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Amerikanische Notenbank : „Helikopter-Ben“ darf weiter fliegen

  • Aktualisiert am

Ben Bernanke Bild: AFP

Vor dreieinhalb Jahren kam Ben Bernanke auf Vorschlag von George W. Bush an die Spitze der amerikanischen Notenbank. Jetzt lobt auch Barack Obama Bernankes Geldpolitik in der Krise. Der 55 Jahre alte Fed-Chef soll eine zweite Amtszeit erhalten. Ein Porträt.

          3 Min.

          Der Ritterschlag für Ben Bernanke kam kürzlich vom Wirtschaftsnobelpreisträger höchstpersönlich: „Ich denke, er hat einen richtig guten Job gemacht. Er hat sich eine zweite Amtszeit verdient“, warb Paul Krugman in einem Interview für den Chef der amerikanischen Notenbank, dessen Wiederernennung durch Präsident Barack Obama zur Zitterpartie zu werden drohte.

          Nun hat sich Obama entschieden: „Helikopter-Ben“ darf weiter fliegen: „Wir brauchen Bernanke, um fortzusetzen, was er derzeit tut“, sagte Obama am Dienstag auf der Atlantik-Insel Martha's Vineyard, seinem Ferienort.

          Den Spitznamen „Helikopter-Ben“ hat dem 55 Jahre alten Wirtschaftsfachmann auf dem Chefsessel der mächtigsten Notenbank der Welt seine auf Nobelpreisträger Milton Friedman zurückgehende geldpolitische Strategie eingebracht. Die bedeutet, im Krisenfall die Geldmenge massiv auszuweiten und - bildlich gesprochen - Geld aus dem Helikopter abzuwerfen im Kampf gegen Deflation und Kreditklemme. Genau dies hat der renommierte Spezialist für die Große Depression der 30er-Jahre auch gemacht.

          Bernanke hat die Leitzinsen gesenkt wie niemand zuvor

          Der 55-Jährige hat im Kampf gegen die Wirtschaftskrise die Zinsen so stark gesenkt wie noch nie. Außerdem kaufte die Fed Wertpapiere in großem Stil an, um das Finanzsystem flüssig zu halten. De facto hat er damit die Notenpresse angeworfen. Lob und Tadel hielten sich meist die Waage.

          Bernanke wurde am 13. Dezember 1953 im Bundesstaat Georgia geboren. Das Wirtschaftsstudium in Harvard schloss der Sohn eines Apothekers und einer Lehrerin mit Bestnote ab, den Doktortitel erwarb er am renommierten Massachusetts Institute of Technology. Fast 20 Jahre lehrte und forschte Bernanke an der Princeton-Universität, bevor er zur amerikanischen Notenbank wechselte.

          Forschung über die Wirtschaftskrise

          In der Zunft der Ökonomen machte er sich vor allem mit Forschung über die Wirtschaftskrise der 30er Jahre einen Namen. Er schrieb mehrere Bücher und war mehrfach Mitglied in Wirtschaftsgremien der Regierung. Entsprechend gab es reichlich Vorschusslorbeeren, als der damalige Präsident George W. Bush Bernanke im Oktober 2005 als Nachfolger des legendären Fed-Chefs Alan Greenspan nominierte. Skeptiker sprachen aber auch von übergroßen Fußstapfen.

          Inzwischen ist Bernanke zum Gesicht des globalen Kampfes gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise geworden. Gerade eineinhalb Jahre waren seit seinem Amtsantritt als oberster Währungshüter vergangen, da brach im Sommer 2007 die Immobilienkrise über die größte Volkswirtschaft der Erde herein. Anfangs von der Wall Street für seine Trägheit gescholten, zollt die Fachwelt dem wohl mächtigsten Notenbankchef der Welt inzwischen Respekt. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten hat sich mittlerweile wieder gefangen, nicht zuletzt dank billigem Geld der Fed und milliardenschwerer Konjunkturprogramme der Regierung.

          Viele haben Angst vor einer Inflation

          Bernankes Job ist damit aber noch keineswegs erledigt. Die Dollars der Fed müssen wieder zurück in die Tresore der Notenbank, wenn nicht in ein paar Jahren hohe Teuerungsraten die Ersparnisse der Amerikaner auffressen sollen. Viele mussten schon in der jetzigen Krise bei der Zwangsversteigerung ihrer auf Pump gekauften Häuser zusehen. Für sie wäre Inflation eine Katastrophe.

          Bernanke spürt diesen Druck von der Straße, er schlägt ihm bei jeder Parlamentsanhörung entgegen, wenn die Volksvertreter die Fed und ihre Politik des billigen Geldes in der Ära seines Vorgängers Alan Greenspan für die jetzige Krise verantwortlich machen. Auch Bernanke saß damals schon mit am Verhandlungstisch im Eccles Building, dem Hauptquartier der Notenbank unweit von Weißem Haus und Lincoln Denkmal im Herzen Washingtons

          Ein Nachfahre osteuropäischer Einwanderer

          Auch sein Krisenmanagement in der Krise der vergangenen zwei Jahre ist nicht gänzlich unumstritten. Seine Rolle beim Notverkauf von Merrill Lynch an die Bank of America etwa, wirft nach Ansicht vieler Experten eine Menge Fragen auf. Der Senat dürfte einer zweiten Amtszeit dennoch zustimmen.

          Obama setzt mit der erneuten Nominierung auf Kontinuität in der Krise - Bernanke und seine Truppen sollen in den kommenden Jahren die Trümmer der Rezession beseitigen und zugleich das Inflationsgespenst bannen. Ob die Fed außerdem wie von der Regierung gewünscht mehr Macht bekommen wird, bleibt wegen des Gegenwindes aus dem Kongress noch abzuwarten. Bernanke jedenfalls kann gestärkt an die vor ihm liegenden Aufgaben gehen. Aus dem Schatten seines legendären Vorgängers Alan Greenspan, dessen Mythos immer mehr verblasst, ist der schüchtern wirkende Familienvater und Nachfahre osteuropäischer Einwanderer längst getreten.

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