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Agile Senioren : Wissenschaftler wollen „Rente mit 70“

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Fitte, agile Senioren: Wirtschaftsforscher glauben, ältere Menschen sollen noch länger arbeiten als bis zum 67. Lebensjahr Bild: obs

SPD, Grüne, Linke und Gewerkschaften wollen die Pläne zur „Rente mit 67“ wieder zurückdrehen. Wirtschaftsforscher forden jetzt das andere Extrem: Langfristig werde sogar eine „Rente mit 70“ nötig werden, glauben mehrere Institute.

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          Die aufgeflammte Debatte über die „Rente mit 67“ bekommt eine neue Wendung: Entgegen dem Vorstoß von SPD, Grünen, Linken und Gewerkschaften für einen Aufschub fordern Wirtschaftsforscher nun sogar eine „Rente mit 70“. „Wenn wir uns die höhere Lebenserwartung und die abnehmende Geburtenrate anschauen, wird die Rente mit 70 perspektivisch kommen müssen“, sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther. Die Anhebung des Renteneintrittsalters müsse nach 2029 fortgesetzt werden.

          Ähnlich äußerte sich der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann: Die steigende Lebenserwartung und die schrumpfende Bevölkerung belasteten die Rentenkassen so sehr, dass starke Beitragserhöhungen und Leistungskürzungen drohten. „Eine langsame Lebensarbeitszeitverlängerung auf 70 Jahre ist der humanste Ansatz, mit der Herausforderung umzugehen“, sagte Zimmermann.

          SPD und Verdi: Leyen arbeitet mit geschönten Zahlen

          Derweil dauert der Streit über die derzeitige Situation für Ältere auf dem Arbeitsmarkt an. Die Bewertung der Lage in einem Bericht, der im November vorliegen soll, ist Voraussetzung für die schrittweise Verlängerung der Lebensarbeitszeit von 2012 an bis 2029. Die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles und der Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, warfen Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor, sie arbeite mit geschönten Zahlen.

          Leyen hatte betont, von den Arbeitnehmern zwischen 60 und 65 Jahren seien inzwischen mehr als 40 Prozent berufstätig. Ihr Sprecher erläuterte, in die Rechnung seien auch Beamte und Selbständige einbezogen. Nach Angaben des Statistikamts Eurostat seien im ersten Quartal 2010 40,5 Prozent der Menschen in dieser Altersgruppe erwerbstätig gewesen. 2009 habe der Anteil noch bei weniger als 40 Prozent gelegen. Der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 60 und 64 Jahren sei von 2000 bis 2008 von 10,7 Prozent auf 21,5 Prozent gestiegen.

          Nahles kritisierte, Leyen ignoriere die Realitäten auf dem Arbeitsmarkt, wenn sie auch Selbständige, Beamte und Altersteilzeitbeschäftigte sowie Minijobber mitzähle. „Tatsache ist: Weit mehr als drei Viertel aller über Sechzigjährigen sind also nicht in sozialversicherungspflichtiger Arbeit“, kritisierte Nahles. Bsirske sagte: „Für Krankenschwestern, Bus- und Straßenbahnfahrer, Müllwerker oder Kita-Erzieherinnen ist vielfach schon das geltende Rentenalter 65 kaum erreichbar.“ Die Rente mit 67 sei im Kern ein Rentenkürzungsprogramm.

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