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Amerikanische Notenbank Fed : Janet Yellen erwartet weitere Drosselung der Anleihekäufe

Janet Yellen Bild: AP

Die neue Vorsitzende der amerikanischen Notenbank verteidigt die bisherige Geldpolitik. Aber genau diese Geldpolitik stößt langsam an Grenzen.

          3 Min.

          Die neue Vorsitzende der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve, Janet Yellen, hat Konstanz in der Geldpolitik zugesichert. „Ich erwarte einen großen Teil Kontinuität im Herangehen an die Geldpolitik“, sagte Yellen in ihrer ersten Anhörung vor dem Ausschuss für Finanzdienstleistungen im Abgeordnetenhaus. Yellen betonte, dass sie die Strategie der Fed sehr unterstütze. Die frühere Vize-Vorsitzende der Fed hatte erst vergangene Woche die Leitung der Notenbank übernommen. Mit drei Unterbrechungen stand sie dem Ausschuss in der extrem lange dauernden Anhörung fast sechs Stunden zur Verfügung.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die neue Vorsitzende signalisierte, dass die Fed aller Voraussicht nach die Anleihekäufe in moderaten Schritten weiter reduzieren werde. Yellen band diese Erwartung zwar an die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Sie verneinte ausdrücklich, dass die Fed in der Verringerung der Anleihekäufe einem vorgegebenen Pfad folge. Sie stellte aber zugleich klar, dass der Offenmarktausschuss eine weitere moderate wirtschaftliche Erholung erwarte.

          Damit ist der Weg für weitere Kürzungen der Käufe vorgezeichnet. Die Federal Reserve hatte im Dezember begonnen, die im Herbst 2012 begonnenen Käufe von Staats- und Hypothekenanleihen zu verringern. Im Januar hatte die Fed das Ankaufvolumen abermals um 10 Milliarden auf 65 Milliarden Dollar im Monat reduziert.

          Yellen hielt sich mit Kommentaren zurück, ob die zuletzt schlechten Daten vom Arbeitsmarkt eine Pause in der Drosselung der Anleihekäufe nötig machten. Der unerwartet geringe Stellenaufbau habe sie überrascht, sagte Yellen. Sie betonte, dass der Grund vielleicht allein das außergewöhnlich kalte Winterwetter sei. Man müsse sich Zeit nehmen, um die Daten zu analysieren, verwies die Fed-Vorsitzende auf das nächste Treffen des Offenmarktauschusses im März.

          Finanzmarkt-Turbulenzen „kein substantielles Risiko“

          Insbesondere die Turbulenzen an den globalen Finanzmärken in den vergangenen Wochen lassen Yellen und die Fed zumindest vorerst kalt. „Unser Verständnis ist, dass diese Entwicklungen derzeit kein substantielles Risiko für den wirtschaftlichen Ausblick der Vereinigten Staaten darstellen.“ Damit stellte sie indirekt klar, dass die Fed sich an der Entwicklung im Inland und - entgegen der Wünsche aus Schwellenländern - nicht an der Weltwirtschaft orientiere.

          Die Fed wandte sich in ihrem geldpolitischen Bericht gegen die These, dass die jüngsten Finanzturbulenzen und der Wertverfall von Währungen der Schwellenländer mit ihrer Geldpolitik zusammenhingen. In dem Bericht gesteht die Notenbank zwar ein, dass der Stress an den globalen Finanzmärkten im vergangenen Sommer durch ihre Ankündigung ausgelöst worden sei, die quantitative Lockerung wahrscheinlich zurückzunehmen. Der Beginn der Drosselung der Anleihekäufe im Dezember aber habe die geldpolitischen Erwartungen kaum verändert. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten der Schwellenländer im Januar seien durch Entwicklungen wie schlechter als erwartete Industriedaten aus China, die Abwertung des argentinischen Pesos und die Interventionen der Türkei am Devisenmarkt ausgelöst worden. Die Fed-Ökonomen zeigen die Türkei, Brasilien, Indien, Indonesien und Südafrika als die anfälligsten Länder.

          Yellen steht im Ruf, eine „geldpolitische Taube“ zu sein, die im Notfall eher mehr Wert auf eine niedrige Arbeitslosigkeit lege. In der Anhörung betonte sie, dass der Arbeitsmarkt trotz des deutlichen Falls der Arbeitslosenquote noch lange nicht gesundet sei. Sie sei beiden Aufgaben des doppelten Fed-Mandats verpflichtet, hob Yellen hervor. Mit Inflationsraten um 1 Prozent und damit unter ihrem 2-Prozent-Ziel sieht die Notenbank derzeit aber keine Inflationsrisiken. Yellen betonte, dass die niedrige Inflationsrate zum Teil in temporären Faktoren wie niedrigen Ölpreisen gründe. Das ist ein kleiner Verweis gegen übertriebene Sorgen vor einer Deflation.

          Neben der Drosselung der Anleihekäufe steht die Fed vor der Entscheidung, wie sie ihre verbalen Leitlinien für die Geldpolitik gestaltet. Yellen sieht diese „verbal guidance“ als einen wichtigen Teil der geldpolitischen Strategie, um die Zinserwartungen niedrig zu halten.

          Die Fed steht aber vor einem Glaubwürdigkeitsproblem. Seit Dezember 2012 sichert sie zu, den seit Dezember 2008 bestehenden Nullzins frühestens dann anzuheben, wenn die Arbeitslosenquote auf weniger als 6,5 Prozent gesunken sei. Mit einer Arbeitslosenquote im Januar von 6,6 Prozent ist diese Grenze fast erreicht, doch denkt die Fed an Zinserhöhungen frühestens im kommenden Jahr. Die Notenbank hat den Schwellenwert deshalb in letzter Zeit kleingeredet. Vorwürfe republikanischer Abgeordnete, die Fed folge ihren eigenen Regeln nicht, wies Yellen am Dienstag zurück. Die Bedingungen für die Geldpolitik seien nach der Finanzkrise außergewöhnlich und erlaubten eine übliche regelgeleitete Politik nicht, erklärte Yellen: „Wir versuchen, so weit wie möglich einer systematischen und vorhersagbaren Politik zu folgen.“

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