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Altersvorsorge : Der Reichtum der Rentner

Die Rente ist sicher Bild: Getty Images/Image Source

Arme Alte? Von wegen: Auch in dreißig Jahren werden Rentner noch zu den reichsten Bevölkerungsgruppen gehören. Da macht es auch nichts, dass das private Sparen nur noch wenig Zinsen abwirft.

          Es war im Winter nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank, ein Gespräch mit einem Vertrauten Angela Merkels im Kanzleramt. Gerade erst hatte Merkel die Spareinlagen der Deutschen garantiert, es wäre zu erwarten gewesen, dass der Mann Sorgen zerstreut und Ängste beschwichtigt. Er tat das Gegenteil. Jahrelang habe man den Deutschen erklärt, dass sie fürs Alter privat vorsorgen müssten, weil von der gesetzlichen Rente nicht mehr viel zu erwarten sei. Nun aber gälten auch Bankeinlagen nicht mehr als sicher, und in den zahlreichen Gegenden mit Bevölkerungsschwund sei heute auch auf den Wert von Immobilien kein Verlass. Was also tun?

          Ralph Bollmann

          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Inge Kloepfer

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Vier Jahre und eine Euro-Krise später ist das Vertrauen in den langfristigen Erhalt von angespartem Kapital nicht eben gestiegen. Kein Wunder, dass jetzt alle wieder auf das gesetzliche Umlagesystem schauen. Lange deutete vieles darauf hin, dass es angesichts eines sinkenden Rentenniveaus auch hierzulande langfristig auf eine staatliche Grundsicherung hinauslaufen würde, ergänzt durch Betriebsrenten und private Vorsorge - ähnlich wie in den Niederlanden, wo angesichts schwindender Renditen die Unruhe ebenfalls wächst.

          Rentenniveau soll wieder steigen

          Also nehmen sich alle des Themas an. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sorgt sich um die Altersarmut, will eine „Zuschussrente“ einführen und verbindet damit allerlei politische Absichten, von der Profilierung der eigenen Person bis zur Vorbereitung einer großen Koalition. SPD-Chef Sigmar Gabriel nennt die gleiche Idee „Solidar-Rente“, auch wenn er dafür lieber in die Steuerkasse greifen und zusätzlich Betriebsrenten fördern möchte.

          Nach den Wünschen seines rheinland-pfälzischen Parteifreunds Kurt Beck, stets „nah bei de Leut“, soll das Rentenniveau wieder auf 45 Prozent des Durchschnittseinkommens steigen. Längst hat sich die Debatte, die zunächst um Geringverdiener kreiste, zu einem apokalyptischen Gesamtbild ausgewachsen: Nach einem langen und entbehrungsreichen Arbeitsleben, so scheint es, steht ein großer Teil der Deutschen künftig vor dem finanziellen Nichts.

          Ausgerechnet Andrea Nahles rückt das Bild zurecht

          Ausgerechnet SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles war es, die das Bild am Donnerstag im Bundestag zurechtrückte. „Sie suggerieren, dass das deutsche Volk vor einer Welle von Rentenkürzungen steht“, schmetterte sie der Arbeitsministerin in der Haushaltsdebatte entgegen und fügte hinzu: „Das ist nicht wahr.“ Viele Menschen, die eine niedrige gesetzliche Rente beziehen, hätten noch weitere Einkünfte oder einen Lebenspartner, der auskömmliche Altersbezüge nach Hause bringt. Zudem sei von der Leyens Annahme, die Einkommen der Deutschen würden bis zum Jahr 2030 nicht steigen, zum Glück wenig realistisch. Alles nur die hilflose Abwehr gegen den Versuch der Ministerin, an der Agenda-Partei SPD links vorbeizuziehen?

          Experten stimmen in den entwarnenden Tonfall ein, den die frühere Parteilinke vorgibt. Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen hält die Debatte über Altersarmut für Panikmache. „Die Alten sind die einzige Gruppe der Bevölkerung, bei der von Armut derzeit und auch künftig nicht die Rede sein kann“, sagt der Ökonom. Kinder, Alleinerziehende und gering verdienende Familien seien um ein Vielfaches stärker von Armut betroffen.

          Steigende Anzahl von Beitragsjahren

          Gewiss werde die Zahl der armen Alten ansteigen. Aber zu einem flächendeckenden gesellschaftlichen Phänomen, wie derzeit suggeriert, werde sich das Problem nicht auswachsen. „Auch im Jahr 2035 und später wird nicht Altersarmut, sondern eher die Sicherung des Lebensstandards das drängendste Problem Deutschlands werden.“ Heute nehmen nur 2,5 Prozent der Rentner die staatliche Grundsicherung in Anspruch, mit der niedrige Renten auf das Existenzminimum aufgestockt werden - allerdings unter Bedingungen, die strikter sind als bei Hartz IV

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