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Protektionismus : Amerikas Handelskrieg gegen Japan

Made in America: So versöhnte Honda 1979 den Handelspartner. Bild: AP

Donald Trump twittert gegen Toyota. Neu ist an solchem Gebaren nur das Medium. Denn der Protektionismus Amerikas gegen Japan hat eine lange Geschichte.

          5 Min.

          Japans Unternehmen sind besorgt. Der direkte Angriff des künftigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump auf neue Investitionen von Toyota Motor in Mexiko sorgt für Unruhe auf den Managementetagen. Der rüde Tonfall erinnert an die Verbalattacken, die Japan in den achtziger Jahren unter dem Schlagwort unfairer Handel oder „die gelbe Gefahr“ aus den Vereinigten Staaten zu hören bekam. Damals reagierten die Amerikaner auf ein großes Handelsbilanzdefizit gegenüber Japan mit Handelsbeschränkungen.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Ausdrücklich berufen sich Trump und seine Berater in ihren protektionistischen Drohungen gegen China auf diese Hemmnisse, die Amerika unter dem im Kern marktfreundlichen Präsidenten Ronald Reagan erließ. Der Schutz gegen Japan rief damals teils unerwartete Folgen nach sich und stärkte letztlich die Position der japanischen Exporteure.

          Luft für Amerikas Autobauer

          Aus der Vielzahl von Importhemmnissen, die Amerika in den Achtzigern gegen Japan verhängte, ragen einige besonders heraus. 1981 erzwangen die Vereinigten Staaten eine freiwillige Selbstbeschränkung der Autoeinfuhr. Japan sagte zu, nur noch 1,68 Millionen Fahrzeuge nach Amerika zu exportieren, etwa 7 Prozent weniger als im Vorjahr.

          Die Quote stieg in den Folgejahren ein wenig. Die erzwungene Selbstbeschränkung sollte Amerikas Autobauern Luft verschaffen, die nach dem Ölschock und in der Rezession mit ihren großen Autos und Qualitätsmängeln nicht mehr den Geschmack der Kunden trafen. Tatsächlich verhalf die Exportbeschränkung den Japanern zu neuer Stärke auf dem amerikanischen Markt.

          Beschränkungen kam Japan zugute

          Die mengenmäßige Importbeschränkung ließ die Gewinne der japanischen Autobauer steigen. Um rund 1000 Dollar stieg als Folge des Handelshemmnisses der Preis für Autos in den Vereinigten Staaten, und die japanischen Autobauer profitierten davon besonders. Sie führten unter der Quote zunehmend größere und sportlichere Fahrzeuge ein, die eine noch höhere Gewinnmarge versprachen. Neben den sparsamen Kleinwagen machten sie Amerikas Autobauern so auch in anderen Marktsegmenten immer mehr Konkurrenz.

          Zudem beschleunigten sie ihre Investitionspläne in den Vereinigten Staaten. Honda etwa begann 1982 mit dem Autobau in Amerika, Nissan 1983 mit Pick-up-Lastwagen und 1985 mit Autos. Nach Verhandlungen mit Ford und einem Gemeinschaftswerk mit GM folgte Toyota mit dem ersten eigenständigen Werk 1986, in dem 1988 das erste Auto vom Band rollte. Schon 1972 hatte Toyota in Amerika freilich den Unterbau für Laster fertigen lassen.

          Donald Trump droht der Autobranche auf Twitter und kritisiert Toyotas Investitionen in Mexiko.
          Donald Trump droht der Autobranche auf Twitter und kritisiert Toyotas Investitionen in Mexiko. : Bild: AP

          Die Einfuhrquote sollte nach dem Willen der Amerikaner 1985 fallen. Doch der japanischen Regierung gefiel die amerikanisch erzwungene Kartellierung der Autoindustrie im Export so gut, dass sie die Quote bis 1993 beibehielt.

          Das mächtige Ministerium für Handel und Industrie (Miti) bestimmte über die Marktanteile der Unternehmen im Export nach Amerika, die Autobauer erfreuten sich an den höheren Gewinnen durch die Angebotsverknappung – zu Lasten der amerikanischen Verbraucher. Auch in anderen Branchen förderten die Amerikaner mit erzwungenen Selbstbeschränkungsabkommen den gesteuerten Handel und die Industriepolitik in Japan.

          Japanische Motorradhersteller benachteiligt

          Ein anderes Handelshemmnis machte 1983 Schlagzeilen, weil die Amerikaner versuchten, mit der Verzehnfachung des Einfuhrzolls von 4,4 auf 49,4 Prozent ein einzelnes Unternehmen zu schützen: den damals einzigen amerikanischen Motorradbauer Harley-Davidson Motor Company.

          Der Zoll zielte speziell auf schwere Motorräder mit mehr als 700 Kubikzentimeter Hubraum und damit auf die Modelle, die Harley verkaufte oder künftig verkaufen wollte. Vergleichsweise großzügige Quoten für deutsche, britische und italienische Motorräder belegten, dass die Regierung bewusst die japanischen Hersteller Honda, Kawasaki, Suzuki und Yamaha diskriminierte.

          Honda und Kawasaki bauten in Amerika

          Doch der Schutzzoll hatte begrenzten Erfolg. Letztlich zog Harley-Davidson sich durch eigene Anstrengungen aus dem Sumpf. Dafür gab es mehrere Gründe: Honda und Kawasaki bauten ihre schon bestehende Motorradproduktion in Amerika aus und umgingen den Einfuhrzoll.

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