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Altersvorsorge : Die Rente steigt nie wieder

Bild: F.A.Z.

Hiobsbotschaften von der gesetzlichen Rentenversicherung sind wir gewohnt. Nominal gibt es nur noch selten Erhöhungen. Real wird es immer weniger. Und die Nullrunde der Alten von heute, ist die magere Rente von morgen.

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          Es geht immer noch ein bißchen schlimmer. Seit Jahren sind wir Hiobsbotschaften von der gesetzlichen Rentenversicherung gewohnt. Keiner glaubt mehr, daß er ohne private Vorsorge im Alter ordentlich leben kann. Weil die staatliche Rente nicht mehr ausreichen wird. Damit nicht genug: Zunehmend wird jetzt auch klar, daß die Rente wohl noch nicht einmal mehr steigen wird.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          "Wir werden in den nächsten 30 Jahren unter Berücksichtigung der Inflation, also real, keine Rentenerhöhungen mehr erleben. Wir müssen im Gegenteil mit einem Wertverlust rechnen", sagt schonungslos Adrian Ottnad vom privaten Institut für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG) in Bonn. Er hat die Rentenentwicklung langfristig auf Basis der derzeitigen Rechtslage durchgerechnet. Mit seiner Aussage steht er nicht allein. Auch der renommierte Freiburger Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen zerstört die Hoffnung auf steigende Renten.

          Die Rentner verlieren schon jetzt und schon länger

          Damit dürfte sich die negative Entwicklung der vergangenen Jahre fortsetzen. Zum bisher letzten Mal wurden die staatlichen Altersbezüge 2003 erhöht - um magere 1,04 Prozent. 2004 und 2005 gab es Nullrunden. 2006 müßten die Renten sogar gekürzt werden, weil auch die Löhne gefallen sind. Das will nun Vizekanzler Franz Müntefering verhindern und forderte in der abgelaufenen Woche schnell ein "Gesetz zur Vermeidung von Rentenkürzungen".

          Doch berücksichtigt man die Preissteigerung, verlieren die Rentner schon jetzt. Und das schon länger. Seit 1995 lagen die Rentenerhöhungen nur zweimal über der Inflationsrate. In den anderen Jahren hat die Geldentwertung fortlaufend an den Renten genagt. Geht das so weiter, hat das dramatische Folgen für die Bezüge. Wer heute 1000 Euro Rente bekommt - was eine Minderheit ist -, hat ohne Erhöhungen in zehn Jahren nur noch 860 Euro in der Hand (siehe große Grafik, mittlerer Teil) - bei einer Inflationsrate von 1,5 Prozent.

          Vorsicht bei den Renteninformationen ist angebracht

          Entsprechend vorsichtig muß auch die Renteninformation gelesen werden, die die Deutsche Rentenversicherung jedes Jahr an die Erwerbstätigen schickt. Darin wird die geschätzte Rente im Ruhestand angegeben - aber ohne Inflation. Das heißt: Verspricht der Brief 500 Euro Rente in 30 Jahren, sind es in heutigen Preisen eigentlich nur 317 Euro. Bei der Planung der privaten Vorsorge muß das mit höheren Sparraten berücksichtigt werden.

          Raffelhüschen und das IWG gehen davon aus, daß die mageren Zeiten so weitergehen, und widersprechen damit der Rürup-Kommission, die 2003 für die Regierung rechnete und optimistischere Ergebnisse mit leichten realen Rentensteigerungen herausbekam. "Seine Rechnungen kann Rürup heute nicht mehr aufrechterhalten. Er hat den kräftigen Rückgang der Beschäftigung unter- und den Anstieg der Löhne überschätzt", sagt Ottnad. In seinem realistischen Szenario erwartet der IWG-Experte auf lange Sicht eine Stagnation oder gar einen leichten Rückgang der Realrenten, in einer optimistischen Rechnung allenfalls 0,2 bis 0,5 Prozent realen Zuwachs (siehe große Grafik, linker Teil). Selbst nominale Erhöhungen würden in den kommenden Jahren selten werden.

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