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Amazon : Frau von Jeff Bezos kritisiert Buch über ihren Mann

Amazon-Gründer Jeff Bezos mit seiner Frau Mackenzie Bild: AFP

Die Frau von Amazon-Chef Jeff Bezos ist unter die Buchrezensenten gegangen. Eine neue Biografie über ihren Mann gefällt ihr gar nicht. Das Buch bekommt von ihr nur einen von fünf Sternen. Der Autor wehrt sich.

          MacKenzie Bezos kennt sich bestens aus mit dem Bewertungssystem auf der Seite des Online-Händlers Amazon.com. Nicht nur ist sie die Frau von Jeff Bezos, dem Gründer und Vorstandsvorsitzenden des Konzerns aus Seattle. Sie ist auch selbst Romanautorin, ihre zwei Bücher werden auf Amazon verkauft – und somit natürlich auch von Lesern bewertet. Ihr jüngstes Werk mit dem Titel „Traps“ („Fallen“), das in diesem Jahr herauskam, bekam überwiegend freundliche Rezensionen: Im Schnitt waren es vier von fünf möglichen Sternen. Aber eine Person bestrafte das Buch mit der niedrigstmöglichen Bewertung von einem Stern: „Tun Sie sich einen Gefallen und sehen stattdessen fern,“ lautet der vernichtende Rat.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Nun hat sich MacKenzie Bezos selbst als Rezensentin betätigt und die erste Ein-Sterne-Kritik für ein Buch verfasst, das ansonsten bisher bestens angekommen ist und im Schnitt viereinhalb von fünf Sternen erhalten hat. Das Buch dreht sich um ihren Mann, in der deutschen Übersetzung heißt es: „Der Allesverkäufer: Jeff Bezos und das Imperium von Amazon“. Autor Brad Stone liefert darin ein nicht immer schmeichelhaftes Bild von Bezos, er beschreibt den Amazon-Chef als aggressiv und wenig zimperlich im Umgang mit Wettbewerbern und Mitarbeitern. Stone ist ein bekannter amerikanischer Technologiejournalist, er arbeitet für „Bloomberg Businessweek“ und war früher bei der „New York Times“.

          „Voll von faktischen Ungenauigkeiten“

          Frau Bezos aber klagt, das Buch sei voll von „faktischen Ungenauigkeiten“, und sie müsse es schließlich wissen, schließlich habe sie „Kenntnis aus erster Hand“ über viele der beschriebenen Ereignisse. Etwa dass für Jeff Bezos die Lektüre des Buchs „Was vom Tage übrig blieb“ von Kazuo Ishiguro eine der Inspirationen gewesen sein soll, um Amazon zu gründen. MacKenzie Bezos schreibt, dies könne gar nicht sein, denn ihr Mann habe das Buch erst ein Jahr nach der Gründung von Amazon gelesen. Allgemein wirft sie Stone vor, sein Buch beschreibe die Kultur von Amazon zu einseitig und zu negativ. Sie weist darauf hin, dass der Autor für sein Buch nicht mit ihrem Mann selbst gesprochen habe.

          Der Auto Brad Stone wollte die Rezension nicht auf sich sitzen lassen: Er sagte – und schrieb das auch als Kommentar zu Frau Bezos‘ Rezension–, er habe mit mehr als 300 Quellen für sein Buch gesprochen, darunter gegenwärtige und frühere Mitarbeiter, Wettbewerber und Kunden. Sollte aber jemand tatsächlich faktische Fehler finden, werde er sie gerne korrigieren.

          Angesichts dieses Dialogs erschließt sich nebenher ganz grundsätzlich der Wert, den qualitativ hochwertige Kundenkritiken für einzelne Produkte auf der Website für Amazon haben. In diesem Zusammenhang wurde zum Jahreswechsel 2012/13 bekannt, dass das Unternehmen offenbar begonnen hat, härter durchzugreifen, um die Qualität der Bewertungen zu erhalten, beziehungsweise zu steigern. Tausende von Bewertungen sollen nach Recherchen der „New York Times“ über einen Zeitspanne von mehreren Monaten hinweg gelöscht worden sein – wegen des Verdachts der Manipulation; sei es, weil Verwandte Besprechungen geschrieben hatten oder sei es, weil konkurrierende Autoren einander rezensierten. Von Amazon gab es dazu allerdings weder eine offizielle Begründung, noch eine öffentliche Erklärung.

          Kritiker: Das Bewertungssystem von Amazon ist marode

          Umso mehr Fragen sind damit verbunden: Sollte es Autoren erlaubt sein, ein Urteil über Kollegen weiterzugeben, so wie sie es eigentlich schon immer getan haben? Oder sind sie Konkurrenten, deren Bewertungen verboten werden sollten? Werden Kommentare von einem Autor von seinen Bekannten gerade erbeten, oder gibt es tatsächlich eine echte Welle des Zuspruchs für ein neues Buch? Wie solide kann zum Beispiel eine amerikanische Rezensentin mit dem Namen Harriet Klausner sein, die mehr als 250.000 Bewertungen abgegeben hat?

          Inzwischen gibt es erste Branchenbeobachter, die glauben, dass das Bewertungssystem von Amazon so marode ist, dass es gar zur Achillesferse des Unternehmens werden könnte. In dem Moment, in dem die Besprechungen immer unzuverlässiger würden, bekämen die Käufer nicht mehr das, was sie erwartet hätten – sie seien zunehmend frustriert und suchten in der Folge an anderer Stelle nach besseren Bewertungen, wird argumentiert.

          Zur Frage, ob sich Autoren über andere Autoren äußern dürfen, begrüßt Amazon selbst einerseits die „einzigartige Perspektive“, die dieser Schriftsteller in die Rezensionen bringen kann. Unerwünscht ist es aber andererseits, das entsprechende Werk des Wettbewerbers niederzumachen oder Vereinbarungen über gegenseitige gute Bewertungen zu treffen.

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