https://www.faz.net/-gqe-7my7e

Abhängig von Russland : Der Westen tut sich mit Sanktionen schwer

In Kiew demonstrieren die Leute gegen Russland. Ob sie Hilfe bekommen, ist unklar. Bild: AFP

Gegen Russlands Vorgehen auf der Krim ist der Westen hilflos. Nicht einmal Wirtschaftssanktionen würden das Land beeindrucken. Denn Russland hat seinen ganz eigenen Hebel.

          Die Drohung war eindeutig, aber unklar. „Jede militärische Intervention wird Folgen haben“, sagte Präsident Obama in der Nacht zum Samstag an die Adresse Russlands gerichtet. Inzwischen hat der russische Präsident Putin seine Soldaten auf die Krim geschickt. Doch vor einer militärischen Antwort schreckt der Westen zurück.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Amerikas Außenminister John Kerry denkt an einen Ausschluss Russlands aus dem Treffen der acht wichtigsten Wirtschaftsnationen, den G8. Dort hat Russland ohnehin eine Sonderrolle, weil es nicht zu den größten Wirtschaftsnationen gehört. Genau das erleichtert auch Wirtschaftssanktionen. Aber mit denen würde sich der Westen leicht selbst schaden.

          Erste Maßnahmen wären schnell zur Hand. Russland von Gütern abzuschneiden, wäre für den Westen einfach. Fast alles, was es in russischen Supermärkten zu kaufen gibt, ist importiert. Selbst das Toilettenpapier stammt oft aus dem Westen. Aber solche Exportverbote träfen vor allem die russische Bevölkerung.

          Deshalb spekulieren Beobachter darüber, russische Top-Diplomaten von ihrem Geld im Westen abzuschneiden. Die Schweizer Konten des ehemaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch beispielsweise sind bereits gesperrt. Doch das war rechtlich für ukrainische Machthaber leichter als für russische, schließlich wurde die Sperrung von der neuen ukrainischen Regierung erbeten – unter konkreten Korruptions- und Geldwäschevorwürfen.

          Doch am Ende schreckt der Westen grundsätzlich davor zurück, sich zu sehr mit Russland anzulegen. Denn noch ist es im Westen kalt, und wenn Russland seine Gaslieferungen einstellen würde, ließe sich das sich nur schwer verkraften.

          In Deutschland beispielsweise stammt mehr als ein Drittel der Erdgas-Importe aus Russland. Das lässt sich schwer ersetzen, schon allein weil aus anderen Gasförderregionen Gaspipelines fehlen. Zwar wird Gas auch in flüssiger Form per Tanker verschifft, aber das geht bisher vor allem nach China und ist dort heute schon teurer als das Erdgas in Deutschland.

          Würde es in den Westen umgeleitet, schössen die Preise noch weiter durch die Decke, und die Kapazitäten zur Verarbeitung wären möglicherweise auch bald erschöpft.

          Politiker warnen denn auch vor Sanktionen. Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Andreas Schockenhoff, sagte der „Welt“: „Wir sollten nicht aus der Hüfte mit irgendwelchen Sanktionen drohen.“ In Amerika sieht mancher die Lage ähnlich: Ein ehemaliger Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten George Bush, James Jeffrey, sagte der „New York Times“: „Im Moment können wir nichts tun, um die Ukraine zu retten.“

          Mitarbeit: Benjamin Triebe

          Weitere Themen

          Der Kaiser fährt Toyota

          Japan : Der Kaiser fährt Toyota

          Das japanische Kaiserhaus übt sich in Volksnähe. Bei den Feiern zur Inthronisierung wird Kaiser Naruhito sich den Japanern nicht im Rolls Royce, sondern in einem Toyota zeigen. Doch es ist ein ganz besonderer Toyota.

          Indien verbietet E-Zigaretten Video-Seite öffnen

          Todesfälle durch Vaping : Indien verbietet E-Zigaretten

          In letzter Zeit kam es aber vermehrt zu Lungenkrankheiten und sogar Todesfällen, die Ärzte auf das sogenannte Vaping zurückführen. Viele Regierungen stören sich auch daran, dass die Industrie gezielt Jugendliche anspricht.

          Topmeldungen

          Das Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York

          Vereinigte Staaten : Zwei kubanische UN-Diplomaten ausgewiesen

          Kurz vor der UN-Vollversammlung hat Amerika zwei Vertreter Kubas ausgewiesen. Deren Aktionen seien laut Außenministerium gegen die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gerichtet gewesen. Kuba spricht von Verleumdung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.