https://www.faz.net/-gqe-quci

Air Berlin : Verdacht auf Insiderhandel

  • Aktualisiert am

Unter Verdacht: Joachim Hunold Bild: ddp

Air Berlin hat 2006 die Fluggesellschaft DBA übernommen. Möglicherweise haben Insider ihr Wissen über die geplante Übernahme verwendet, um massiv Aktien zu erwerben. Am Dienstag gab es bundesweit Razzien in Firmenräumen und Wohnungen. Auch gegen Konzernchef Joachim Hunold wird ermittelt.

          2 Min.

          Wegen des Verdachts des Insiderhandels bei der Fluggesellschaft Air Berlin haben die Polizei und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Dienstag bundesweit Firmenräume und Wohnungen durchsucht. Wie die Staatsanwaltschaft Stuttgart mitteilte, waren in Berlin, Stuttgart, München, Düsseldorf, Bonn und Langenfeld insgesamt zehn Objekte betroffen. Die Ermittlungsbehörden beschlagnahmten nach eigenen Angaben zahlreiche Dokumente. Diese müssten jetzt ausgewertet werden, was „längere Zeit“ in Anspruch nehmen werde, teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit. Geschäfte mit Wertpapieren, die auf vertraulichen Informationen beruhen, sind nach dem Wertpapierhandelsgesetz unzulässig. Sie werden mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren bestraft.

          Die Ermittlungen richten sich gegen sechs Beschuldigte, darunter der Konzernchef Joachim Hunold und der Aufsichtsratsvorsitzende der Fluggesellschaft. Ein Sprecher von Air Berlin bestätigte die Durchsuchungen und wies den Vorwurf des Insiderhandels als „absurd“ zurück: „Wir sind von den Durchsuchungen heute völlig überrascht worden“ Der Sprecher fügte hinzu: „Aus unserer Sicht sind die Aktienkäufe alle korrekt abgewickelt und gemeldet worden“.

          Aktienkauf vor der Ad-hoc-Mitteilung

          Nach Angaben der Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, dass die Beschuldigten seit Anfang Juni 2006 Insiderwissen über die geplante Übernahme einer Luftfahrtgesellschaft in München verwendet haben, um massiv Aktien zu erwerben. Dabei handelte es sich um die Übernahme der DBA im vergangenen Sommer, wie Air Berlin bestätigte.

          Den Beschuldigten wird vorgeworfen, kurz nach Abschluss einer Geheimhaltungsvereinbarung zum Beginn von Übernahmeverhandlungen Air-Berlin-Aktien im Gesamtvolumen von rund 1,5 Millionen Euro gekauft zu haben, noch ehe eine Ad-hoc-Mitteilung über den Erwerb der Münchener Luftfahrtgesellschaft veröffentlicht wurde. Allein der Vorstand und der Aufsichtsratsvorsitzende sollen Aktien im Wert von 1,47 Millionen Euro erworben haben.

          Strafanzeige der BaFin

          Das von der Staatsanwaltschaft Stuttgart geführte Ermittlungsverfahren kam aufgrund einer Strafanzeige der BaFin zustande. An den Durchsuchungen waren den Angaben zufolge rund 50 Polizeibeamte und BaFin-Mitarbeiter beteiligt. Der Schwerpunkt lag in Berlin. Dort wurden neben den Air-Berlin-Firmenräumen auch drei Wohnobjekte durchsucht.

          Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin hatte DBA im August 2006 von dem Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl übernommen. Air Berlin hatte die Übernahmepläne am 17. August vorigen Jahres veröffentlicht. Der Aktienkurs des Unternehmens, der sich nach dem Börsengang im Mai zunächst schwach entwickelte und wochenlang um zehn Euro notierte, schoß nach der Übernahmemitteilung um bis zu zwölf Prozent in die Höhe. In der Folgezeit legte das Papier kontinuierlich zu auf mehr als 21,50 Euro Anfang April. Am Dienstag verlor das Papier fast acht Prozent auf 15,30 Euro.

          Weitere Themen

          Von der Leyen bestätigt Einigung mit Amerika Video-Seite öffnen

          Airbus/Boeing-Streit : Von der Leyen bestätigt Einigung mit Amerika

          Die Beseitigung des lange anhaltenden Konflikts solle ein neues Kapitel im transatlantischen Verhältnis aufschlagen, sagte von der Leyen. Der amerikanische Präsident Joe Biden habe durch sein Entgegenkommen in Handelsfragen zur Einigung beigetragen.

          Topmeldungen

          0:1 gegen Frankreich : Deutscher EM-Fehlstart mit Verve

          Mats Hummels trifft – ins eigene Tor: Beim 0:1 gegen Frankreich überzeugt die Einstellung von Joachim Löws Team. Die Niederlage der Deutschen zeigt aber auch, was zur Klasse der Franzosen fehlt.
          Innenansicht des „IBM Quantum System One“

          Quantencomputer vorgestellt : Rechnen mit kleinsten Teilchen

          Bei Stuttgart steht der erste kommerziell nutzbare Quantencomputer in Europa. Die Forschung verspricht sich von ihm bahnbrechende Ergebnisse, die Industrie kräftige Impulse.
          Von Mazar nach Calw: Brigadegeneral Ansgar Meyer, Kommandeur des letzten deutschen Afghanistankontingents

          Ansgar Meyer : Ein Außenseiter für das KSK

          Brigadegeneral Ansgar Meyer hatte in seiner langen Karriere mit dem KSK lange nichts zu tun. Dennoch übernimmt er nun den Eliteverband. Oder gerade deshalb.
          „Ich fühle mich absolut wunderbar“: Eine unabhängige Journalistin widersprach den Aussagen von Roman Protassewitsch während der Minsker Inszenierung.

          Propaganda in Belarus : „Ich glaube Ihnen nicht“

          Das Lukaschenko-Regime in Belarus benutzt den inhaftierten Journalisten Roman Protassewitsch weiter für seine Propaganda-Inszenierungen. Doch in den öffentlichen Vorführungen regt sich nun auch Widerspruch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.