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Streit bei den Eurokritikern : Chef des AfD-Mittelstandsforums beklagt interne „Erpressung“

Hans-Olaf Henkel: Von ihm fühlt sich der Chef des AfD-Mittelstandsforums unter Druck gesetzt. Bild: dpa

Der Gründer des Mittelstandsforums der Partei fühlt sich von Hans-Olaf Henkel unter Druck gesetzt. Durch die gesamte Partei geht ein Riss.

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          Die Zerreißprobe in der AfD zwischen dem Lucke-Flügel und seinen Kritikern erfasst nun auch das parteinahe Mittelstandsforum. Der Gründer des AfD-Mittelstandsforums und Bundesvizevorsitzende Hansjörg Müller beklagt in einer Stellungnahme, er sei „seit Wochen persönlich Drohungen, Erpressungen und Verleumdungen durch bekannte Akteure des Weckrufs ausgesetzt“. Der „Weckruf“ ist der Verein, in dem AfD-Chef Bernd Lucke seine Anhänger sammelt.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Müller, Geschäftsführer eines Unternehmens aus Oberbayern, wollte das Forum im Flügelstreit neutral halten und blieb deshalb auf Distanz zum „Weckruf“. Dafür wurde er vom Europaabgeordneten und Lucke-Intimus Hans-Olaf Henkel, dem früheren BDI-Chef, in mehreren Schreiben hart unter Druck gesetzt. Wenn Müller sich nicht der richtigen Seite anschließe und sich das herumspreche, „ist es mit dem Forum beim Mittelstand schnell vorbei“, schrieb Henkel. Die Emails liegen der F.A.Z. vor. Auch Lucke selbst hat an Müllers „Loyalität“ gezweifelt. Der wehrte sich, dass er keinen „Loyalitäts-Blankoscheck“ ohne inhaltliche Bindung abgeben werde.

          Das Mittelstandsforum wurde im Winter gegründet, ihm gehören inzwischen rund 200 Unternehmer und Manager mittlerer Firmen an. Es ist keine Gliederung der Partei, sondern ein formal unabhängiger Verein. Es tritt nach eigenen Angaben ein für die Stärkung der Sozialen Marktwirtschaft und die Interessen des Mittelstands.

          Die Partei ist gespalten

          Wie die gesamte Partei ist das AfD-Mittelstandsforum zwischen Anhängern von Lucke und Anhängern von Frauke Petry, der Co-Bundesvorsitzenden, gespalten. Im Vorstand gibt es eine Mehrheit, die Petry zuneigt. Zwei Vorstände sind aber auch regionale Weckruf-Koordinatoren. Der Vize-Vorsitzende des Forums, der nordrhein-westfälische Unternehmer Hans Hermann Schreier, hat erklärt, auf der Liste der Lucke-nahen Kandidaten für den AfD-Vorstand zu erscheinen.

          Auf dem Bundesparteitag in Essen an diesem Wochenende droht der innerlich zerrissenen Partei der Eurokritiker der Showdown zwischen Lucke und Petry. Es haben sich schon mehr als 4200 Mitglieder für den Parteitag in der Gruga-Halle angemeldet. Die Entscheidung werde vermutlich knapp werden, heißt es in der Partei. Die Lucke-Kritiker sagen, Lucke wolle den rechtskonservativen Flügel aus der Partei drängen. Die Gründung des „Weckruf“ sei der  Beginn einer Abspaltung oder Parteineugründung, falls sich Lucke nicht durchsetzen könne. Lucke streitet das ab. Er sagt, der Weckruf wolle die Partei davon abhalten, nach rechts abzudriften.

          Gestritten wird in der Partei auch um die Spende des Kölner Unternehmers Klaus Nordmann. Dieser hat der AfD jüngst 49.999,99 Euro gespendet – exakt 2 Cent unterhalb der Grenze zur Meldepflicht an den Bundestagspräsidenten. Das Geld hilft Lucke, weil er damit den kostspieligen Mitgliederparteitag finanzieren kann. Der Chef des Mittelstandsforums weist nun zurück, dass Nordmann für das Forum spreche, dieser sei dort nicht einmal Mitglied. „Wir wehren uns gegen eine Vereinnahmung“, sagte Müller dieser Zeitung.

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