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Afrikanisches Abkommen : Freihandel von Kapstadt bis Kairo

„Wir schaffen einen einheitlichen Markt mit echtem wirtschaftlichen Wert”: Südafrikas Staatspräsident Jacob Zuma Bild: dpa

7200 Kilometer vom Kap bis Kairo - die Regierungschefs von 26 afrikanischen Staaten schmieden einen gemeinsamen Handelsraum. Bislang gibt es viele, sich teils überlappende Zonen. Größter Gewinner des Zusammenschlusses ist Südafrika.

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          Eine Verbindung zwischen Kapstadt und Kairo war der große Traum von Cecil Rhodes. Der britische Kolonialist dachte damals an eine Bahnstrecke. Mehr als hundert Jahre später könnte sich seine Vision erfüllen - wenn auch nicht in Form von Gleisen, sondern von Handelsabkommen. Auf einem Gipfeltreffen in Johannesburg vereinbarten die Regierungsvertreter von 26 afrikanischen Staaten vor kurzem, bis 2013 den größten Freihandelsraum auf dem Kontinent zu schaffen.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Die sogenannte „Grand Free Trade Area“ soll sich von Südafrika bis Ägypten und von Angola bis Madagaskar erstrecken. Auf diesem Gebiet leben 600 Millionen Menschen, die ein Bruttoinlandsprodukt von 860 Milliarden Dollar erwirtschaften. „Wir sind uns der Verantwortung gegenüber unseren Vorfahren bewusst und schaffen einen einheitlichen Markt mit echtem wirtschaftlichem Wert“, warb Südafrikas Staatspräsident Jacob Zuma für das ehrgeizige Vorhaben.

          „Intensivere Handelsbeziehungen sind unverzichtbar“

          Fachleute fordern seit langem eine Zusammenführung der vielen, teils einander überlappenden Freihandelsräume in Afrika, die gerne mit „Spaghetti in einer Schüssel“ verglichen werden. Nach Angaben der Weltbank wickeln afrikanische Länder derzeit nur 10 Prozent des Handels untereinander ab. „Intensivere Handelsbeziehungen sind unverzichtbar, wenn das hohe Wachstumspotential in Afrika endlich genutzt werden soll“, sagt Eckart Naumann, Handelsökonom am Trade Law Centre in Stellenbosch.

          Der neue Freihandelsraum entsteht aus der Verschmelzung dreier großer regionaler Handelsblöcke in Zentralafrika, Ostafrika und im südlichen Afrika. Er umfasst die Southern African Development Community (Sadc), den Common Market for Eastern and Southern Africa (Comesa) und die East African Community (EAC).

          „Von Südafrika Zugang zu Kenia und Ägypten“

          Als größter Gewinner gilt Südafrika, das einzige Industrieland, das südlich der Sahara liegt. „Für Investoren wird es attraktiv sein, wenn sie von Südafrika aus Zugang zu einem riesigen Markt erhalten, insbesondere zu Ländern wie Kenia und Ägypten“, sagt Handelsökonom Naumann. Dies stärke auch die Position des Landes gegenüber großen Schwellenmärkten wie Brasilien, Russland, Indien und China, kurz BRIC. Südafrika ist zu dieser Gemeinschaft vor kurzem hinzugestoßen, ringt als kleinstes Mitglied in dieser Runde aber um Anerkennung.

          Viele internationale Unternehmen nutzen das Land schon jetzt als Sprungbrett, um auf dem riesigen Kontinent ins Geschäft zu kommen. So übernahm vor wenigen Wochen der amerikanische Handelskonzern Wal-Mart das südafrikanische Unternehmen Massmart, um erstmals in Afrika Fuß zu fassen.

          „Die Integration kann nicht über Nacht erfolgen“

          Auf Skepsis stößt jedoch der Zeitplan der Regierungschefs für den gemeinsamen Handelsraum. Die Verhandlungen über Zölle und Ursprungslandregeln in den bisherigen Handelsblöcken zogen sich schon über viele Jahre hin. Südafrika dürfte sich schwertun, den Schutz einiger Schlüsselbranchen wie des Autobaus und der Textilindustrie zu lockern. Viele kleinere Länder wiederum bestreiten einen großen Teil ihres Staatshaushalts aus Zolleinkünften.

          Die Weltbank weist außerdem auf Hürden wie Infrastrukturmängel, Bürokratie und Korruption hin. All dies erschwere einen regen Warenaustausch. Der Transport innerhalb Afrikas dauert oft dreimal so lang wie eine Verschiffung nach Europa. Wartezeiten von zehn Tagen und mehr an den Grenzübergängen sind keine Seltenheit. Zwar sollen die Abfertigungen beschleunigt werden. Bisher gibt es aber nur einen sogenannten One-Stop-Grenzübergang zwischen Sambia und Zimbabwe. König Mswati, absolutistischer Herrscher von Swaziland, warnte daher vor zu hohen Erwartungen. „Die Integration regionaler Handelsblöcke kann nicht über Nacht erfolgen. Vorher müssen noch die richtigen Strukturen geschaffen werden.“

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