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Amerikanische Notenbank : Künftige Fed-Chefin verteidigt lockere Geldpolitik

Janet Yellen bei der Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats in Washington. Bild: AFP

Janet Yellen soll Anfang 2014 Fed-Chef Ben Bernanke ablösen. Die lockere Geldpolitik will sie erst einmal beibehalten.

          Janet Yellen, die Kandidatin für den Vorsitz der Federal Reserve, hat die lockere Geldpolitik der amerikanischen Notenbank verteidigt. „Wir haben gute Fortschritte gemacht, aber wir müssen weiter gehen, um den in der Krise und in der Rezession verlorenen Boden wieder gutzumachen“, sagte Yellen in ihrer Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats. Yellen ist seit 2010 Vizevorsitzende der Fed. Es sei zwingend, alles zu tun, um eine starke Erholung zu erlangen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Nach einer ungewöhnlichen öffentlichen Debatte hatte Präsident Barack Obama die Ökonomin im Oktober als Nachfolgerin von Ben Bernanke vorgeschlagen, der Ende Januar seinen Vertrag erfüllt haben wird. Yellen wäre die erste Frau an der Spitze der Federal Reserve. Sie hat die aggressive Geldpolitik der vergangenen Jahre offensiv unterstützt, was auf scharfe Kritik der Republikaner stößt. Michael Crapo, der Spitzenrepublikaner im Bankenausschuss, warnte, dass die Finanzmärkte sich an die Anleihekäufe der Fed und die sehr lange Nullzinspolitik zu sehr gewöhnt hätten.

          Es gebe keinen festen Zeitplan für eine Verringerung der Anleihekäufe, sagte Yellen. „Derzeit überwiegt der Nutzen die Risiken.“ Die Fed müsse aber auch auf das Risiko achten, die Geldpolitik nicht zu spät zu straffen, „wenn die Zeit dafür kommt“. Yellen gab keine konkreten Signale, wann die Fed an eine Rücknahme der Anleihekäufe denke. „Die geldpolitische Unterstützung der wirtschaftlichen Erholung heute ist der sicherste Weg, um zu einem normaleren Ansatz der Geldpolitik zurückzukehren“, sagte sie.

          „Nur begrenzte Anzeichen für eine Suche nach dem Ertrag“

          In einer gewissen Abkehr von früheren Fed-Positionen schloss sie nicht aus, dass die Fed notfalls als letztes Mittel auch die Geldpolitik einsetzen müsse, um gegen Finanzmarktblasen anzugehen. Sie will lieber Aufsicht und Regulierung nutzen, um die Gefahr einer weiteren Finanzkrise zu verringern.

          Yellen unterstrich indes, dass sie derzeit keine Risiken für die Finanzstabilität sehe. Trotz der niedrigen Zinsen gebe es „nur begrenzte Anzeichen für eine Suche nach dem Ertrag“. Sie bestritt, dass am Aktien– oder am Hausmarkt Blasen zu sehen seien.

          Fotografen ringen um das beste Bild der künftigen Fed-Chefin

          Die 67 Jahre alte Ökonomin begründete die lockerere Geldpolitik damit, dass die Fed beide Ziele ihres Mandats verfehle. Die Arbeitslosenquote sei mit 7,3 Prozent viel zu hoch. Die Inflationsrate liege unter dem Zielwert der Fed von 2 Prozent. Zuletzt lag die Inflationsrate in der von der Fed bevorzugten Messvariante bei 0,9 Prozent.

          Gefahren für die Unabhängigkeit der Fed

          Die Fed kauft in der dritten Runde der quantitativen Lockerung seit mehr als einem Jahr jeden Monat langfristige Staats- und Hypothekenanleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar. Der Leitzins liegt seit Dezember 2008 faktisch bei Null Prozent. Die meisten Mitglieder des Offenmarktausschusses erwarten eine erste Zinsanhebung frühestens 2015. An den Finanzmärkten wird nicht ausgeschlossen, dass die Fed noch im Dezember die Anleihekäufe verringern könnte.

          Die Zustimmung des Senats zu Yellen gilt nicht als Formsache, aber selbst unter Republikanern als gesichert. Der libertäre Senator Rand Paul droht zwar, die Abstimmung zu blockieren. Er will, dass über seinen Gesetzentwurf abgestimmt wird, wonach die Fed und die Geldpolitik der umfassenden Kontrolle eines Rechnungshofes unterstellt würden. Yellen warnte, dass damit die Unabhängigkeit der Fed gefährdet sei. Pauls Manöver dürfte die Abstimmung im Senat aber nur verzögern, nicht verhindern. Im Bankenausschuss hatten vor drei Jahren nur sechs Republikaner gegen die Berufung Yellens als Fed-Vize gestimmt, die dann glatt durchging.

          Bernanke spricht

          Monatelang hatte Ben Bernanke, der Noch-Vorsitzende der Federal Reserve, noch nicht einmal bestätigen wollen, dass er Ende Januar aufhören will. Am Vorabend der Senatsanhörung seiner wahrscheinlichen Nachfolgerin Janet Yellen aber brachen bei dem nüchternen Ökonomen Dämme. Bei einem Treffen mit Lehrern spekulierte ein leicht sentimentaler Bernanke über sein Vermächtnis. Darüber müssten andere urteilen, sagte er und hatte dann doch einige Punkte parat, die dazu gehörten: die recht erfolgreichen Bemühungen der Fed, 2008/09 das Finanzsystem zu stabilisieren. Die geldpolitischen Innovationen, um auch beim faktischen Nullzins mit der Geldpolitik die Wirtschaft noch weiter zu stützen. Mehr Transparenz und Klarheit über die Geldpolitik. „Offensichtlich hatten wir sehr ereignisreiche acht Jahre“, sagte Bernanke. „Ich wünschte, ich würde mit einer Arbeitslosenquote von 5 Prozent statt von 7 Prozent gehen.“ Die Fed habe aber ein gutes Stück getan, um die Erholung zu unterstützen.

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