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Altersvorsorge : Alte Fehler in der Rente

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Erst mit 70 gab es Geld: Abholen der Rente vom Postamt kurz nach Einführung der Altersversicherung durch Kaiser Wilhelm Bild: akg-images

Die große Koalition verdrängt, dass die Alterung der Bevölkerung das Wachstum bremst. Notwendig wäre eine weitere Verlängerung der Lebensarbeitszeit, keine Verkürzung.

          Bis in die Frühe Neuzeit war die Versorgung der meisten nicht mehr erwerbsfähigen Alten eine Familienangelegenheit. Die Kommunen stellten allenfalls ein absolutes Existenzminimum bereit. Erst der Beginn der Industrialisierung im 19.Jahrhundert änderte dies: traditionelle Familienstrukturen und dörfliche Verbünde zerbrachen; gleichzeitig entstand ein Industriearbeiterproletariat, mit dessen Zunahme die sozialen Probleme wuchsen – und mit ihnen auch sozialistische Reformvorstellungen. Um dem wachsenden politischen Einfluss der Sozialdemokratie zu begegnen, ergriff Kaiser Wilhelm I. auf Anraten von Reichskanzler Bismarck die Flucht nach vorn. Er verkündete in seiner kaiserlichen Botschaft vom 17. November 1881 die Einrichtung des Sozialversicherungssystems. Nach der Gesetzlichen Krankenversicherung (1884) und der Unfallversicherung (1885) trat 1891 das „Gesetz betreffend der Invaliditäts- und Altersversicherung“ in Kraft.

          Die Leistungen dieser von der Idee her als kapitalgedecktes System angelegten Arbeiterversicherung bestand im Wesentlichen aus festen Invalidenrenten und Altersrenten ab dem 70. Lebensjahr. Finanziert wurden die laufenden Ausgaben wie der Aufbau des Kapitalstocks aus einem hälftig von Arbeitnehmern und Arbeitgebern aufzubringenden Beitrag von 1,7 Prozent sowie einem Reichsbeitrag. 1911 wurde für die Angestellten eine eigene Angestelltenversicherung, mit einer Regelaltersgrenze von 65 Jahren etabliert, die fünf Jahre später auch für die Arbeiterrentenversicherung galt. Dieses Regelalter blieb bis 2012 unverändert.

          Durch die Folgen des Ersten Weltkriegs und die Hyperinflation verloren beide Rentenkassen nahezu ihre gesamten Reserven. Aber weder in der Weimarer Republik noch zur Zeit des Nationalsozialismus wurde dieses System auf eine stabile Finanzgrundlage gestellt.

          Bert Rürup hat sich als Ökonom mit Sinn für die Kompromisszwänge der Politik einen Namen gemacht. Als pragmatischer Ratgeber für sozialpolitische Reformen wurde er vor allem Kanzler Schröder unentbehrlich. Der Darmstädter Finanzwissenschaftler mit SPD-Parteibuch hat es bis zum Vorsitzenden des Sachverständigenrats (Wirtschaftsweisen) gebracht. Auch nach seiner Emeritierung ist er in der öffentlichen Debatte präsent, zudem ist er Präsident des Handelsblatt Research Institute.

          Von der Kapitaldeckung zur Umlagefinanzierung

          Dies sollte erst durch die Rentenreform des Jahres 1957 geschehen. Die Blaupause dazu stammte von Wilfried Schreiber, dem Geschäftsführer des Bundes Katholischer Unternehmer. Die Eckpunkte des „Schreiber-Plans“ bestanden im Umstieg zur Umlagefinanzierung (Generationenvertrag) und der Koppelung der Rentenhöhe an die Entwicklung der Arbeitseinkommen (Dynamische Rente).

          Dieser radikale Bruch mit den traditionellen Vorstellungen der „Sparrente“ wäre nicht mehrheitsfähig geworden, wenn nicht der Statistiker und Bevölkerungswissenschaftler Gerhard Mackenroth auf einer Sondertagung des Vereins für Sozialpolitik 1952 den Vortrag „Die Reform der Sozialpolitik durch einen deutschen Sozialplan“ gehalten hätte. Die zentrale Aussage lautete: „Nun gilt der einfache und klare Satz, dass aller Sozialaufwand immer aus dem Volkseinkommen der laufenden Periode gedeckt werden muss. Es gibt gar keine andere Quelle und hat nie eine andere Quelle gegeben... Volkswirtschaftlich gibt es immer nur ein Umlageverfahren.“ Mackenroth wollte sagen, dass der Streit, ob ein Rentensystem umlagefinanziert oder kapitalgedeckt sein soll, gesamtwirtschaftlich irrelevant ist. Da die Rücklagen der Sparrente vernichtet waren und es als unmöglich angesehen wurde, Renten auszuzahlen und gleichzeitig einen Kapitalstock aufzubauen, war diese These äußerst attraktiv. So erlebte die Umlagefinanzierung, das heißt die Finanzierung der laufenden Renten aus den laufenden Beiträgen, den Durchbruch. Das war aus damaliger Sicht eine richtige Entscheidung.

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