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Afrika : Nigeria überholt Südafrika als größte Volkswirtschaft

  • -Aktualisiert am

Verstopfte Straßen in Nigeria: In der größten Stadt Lagos leben schon jetzt rund 17 Millionen Menschen. Bild: dapd

Das westafrikanische Land hat mit hohen Wachstumsraten in den vergangenen Jahren kräftig aufgeholt. Nigeria zum neuen Eldorado auf dem Kontinent auszurufen, wäre aber voreilig.

          Wenn das nigerianische Amt für Statistik in den kommenden Wochen seine neuen Zahlen zur Stärke der eigenen Volkswirtschaft vorlegen wird, dürfte das weiter südlich, in Südafrika, für Verblüffung sorgen. Nigeria ist nämlich dabei, Südafrika den Rang der größten Volkswirtschaft auf dem Kontinent abzulaufen. Das nigerianische Bruttoinlandsprodukt beläuft sich demnach auf eine Summe zwischen 384 und 424 Milliarden Dollar, während Südafrika auf rund 350 Milliarden Dollar kommt. Um bis zu 60 Prozent soll das nigerianische Bruttoinlandsprodukt bislang unterschätzt worden sein, weil die Statistiker in Abuja mit Vorgaben arbeiteten, die zuletzt vor 16 Jahren aktualisiert worden waren – also zu einer Zeit, als Nigeria zwar schon Öl exportierte, aber Handys und Internet noch unbekannte Größen waren. Dabei steuert alleine der Telekommunikationssektor inzwischen knapp 9 Prozent zum nigerianischen Bruttoinlandsprodukt bei und ist damit der mit Abstand größte in Afrika.

          Die Zahlen sprechen für sich: In Nigeria gibt es 122 Millionen Mobilfunknutzer, in Südafrika nur 40 Millionen. Nigeria zählte im Oktober 2013 56 Millionen Internetnutzer, Südafrika im gleichen Zeitraum 11 Millionen. Auch bei der inzwischen auf dem ganzen Kontinent boomenden Produktion von Zement konnte Nigeria die Konkurrenz vom Kap abhängen: Die Nigerianer produzieren 28 Millionen metrische Tonnen im Jahr, die Südafrikaner nur 18 Millionen. Ein Blick auf die demographischen Unterschiede relativiert diese Zahlen gleichwohl: Nigeria hat geschätzt 170 Millionen Einwohner, Südafrika mit 52 Millionen drei Mal weniger.

          Dennoch macht Nigeria im Vergleich zu Südafrika zumindest auf dem Papier eine gute Figur. Nigeria verzeichnet seit 2006 ein Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 6 Prozent jährlich. Südafrika kommt für diesen Zeitraum auf lediglich 3 Prozent. Die nigerianische Landeswährung Naira hat sich nach einer Bankenreform von ihrer notorischen Schwindsucht erholt und zeigt sich relativ robust: Im vergangenen Jahr verlor der Naira im Vergleich zum Dollar lediglich 2 Prozent seines Wertes. Der südafrikanische Rand hingegen ging mit einem Verlust von 23 Prozent zum Greenback regelrecht in die Knie. Das gegenwärtige Handelsdefizit Südafrika liegt bei knapp 7 Prozent seines Bruttosozialproduktes. Nigeria hingegen verzeichnete 2013 einen Handelsüberschuss von 5 Prozent.

          Nigeria hängt noch am Tropf der Ölindustrie

          Den westafrikanischen Bevölkerungsgiganten deshalb zum neuen Eldorado auf dem Kontinent auszurufen wäre allerdings voreilig. Nigeria verfügt im Gegensatz zu Südafrika nicht über eine diversifizierte und moderne Industrie. Das Land hängt nach wie vor am Tropf der Ölindustrie. 80 Prozent der Staatseinnahmen und 95 Prozent der Deviseneinnahmen stammen aus diesem Sektor. Allein die Exporte von Flüssiggas (LNG) beliefen sich in 2012 auf knapp 20 Millionen metrische Tonnen, womit Nigeria der viertgrößte Produzent der Welt ist.

          Hinzu kommt, dass die treibenden Industrien in Nigeria – Energie, Telekommunikation, IT und das Bankenwesen – nicht arbeitsintensiv sind und folglich nicht genug Arbeitsplätze schaffen, um die Heerscharen junger Menschen in Brot und Lohn zu bringen, womit soziale Unruhen geradezu programmiert sind. Von den 170 Millionen Menschen im Land sind mehr als die Hälfte jünger als 25 Jahre und zumeist ohne Ausbildung und deshalb ohne Job. Die Bereiche, die Arbeitsplätze schaffen könnten, zum Beispiel die traditionell arbeitsintensive Landwirtschaft, werden von der nigerianischen Regierung sträflich vernachlässigt. War die Landwirtschaft im Jahr 1990 noch für 40 Prozent des Bruttosozialproduktes verantwortlich, sind es inzwischen weniger als 30 Prozent. Nigeria muss Lebensmittel importieren, obwohl der Agrarsektor von seiner potentiellen Größe und Leistungsfähigkeit her einen Großteil Westafrikas mit Lebensmitteln versorgen könnte.

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