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„Alternative für Deutschland“ : Wer ist der Anti-Euro-Professor Bernd Lucke?

Wie schaffen die das?

Lucke hat dieses Professorale, was niemand verwundern muss. Die akademische Sozialisation kann man nirgendwo abgeben. Unter dem Eindruck der ersten Finanzkrise hatte Lucke ein „Plenum der Ökonomen“, eine Art elektronische Vollversammlung, ins Leben gerufen mit mehr als 300 VWL-Professoren. Das Plenum sprach sich im Februar 2011 mit sehr großer Mehrheit gegen eine Verlängerung des EU-Rettungsschirms aus. Keiner hat auf den geballten Sachverstand gehört. Lucke klingt fast ein bisschen empört, wenn er das erzählt. Vielleicht ist es auch bloß die Verwunderung des Gelehrten, wenn sich das Richtige nicht Bahn bricht.

Lucke ist ein waschechter Akademiker. Er hat mit einem Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes Volkswirtschaft, Philosophie und Neuere Geschichte in Bonn studiert, zwischendurch Ökonomie in Berkeley. Seit 1998 ist er Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Wachstum und Konjunktur. Er hat die Weltbank beraten, in Amerika als Gastprofessor und Forscher gearbeitet, bei der OECD Paper geschrieben.

Daheim wird der Mann auch nicht zwangsläufig mit durchschnittlicher Intelligenz behelligt. Denn seine Frau ist ebenfalls so ein akademisches Flugobjekt, das es über Eliteförderungen zur Promotion und bis hin zu Vertretungsprofessuren gebracht hat. Nebenbei wurden fünf Kinder versorgt, die temporären Umzüge zu Forschungsaufenthalten in Paris und Indiana gemanagt und darauf geachtet, dass die Brut brav zum Musikunterricht geht.

Es gibt ja so Familien, die gesellschaftliche Benchmarks aufstellen, die andere Familien dauerrätseln lassen: Wie machen die das? Wie schaffen die das? Und dann gründet eine solche Familie auch noch eine Partei zur Rettung Europas.

Lucke ist nicht harmlos

Bernd Lucke sagt zum Familiären nicht viel, außer dass seine 16 Jahre alte Tochter in Papas Partei Alternative für Deutschland eingetreten ist und darauf bestanden hat, die Mitgliedsbeiträge aus eigenem Geld aufzubringen. Einem seiner älteren Söhne gefällt die Parteigründung seines Vaters auch gut, verrät er auf seiner Facebook-Seite.

Lucke pflegt eine professoral-didaktische Rhetorik, mit der er ganz gut durch die ersten beiden Talkshows seines Lebens gekommen ist (Anne Will und Maybrit Illner). Er sagt selbst: „Ich hatte noch kein Medientraining, aber ich brauche wohl eines.“

Das Prätentiöse der Professoren-Zunft geht Lucke komplett ab. Er kommt in Windjacke, Pullover und Rucksack zum Treffpunkt gelaufen wie zum Familienausflug in den Zoo mit Fanta, Butterkeks und einer Thermoskanne Kaffee für die Erwachsenen. Das ist aber nur eine Phantasie, die ein wenig in die Irre führt. Denn harmlos ist Lucke nicht. Man spürt nicht nur seinen optimistischen Drive, sondern Selbstdisziplin, eine zarte Spitzbübigkeit und - Ehrgeiz. Jetzt will er in den Bundestag.

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