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Amerikanische Notenbank : Ben Bernankes Zukunft ist ungewiss

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Notenbanker in schwieriger Zeit: Bernanke bei einer Anhörung im Kongress Bild: AP

Der amerikanische Notenbankchef muss in seiner Funktion als oberster Währungshüter alle vier Jahre bestätigt werden. Präsident Obama will sich aber noch nicht festlegen. Er will ausloten, ob auch jemand anderes in Frage kommt.

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          Die Zukunft von Ben Bernanke an der Spitze der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) ist noch nicht gesichert. Präsident Barack Obama will sich zunächst noch nicht festlegen, ob er Bernanke für eine zweite vierjährige Amtszeit als Chairman des geldpolitischen Rates nominiert. Vorher wollen Obama und seine Berater im Weißen Haus ausloten, ob womöglich auch jemand anderes in Frage kommt.

          Bernanke ist zwar Anfang 2006 für die Dauer von 14 Jahren zum Mitglied des Fed-Direktoriums ernannt worden, in seiner Funktion als oberster Währungshüter aber muss er alle vier Jahre bestätigt werden. Bernanke steht unter politischem Druck, insbesondere im Kongress, weil er auf die Übernahme der Investmentbank Merrill Lynch durch Bank of America in unzulässiger Weise Einfluss genommen haben soll.

          Zu große Nähe zur Wall-Street vorgeworfen

          Zu jenen Kandidaten, die für eine mögliche Nachfolge Bernankes genannt werden, zählt unter anderem Larry Summers, der Vorsitzende des Nationalen Wirtschaftsrats im Weißen Haus. Summers war früher Präsident der Eliteuniversität Harvard und ist ein renommierter Makroökonom. Aber auch Roger Ferguson, der einige Jahre Stellvertreter von Alan Greenspan war und derzeit den Pensionsfonds TIAA-CREF führt, und der Princeton-Ökonom Alan Blinder gelten als chancenreich. Gleiches gilt für Janet Yellen, die Präsidentin der regionalen Federal Reserve Bank von San Francisco, die zuvor an der Universität Berkeley gelehrt und geforscht hat, und auch für Christina Romer, die Vorsitzende des Stabs der Wirtschaftsberater im Weißen Haus (Council of Economic Advisors). Auch sie hat bis zu ihrem Wechsel nach Washington an der Universität Berkeley unweit von San Francisco gelehrt.

          Mit Argwohn verfolgt eine Reihe von Kongressmitgliedern und Senatoren vor allem die Pläne Obamas, der Fed im Zuge der Neuordnung der Finanzmarktkontrolle noch größere Machtbefugnisse in der Bankenaufsicht zu geben und sie zur Verantwortlichen für die Stabilität des gesamten Finanzsystems aufzuwerten. Ein Konflikt zwischen dem Ziel der Preisstabilität und dem der Finanzstabilität sei vorgezeichnet, argumentieren sie. Brad Sherman, ein demokratischer Abgeordneter aus Kalifornien, warf Bernanke eine „Wall-Street-Mentalität“ und zu große Nähe zu den Bankern vor. Bernanke sei zwar „besser als der Durchschnitt“, sagte Sherman. Er bevorzuge an der Spitze der Fed aber jemanden mit „populistischen demokratischen Werten“. Gleichwohl hat Bernanke auch einige wichtige Fürsprecher, unter anderem den Vorsitzenden des Ausschusses für Finanzdienstleistungen im Repräsentantenhaus, Barney Frank.

          Fed für die Krise mitverantwortlich

          In einer Expertenanhörung vor dem Kongress haben sich derweil Wissenschaftler dagegen ausgesprochen, der Fed zusätzlich zur Geldpolitik noch die Aufgaben eines Systemregulierers zu übertragen. „Es fällt mir kein einziges Beispiel ein, wo die Fed eine Krise verhindert oder Maßnahmen ergriffen hätte, um eine Reihe von Bankzusammenbrüchen zu verhindern“, sagte Allan Meltzer, Professor an der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh und Geschichtsschreiber der Fed. Die Notenbank habe nicht erkannt, dass ihr Handeln vielen Investoren Anreize gegeben habe, große Risiken einzugehen, kritisierte Meltzer. Insofern sei sie für die aktuelle Krise mitverantwortlich.

          John Taylor, Ökonom an der Universität Stanford und einer der führenden Geldtheoretiker, warnte: „Der Vorschlag der Regierung würde der Fed erheblich mehr Macht verleihen, mehr Macht, als sie jemals gehabt hat.“ Seine Erfahrung lehre ihn, dass Institutionen dann am besten funktionierten, wenn sie sich darauf konzentrierten, eine kleine Zahl von verständlichen Zielen zu verfolgen. Sowohl die Glaubwürdigkeit als auch die Unabhängigkeit der Fed stünden auf dem Spiel. Donald Kohn, Stellvertreter Bernankes im Direktorium der Notenbank, widersprach Meltzer und Taylor: „Ich sehe keinen Konflikt. Makroökonomische Stabilität unterstützt die Stabilität des Finanzsystems und umgekehrt.“

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