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Altersvorsorge : Alte Fehler in der Rente

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Heute wird Mackenroth regelmäßig bemüht, um die kapitalgedeckte Altersvorsorge in Frage zu stellen. Das aber gibt seine These nicht her. Die Aussage, dass alle im Laufe eines Jahres ausgezahlten Renten – gleichgültig, wie sie finanziert werden, – immer Teil des Volkseinkommens des Jahres sind, in dem sie ausgezahlt werden ist eine Trivialität. Die Annahme aber, dass es gesamtwirtschaftlich irrelevant sei, wie ein Rentensystem finanziert werde, ist falsch. Denn das Niveau des Volkseinkommens kann durchaus von der Art der Finanzierung des Rentensystems abhängen. So können steigende Zwangsbeiträge eines Umlagesystems dämpfend auf die Beschäftigung wirken und das Volkseinkommen niedriger ausfallen lassen. Andererseits ist es möglich, dass ein Kapitaldeckungsverfahren die Sparquote erhöht, was den Ausbau des volkswirtschaftlichen Kapitalstocks erleichtern und das Wirtschaftswachstum fördern könnte. Wichtiger ist aber das Folgende: Das Umlageverfahren stützt sich auf die nationalen Erwerbseinkommen, während das Kapitaldeckungsverfahren auf die nationalen und internationalen Kapitaleinkommen setzt. Damit erlaubt dieses Verfahren, durch rentablere Anlagen der Prämien im Ausland, das nationale Volkseinkommen zu erhöhen und im Ausland generierte Wertschöpfung zur Finanzierung der im Inland ausbezahlten Alterseinkommen heranzuziehen. Beim Kapitaldeckungsverfahren ist es deshalb leichter möglich, sich – in Grenzen – bei der Rentenfinanzierung von der nationalen demographischen und wirtschaftlichen Entwicklung abzukoppeln.

1957 bis 1976: Die üppigen Jahre

Am 22. Januar 1957 wurde – gegen die Stimmen nur der FDP – die Rentenreform 1957 vom Bundestag verabschiedet und rückwirkend zum Jahresbeginn in Kraft gesetzt. Die neue „Dynamische Rente“ sollte den im Erwerbsleben gewohnten Lebensstandard sichern. Die Finanzierung erfolgte aus einem paritätisch aufgeteilten Beitragssatz von 14 Prozent und einem bescheidenen Bundeszuschuss. Im Durchschnitt wurden die laufenden Renten auf einen Schlag um deutlich mehr als 60 Prozent erhöht. Die damals verbreitete Altersarmut verschwand unmittelbar.

Finanziert wurde diese neue Rentenversicherung zunächst nach dem Deckungsabschnittsverfahren: Der Beitragssatz musste so festgelegt werden, dass die Ausgaben in einem auf zehn Jahre festgesetzten Zeitraum finanziert werden konnten und am Ende noch eine Reserve von einer Jahresausgabe vorhanden war.

Die leichte Rezession von 1966/67 und der für Ende der 1970er Jahre erwartete „Rentenberg“ aber stellten das System vor eine neue Herausforderung. Es bedurfte eines weiteren Umbaus der Finanzierungsbasis: Mit der Reform von 1969 wurde der Deckungsabschnitt auf ein Jahr verkürzt, die Mindestreserve auf drei Monate gesenkt und der Beitragssatz im Jahr 1970 auf 17 Prozent angehoben. Die Minirezession wurde schnell überwunden, und die Fortschreibung des Aufschwungs ließ in den 15-Jahre-Vorausberechnungen die Reserven auf fast 20 Monatsausgaben anschwellen. Da der Geburtenrückgang am aktuellen Rand als eine kurzfristige Delle interpretiert wurde, schüttete die 1969 erstmalig an die Regierung gekommene sozialliberale Koalition ohne nennenswerten Widerstand der Opposition das Füllhorn aus: abschlagsfreier Rentenbezug ab 63, Rente ab 60 für Frauen und Arbeitslose, großzügige Nachversicherungsmöglichkeiten für Selbständige und Hausfrauen. In nur drei Jahren erhöhten sich die Rentenausgaben um fast 50 Prozent von 41,6 Milliarden DM 1969 auf 61,4 Milliarden 1972.

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