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Allensbach-Studie : Zwiegespaltenes Verhältnis zur Forschung

  • -Aktualisiert am

Trotz aller Bemühungen zur Stärkung des Forschungsstandorts: Viele äußern sich zurückhaltend, wenn es um die Bedeutung der Forschung für Deutschland geht Bild: dpa

Die Deutschen schätzen Wissenschaft und Innovation vor allem, wenn sie ihnen persönlich nutzen könnte. Die Entwicklung schadstoffarmer Autos oder die Erforschung der Erderwärmung finden sie weniger wichtig - und das, obwohl die Bundesregierung die Ausgaben für Forschung und Entwicklung seit Jahren steigert.

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          Die Deutschen haben ein gespaltenes Verhältnis zu Forschung und Innovation. Die Zustimmung ist umso höher, je wichtiger man die Forschung für das eigene Leben empfindet. Zum Beispiel wünschen sich viele Bürger rasche Fortschritte bei der Suche nach neuen Medikamenten gegen Krebs, Alzheimer und Aids. Wenn man die Menschen aber ganz allgemein nach der Bedeutung der Forschung für den Standort Deutschland fragt, dann äußern sie sich viel zurückhaltender - trotz aller Bemühungen der Regierung zur Stärkung des Forschungsstandorts. So halten die Bürger die Entwicklung schadstoffarmer Autos oder die Erforschung der Erderwärmung für weniger wichtig. Das zeigt eine neue Studie des Meinungsforschungsinstituts Allensbach.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Zwar seien Begriffe wie Forschung und Innovation ausgesprochen „positiv aufgeladen“ und mit wissenschaftlichem Fortschritt seien weit überwiegend Hoffnungen verbunden, sagt Werner Süßlin, Projektleiter der im Auftrag der forschenden Arzneimittelhersteller erstellten Studie. Doch er gibt zu bedenken: „Es gibt keine homogene Haltung zu Innovationen.“

          Nur 30 Prozent akzeptieren gentechnisch veränderte Pflanzen

          Mehr Deutsche sehen in Wissenschaft und Innovation Chancen (58 Prozent) als Risiken (16 Prozent), Frauen sind zurückhaltender als Männer, die Westdeutschen bewerten die Forschung etwas positiver als die Ostdeutschen. Auch steigt die Neigung, solche Aktivitäten zu unterstützen, mit dem Schulabschluss. Die Menschen wollten vor allem wissen, welchen Nutzen sie aus der Forschung ziehen könnten, sagt Süßlin. So gebe es Bereiche, in denen viele Bürger schnelle Fortschritte verlangten. Dazu gehöre die Behandlung schwerer Krankheiten. Die Zustimmung zu Forschung und Innovation sinke aber, wenn es um die „grüne“ Gentechnik gehe. Nach der Umfrage akzeptieren nur 30 Prozent der Deutschen gentechnisch veränderte Pflanzen.

          Passend zur Hoffnung, die viele Menschen in neue Medikamente setzen, schreiben die Befragten den forschenden Pharmaherstellern eine besonders hohe Investitionskraft zu und vermuten dort viele qualifizierte Arbeitsplätze. Als besonders innovativ bewerten die Deutschen freilich die Autoindustrie. Die Pharmabranche liegt auf Rang drei, knapp hinter der Mikroelektronik und vor den Herstellern von Wind- und Solaranlagen und den Computerproduzenten. Dann folgen Luft- und Raumfahrt, die Softwarebranche, die Chemieindustrie und der Maschinenbau.

          „Neues und nachhaltiges Wachstum“

          Sosehr die Bürger Forschung und Innovation, die ihnen selbst nutzen könnte, wertschätzen, so gering schätzen sie deren Bedeutung für den Standort ein. Auf die Frage: „Was macht einen guten Standort aus“, landete die Antwort „wenige Einschränkungen und Eingriffe in Forschung und Wirtschaft“ unter ferner liefen. Vorne auf der Liste rangierten das Arbeitskräfteangebot, die Infrastruktur, die Bildung, die Lohnnebenkosten und flexible Arbeitszeiten. Ähnlich war das Ergebnis bei der Frage nach der Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung: Der Außenhandel, die Börse, die amerikanische Wirtschaft und die Energiepreise erscheinen den Deutschen bedeutsamer als Forschungsleistungen.

          Das steht in starkem Kontrast zu den Bemühungen der Bundesregierung, die die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) seit Jahren steigert. „In einem führenden Industrieland wie Deutschland sind vor allem FuE-Maßnahmen eine wesentliche Grundlage für ein neues und nachhaltiges Wachstum“, heißt es im Bundesbericht Forschung und Innovation 2010. In dem Papier hat Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) aufgelistet, wie viel Geld Staat und Unternehmen dafür aufwenden. Lagen die FuE-Ausgaben des Bundes 2005 bei 9 Milliarden Euro, so sollen es inzwischen 12,7 Milliarden Euro sein. Die Unternehmen haben ihre Ausgaben (2008) trotz der Wirtschaftskrise auf 46,1 Milliarden Euro gesteigert. 330.000 (Vollzeit-)Stellen gibt es in der Forschung und Entwicklung. Das sind 30.000 mehr als 2005. Im Jahr 2008 erreichte der Anteil der FuE-Ausgaben 2,64 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, 3 Prozent sind das Ziel.

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