountability Office“, eine Art wissenschaftlicher Dienst des Kongresses, von diesem Jahr. Er hatte die Wirkung der Unternehmens-Gewinnsteuer untersucht. Der Steuersatz liegt bei 35 Prozent für die meisten Unternehmen und erregt viele Ökonomen in Denkfabriken, weil kein anderes Industrieland so viel verlangt. Sie wähnen einen gewaltigen Standortnachteil.

          Doch dem Bericht zufolge haben mindestens zwei Drittel aller aktiven Unternehmen in der Zeitspanne zwischen 2006 und 2012 überhaupt keine Gewinnsteuern an den Bund abgeführt. Das trifft vor allem kleine Unternehmen, aber nicht nur: Firmen mit einem Vermögenswert von mindestens 10 Millionen Dollar, sie gelten in der Studie als große Unternehmen, haben zu 42 Prozent keine Gewinnsteuern an den Bund schicken müssen. Und von diesen großen Unternehmen haben selbst jene mit bilanziellem Gewinn immerhin knapp 20 Prozent die Steuer vermeiden können. Im Schnitt haben profitable Unternehmen im Jahr 2012 effektiv 16 Prozent Gewinnsteuern an den Bund gezahlt.

          Als Ursachen für die erfolgreiche Steuervermeidung nennen die Autoren des Berichtes die Ausnutzung von Verlustvorträgen an erster Stelle. 15 bis 19 Prozent aller Unternehmen haben in den Jahren von 2008 bis 2012 mit dieser „Methode Trump“ ihre Gewinne komplett neutralisiert. An zweiter Stelle stehen Sonderabschreibungen, die oft politische Absichten verfolgen. Sie sind zugleich völlig legal, tragen aber dazu bei, dass die effektiven Steuersätze dramatisch auseinandergehen. Und schließlich spielen Steuerzahlungen im Ausland eine große Rolle.

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