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Afrika-Reise : Die Kanzlerin auf Werbetour

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Abflug: Angela Merkel am Montag auf dem Flughafen Berlin-Tegel vor der Abreise nach Afrika Bild: dpa

In diesen Tagen bereist Angela Merkel Kenia, Angola und Nigeria, die hinter Südafrika wirtschaftlich stärksten Nationen des Kontinents. Deutsche Exporteure treffen in diesen afrikanischen Ländern auf starke Konkurrenz aus China.

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          Die Afrika-Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel, von diesem Montag an bis Donnerstag, kann getrost als Werbetour für die deutsche Industrie bezeichnet werden. Ihre drei Reiseziele - Kenia, Angola und Nigeria - sind die hinter Südafrika wirtschaftlich stärksten Nationen des Kontinents und im Falle der Ölförderländer Angola und Nigeria zudem wichtige Rohstofflieferanten. In beiden Ländern aber sind europäische Unternehmen durch das aggressive Auftreten der Konkurrenz aus China ins Hintertreffen geraten. Das zumindest für die deutsche Wirtschaft zu ändern, ist wohl auch ein Grund für das Werben der Kanzlerin.

          Die erste Etappe der Reise - Kenia - fällt in diesem Zusammenhang nur scheinbar aus dem Rahmen. Das Land hat sich nach den bürgerkriegsähnlichen Unruhen im Gefolge der Präsidentschaftswahl vom Dezember 2007 politisch nicht zuletzt deshalb stabilisiert, weil die beiden Präsidentschaftskandidaten Mwai Kibaki und Raila Odinga eine große Koalition nach deutschem Vorbild bildeten. Im Jahr 2010 betrug das Wachstum des kenianischen Bruttoinlandsproduktes nach den Wahlen 4 Prozent. Kenia ist für deutsche Waren in der Region der mit Abstand wichtigste Markt. Der deutsche Export nach Kenia stieg im Jahr 2010 um 41,9 Prozent auf 284 Millionen Euro. Allein der Export von Maschinen stieg um 54,3 Prozent auf 85 Millionen Euro.

          Der Abhängigkeit entkommen

          Hinzu kommt, dass Kenia das wichtigste Transitland für Warenlieferungen sowohl nach Uganda als auch in das jüngste Land der Welt ist, die Republik Südsudan. Dort wird erwogen, die eigenen Ölvorkommen über eine neue, 1500 Kilometer lange Ölleitung an die kenianische Küste zu transportieren, um der Abhängigkeit von der Infrastruktur Nordsudans zu entkommen. Kenia plant deshalb, an der Küste einen neuen Hafen zu bauen, um den einzigen großen Seehafen des Landes, Mombasa, zu entlasten. Das Projekt hat nach derzeitigem Planungsstand ein Volumen von 3,5 Milliarden Dollar.

          Angola gilt seit dem Ende des Bürgerkriegs als das El Dorado Afrikas

          Angola, die zweite Station der Kanzlerin, ist seit dem Ende des Bürgerkrieges so etwas wie das El Dorado Afrikas geworden. Das Land hat Öl und damit genug Geld, um die durch den Krieg völlig verwüstete Infrastruktur neu aufzubauen. Zwischen 2005 und 2008 etwa lag das jährliche Wachstum bei Werten um die 20 Prozent. Bislang aber waren es nahezu ausschließlich chinesische Unternehmen, die in Angola Straßen, Schulen, Krankenhäuser und neue Stadtviertel errichteten, weil die chinesische und die angolanische Regierung ein schlichtes Tauschgeschäft vereinbart hatten: Öl gegen Beton. Inzwischen aber mehrt sich in Angola die Kritik an der nicht immer einwandfreien Qualität der chinesischen Bauwerke. Weil der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank Angola inzwischen wieder als kreditwürdig einstufen, kann das Land sich neu orientieren. So sind inzwischen brasilianische, aber auch russische Bauunternehmen gut im Geschäft.

          Korruptionsbekämpfung in Nigeria verbessert

          Der Verfall der Ölpreise in den Jahren 2009 und 2010 dämpfte allerdings die Goldgräberstimmung: Das Wachstum betrug in dieser Zeit lediglich etwas mehr als 2 Prozent. Der deutsche Export nach Angola ging 2010 mit einem Minus von 11,5 Prozent auf 263 Millionen Euro zurück. Während es beim Absatz von Maschinen ein Plus von 21 Prozent auf 122,1 Millionen Euro gab, ging der Export von Autos und Ersatzteilen um 58,1 Prozent auf 17,6 Millionen zurück. Das hat mit der Eintrübung der angolanischen Wirtschaft in den beiden vergangenen Jahren zu tun, aber auch mit der Tatsache, dass Angola als schwieriges Umfeld für Geschäfte gilt. Die Zahlungsmoral ist nicht allzu ausgeprägt und Korruption weit verbreitet. Gleichwohl gelten die Anstrengungen, mehr als nur Öl im Land zu produzieren, als relativ vielversprechend für deutsche Zulieferer. Für das Jahr 2011 rechnet der IWF mit einem Wachstum des angolanischen Bruttoinlandsproduktes von rund 6 Prozent.

          Nigeria wiederum, die dritte Etappe der Reise, führt den unrühmlichen Titel, eines der korruptesten Länder der Welt zu sein. Dabei hat sich gerade in Nigeria, dem größten Ölförderland Afrikas und mit rund 130 Millionen Einwohnern größten Binnenmarkt des Kontinents, in den vergangen Jahren einiges getan. Die Korruptionsbekämpfung ist fester Bestandteil der Wirtschaftspolitik des Landes und die Einführung eines transparenten Verfahrens bei der Vergabe öffentlicher Aufträge Ausdruck dieser neuen Politik. Als Ergebnis der Bemühungen der Kommission für Wirtschafts- und Finanzkriminalität (EFCC) wurde Nigeria 2006 aus der Liste der „nichtkooperierenden Staaten“ bei der Bekämpfung von Geldwäsche gestrichen, die die Gruppe der acht führenden Industriestaaten (G8) aufstellt.

          Neue Infrastruktur benötigt

          In den vergangenen Jahren legte die Wirtschaft durchweg mit einer hohen einstelligen Rate zu, und das Wachstum wurde nicht nur durch die hohen Öleinnahmen getragen, sondern zunehmend auch durch die schnell wachsenden Branchen Banken, Telekommunikation und Landwirtschaft. Seit einiger Zeit legt die Regierung zudem Mehreinnahmen aus dem Ölexport auf einem Sonderkonto der Zentralbank fest, um damit einen Inflationsschub zu verhindern und Reserven für schlechtere Zeiten anzulegen.

          Das sind eigentlich gute Voraussetzungen für Geschäfte, zumal Nigeria dringend eine Erneuerung seiner über Jahrzehnte vernachlässigten Infrastruktur benötigt und „Made in Germany“ dort immer noch etwas gilt. Die Stromversorgung beispielsweise ist völlig unzureichend, das Land braucht Raffinerien, Straßen, ein leistungsfähiges Eisenbahnnetz und einen neuen Seehafen, weil der Hafen in Lagos mit dem wachsenden Güterverkehr nicht mehr Schritt halten kann. Gleichwohl stagnierte der deutsche Export im Jahr 2010 bei 1,1 Milliarden Euro. Nigeria exportierte in der gleichen Zeit Öl und Agrarerzeugnisse im Wert von 2 Milliarden Dollar nach Deutschland.

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