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Amerikanische Notenbank : Langfristiger Zins ist so niedrig wie nie zuvor

Die amerikanischen Notenbanker um Ben Bernanke schauen mit Sorge auf die Konjunkturerholung und wollen ihr auf die Sprünge helfen Bild: AFP

Der Chef der amerikanischen Notenbank Bernanke will wieder verstärkt die heimische Wirtschaft stützen. Das besorgt Anleger rund um den Globus. Viele flüchten aus Aktien und suchen die Sicherheit der Staatsanleihen.

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          Die Renditen von Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit sind am Mittwoch auf ein historisches Tief gefallen. Zeitweise verzinsten sich diese Staatsanleihen nur noch mit 2,40 Prozent. Auslöser für das jüngste Rendite-Tief ist die skeptischere Konjunktureinschätzung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed). Auf der Suche nach Sicherheit kauften Anleger Staatsanleihen, deren Kurse deswegen stiegen. Deshalb sank am Mittwoch auch die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihe auf bis zu 2,69 Prozent - das tiefste Niveau seit April 2009. Aufgrund der höheren Risikoscheu der Investoren fielen die Aktienkurse. Der deutsche Aktienindex Dax verlor bis zum frühen Abend 2,2 Prozent auf 6151 Punkte. An der Wall Street rutschte der Dow Jones Index um 2,1 Prozent auf 10 416 Punkte.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Fed hatte am Dienstagabend angekündigt, die Wirtschaft der Vereinigten Staaten durch den Kauf von mehr Staatsanleihen weiterhin stützen zu wollen, und damit einen Kurswechsel vollzogen. Die wirtschaftliche Erholung entwickele sich auf kurze Sicht gemäßigter als bislang erwartet, begründeten die Notenbanker den Schritt und führen der Wirtschaft wieder mehr Geld zu als zuvor. Die amerikanische Zentralbank hält aber an ihrem Ausblick einer weiter moderaten Erholung fest. Der „außergewöhnlich niedrige“ Leitzins von 0 bis 0,25 Prozent solle für längere Zeit beibehalten werden, versicherten die Geldpolitiker abermals.

          Das Umfeld niedriger Zinsen wird nun zunehmend zum Problem

          „Die Entscheidung der Fed zeigt, dass die Sorgen über die amerikanische Konjunktur doch größer sind, als es die Notenbank bisher hat erahnen lassen“, sagt Carsten Klude, der Chefvolkswirt von M.M.Warburg, und wertet dieses Signal als positive Nachricht für die Anleihemärkte. Zinserhöhungen seien damit noch weiter in die Ferne gerückt als bisher schon. Der Markt rechne nun frühestens zum Jahresende 2011 mit höheren Leitzinsen in Amerika. Die Anleiherenditen dürften daher noch weiter sinken, sagt Klude. Auch an den Aktienbörsen dürften in den kommenden Wochen die konjunkturellen Sorgen überwiegen, da sich auch in Europa die Wirtschaftsdaten eher abschwächten.

          Das Umfeld niedriger Zinsen wird nun zunehmend zum Problem für langfristige Kapitalanleger wie Versicherer, Pensionskassen und Stiftungen. Noch beträgt der aktuelle Garantiezins der Versicherer 2,25 Prozent. Doch die Umlaufrendite im deutschen Rentenhandel, an der sich dieser Zins orientiert, fiel am Mittwoch auf 2,15 Prozent. „Diese Investoren werden sich überlegen müssen, wo sie ihr Geld künftig anlegen, und statt in die niedrig verzinsten, sicheren Bundesanleihen vielleicht stärker in Aktien oder auch riskantere Anleihen aus südeuropäischen Ländern investieren“, sagt Klude.

          Das Volumen dieser Käufe wird auf 10 Milliarden Dollar geschätzt

          Der Offenmarktausschuss der Fed hatte am Dienstag aus Sorge über die wirtschaftliche Abschwächung entschieden, in den kommenden Monaten in kleinem Rahmen weitere Staatsanleihen mit zwei bis 20 Jahren Laufzeit anzukaufen. In den vergangenen Monaten hatte es die Notenbank zugelassen, dass ihre Bilanz etwas schrumpfte, und so die Geldversorgung der Wirtschaft leicht verringert. Diesen Prozess stoppt die Fed nun. Mit dem Ankauf von Staatsanleihen will sie auslaufende hypothekenbezogene Wertpapiere, die sie im Zuge der Krise angekauft hatte, ersetzen und damit den Bestand an Wertpapieren in ihrer Bilanz mit 2,054 Billionen Dollar konstant halten. Das Volumen dieser Käufe wird bis Jahresende auf mindestens 10 Milliarden Dollar geschätzt.

          Bankvolkswirte in den Vereinigten Staaten werteten die Entscheidung als Signal, dass die Zentralbank die Tür für einen abermaligen großen Ankauf von Staatsanleihen öffne. Goldman Sachs rechnet mit einer solchen quantitativen Lockerung um die Jahreswende. Andere Volkswirte machen den Schritt von einer kräftigen weiteren Abschwächung der Wirtschaft abhängig. Im zweiten Quartal war die Wirtschaft auf ein Jahr hochgerechnet nur um 2,4 Prozent gewachsen. Das ist zu wenig, um die Arbeitslosigkeit von 9,5 Prozent zu senken.

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