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Amerika und China : Die knifflige Partnerschaft der Wirtschaftsriesen

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Auf der Amerika-Reise von Chinas Staatschef verdeckt der Wechselkursstreit die Querelen um Marktzugänge. Peking hält Washingtons Handelsdefizit für selbstverschuldet.

          Wenn es um das wirtschaftliche Verhältnis zwischen China und Amerika geht, dann dreht sich in der Öffentlichkeit alles um den Wechselkurs. Durch den Besuch von Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao in Washington und Chicago gerät der Zwist um die Aufwertung des Renminbi (Yuan) auch jetzt wieder in die Schlagzeilen. Dabei verdeckt die Auseinandersetzung tiefer liegende Streitereien, vor allem um faire Marktzugänge.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Für Amerikas Unternehmen sind solche Fragen viel dringlicher als der Wechselkurs. Nach einer Umfrage der Wirtschaftsvereinigung „US-China Business Council“ klagen Unternehmen in China zuallererst über die Schwierigkeiten in der Mitarbeiteranwerbung, über Hindernisse in der Lizenzierung und der Zulassung und über den Wettbewerb mit staatseigenen Unternehmen. Es folgen Fragen zum geistigen Eigentum, zu dem Marktzugang für Dienstleistungen oder der diskriminierenden Beschaffungspraxis der Behörden. Der Wechselkurs taucht nicht einmal unter den zwanzig wichtigsten Beschwerden auf.

          China wirft Amerikanern Protektionismus vor

          Da es bisher nur wenige genuin chinesische Unternehmen in Amerika gibt und schon gar keine regierungsunabhängige Vertretung, fehlen ähnliche Erhebungen der anderen Seite. Für die Staatsbetriebe, die Chinas Auftritt im In- und Ausland dominieren, gilt die offizielle Regierungslinie. Danach brennen den Asiaten vor allem drei Themen unter den Nägeln. In der Geldpolitik treibe Amerikas quantitative Lockerung - der Kauf eigener Staatsanleihen als Liquiditätsspritze - überschüssiges spekulatives Kapital nach China (siehe Dollar-Staatsanleihen: China ist entsetzt über Amerikas Geldpolitik). Zudem drücke der Schritt den Dollarkurs, was Amerikas Unternehmen ungerechtfertigte Preisvorteile im Export verschaffe und den Wert der chinesischen Devisenreserven schmälere. Mit 2850 Milliarden Dollar hält Peking den größten Fremdwährungsschatz der Welt. Der Großteil davon ist in Dollar angelegt, China ist Amerikas wichtigster Gläubiger.

          China wirft Amerika darüber hinaus Protektionismus vor. Um die unliebsame Konkurrenz aus Fernost klein zu halten, erfinde das Land chinesische Dumpingfälle, rufe die Welthandelsorganisation an und erhoffe sich davon die Erlaubnis, Schutzzölle zu erlassen. Dem gleichen Zweck diene der Vorstoß, China als Währungsmanipulator zu brandmarken. Drittens schließlich wurmt die Chinesen, dass sie für das Handelsbilanzdefizit und ganz generell für das Ungleichgewicht der Weltwirtschaft verantwortlich gemacht werden. Sie verweisen darauf, dass ihr Überschuss 2010 um 6 Prozent auf 181,1 Milliarden Dollar zurückgegangen sei. Das entspricht etwa 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, 2007 waren es noch 11 Prozent. Bilateral bleibt Amerikas Defizit groß. Nach Pekinger Zahlen, die stark von amerikanischen Statistiken abweichen, erreichte es 2010 mit 181 Milliarden Dollar fast die Höhe der gesamten Unterdeckung. Daran aber sei Washington selbst schuld, heißt es, da es den Export von Hochtechnik in die Volksrepublik verbiete.

          Vorurteile auf beiden Seiten

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