https://www.faz.net/-gqe-t1yt

Alterssicherung : Demographischer Wandel und Pensionen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Tresckow

Aufgrund der steigenden Lebenserwartung müssen Unternehmen länger als bisher Pensionszahlungen an ehemalige Mitarbeiter leisten. Doch es gibt Wege, Risiken für die Bilanzen zu vermindern.

          6 Min.

          Der demographische Wandel ist eines der derzeit am heftigsten diskutierten Themen in den Industriegesellschaften. Auch die Unternehmen werden sich auf eine zunehmend ältere Belegschaft einstellen und zudem ihr Produktangebot an die Bedürfnisse älterer Menschen anpassen müssen. Schließlich bildet die Sicherung der Altersversorgung im Zusammenhang mit dem demographischen Wandel einen wesentlichen Aspekt der Diskussion. So stoßen die staatlichen Rentensysteme bereits heute an ihre Grenzen. Die private Altersvorsorge sowie auch die betriebliche Altersvorsorge müssen eine entsprechend stärkere Rolle einnehmen, um die entstehende Lücke aus der staatlichen Rentenversorgung zu decken.

          Die betriebliche Altersversorgung wird jedoch derzeit eher kritisch diskutiert. So wird häufig hervorgehoben, daß Pensionszusagen mit hohen Risiken und starken Belastungen für Unternehmen verbunden sind. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht dabei vielfach der aus den Pensionszusagen resultierende Verpflichtungsumfang - gemessen am Barwert der zugesagten, bereits erdienten zukünftigen Pensionszahlungen. Dieser Verpflichtungsumfang hat bei den Dax-30-Unternehmen in den letzten Jahren stetig zugenommen und erreichte im Jahr 2005 gemäß einer Erhebung von Rauser Towers Perrin einen Wert von fast 250 Milliarden Euro.

          Zu wenig differenziert

          Jedoch werfen Aussagen wie "Pensionsverpflichtungen sind tickende Zeitbomben" ein wenig differenziertes Licht auf die Thematik der Pensionen in Unternehmen. So bleibt bei dieser einseitigen Betrachtung unberücksichtigt, daß Pensionszusagen mit das bedeutendste personalwirtschaftliche Instrument zur Bindung von Mitarbeitern darstellen. Die personalwirtschaftlich begründete Gewährung von Pensionszusagen führt zweifellos zu Herausforderungen, denen sich die Unternehmen jedoch stellen müssen - speziell auch vor dem Hintergrund, daß der Staat sich immer mehr aus der Altersversorgung zurückziehen wird.

          So ist auch für die betriebliche Altersversorgung eine der wesentlichen Herausforderungen der bereits angesprochene demographische Wandel. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung müssen auch die Unternehmen entsprechend länger Pensionszahlungen an ehemalige Mitarbeiter leisten. Diese Längerlebigkeit muß bei der Berechnung der zu leistenden Pensionszahlungen berücksichtigt werden. Um Risiken im Zusammenhang mit der Längerlebigkeit der Pensionäre für Unternehmen zu reduzieren, wird zum Teil die betriebliche Altersversorgung von der klassischen Zusage einer bestimmten monatlichen Rente auf Einmalzahlungen beim Renteneintritt umgestellt. Auch erfolgen verstärkt beitragsorientierte Zusagen beispielsweise in Form von zugunsten des Arbeitnehmers abgeschlossenen Direktversicherungen.

          Kompensation nur durch Wachstum

          Eine weitere Herausforderung ist die steigende Produktivität. Vielfach sind Produktivitätsfortschritte auch mit einer Reduzierung der Belegschaft verbunden. Obwohl kurzfristig dadurch häufig durchaus höhere Margen erzielt werden können, führt der zunehmend globale Wettbewerb längerfristig ebenso häufig dazu, daß Kosteneinsparungen an Abnehmer weitergegeben werden müssen und die Margen sowie auch die erzielbaren Cash-flows sinken. Demgegenüber stehen jedoch gleichzeitig gleichbleibende oder sogar steigende Rentenzahlungen, die an eine entsprechend große Zahl von Rentnern auf Grund der früher größeren Belegschaft gezahlt werden müssen. Das Verhältnis zwischen aktiven und ehemaligen Mitarbeitern gerät somit aus einer vernünftigen Balance. Kompensiert werden kann dieser Effekt nur durch Wachstum. Auch aus diesem Grunde ist die stetige Suche nach neuen Geschäftsmöglichkeiten - insbesondere auch in stärker wachsenden ausländischen Märkten - von elementarer Bedeutung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine Familie flieht am Samstag auf einem Motorrad aus der Region um die Stadt Ras al Ain.

          Nordsyrien : Kurden räumen Grenzstadt zur Türkei

          Die brüchige Waffenruhe nutzen kurdische Einheiten zum Rückzug aus einer umkämpften Stadt. Außenminister Maas nennt den türkischen Angriff völkerrechtswidrig, und in der Nato schließt unter anderem Deutschland den Bündnisfall aus.

          Johnson und der Brexit : Drei Briefe und ein einziges Ziel

          Boris Johnson will weiter versuchen, das Brexit-Abkommen bis Ende des Monats zu ratifizieren. Schon am Montag könnte die Regierung in London eine neue Abstimmung über den Brexit-Vertrag ansetzen – wenn John Bercow das zulässt.
          Mit Arte in Oslo: Carola Rackete.

          Carola Rackete bei Arte : Ein ganz persönlicher Kulturschock

          In der Arte-Reihe „Durch die Nacht mit ...“ treffen die Aktivistin Carola Rackete und die norwegische Schriftstellerin Maja Lunde aufeinander. Man meint, sie hätten einander viel zu sagen. Es kommt anders.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.