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Abfallentsorgung : Rezepte gegen den teuren Müll

Dessen Chefin Vera Gäde-Butzlaff hält gar nichts vom angeblichen Patentrezept der privaten Konkurrenz. „Gut geführte kommunale Entsorgungsunternehmen müssen keinen Gebühren- und Kostenvergleich scheuen - und das, obwohl sie ihren Beschäftigten in der Regel höhere Löhne bezahlen als die privaten Wettbewerber“, konterte sie im Gespräch mit der F.A.Z. „Es gibt Kommunen, in denen die Abfallentsorgung privatisiert wurde und die heute ein Mehrfaches der Berliner Gebühren haben. In der privaten Entsorgungswirtschaft wird eben sehr gut verdient.“

Finanzkrise hat auch die Entsorgungswirtschaft erreicht

Tatsächlich zählen die BSR-Gebühren zu den niedrigsten aller deutschen Großstädte. In Braunschweig etwa, das die Hausmüllentsorgung vor einigen Jahren privatisiert und an Alba vergeben hat, zahlen die Bürger deutlich mehr. Kurths Forderung, mehr recyclingfähiges Material aus der Restmülltonne zu fischen, haben Alba und andere Unternehmen in Modellversuchen mit einer Wertstofftonne getestet. Diese „gelbe Tonne plus“ steht neben Verpackungsabfall auch Materialien wie Spielzeug, alten Kochtöpfen und ähnlichen Haushaltsutensilien offen.

„Wertstofftonnen sind gut für die Gewinne privater Entsorger, aber schlecht für die Restmüllgebühren der Verbraucher“, meint Gäde-Butzlaff. Die hätten mehr davon, wenn die Kommunen in Zukunft die Wertstoffe herauszögen und mit den Einnahmen Gebühren stabil hielten oder wenn möglich sogar verringerten. Aber die Zeiten, in denen sich mit Metallschrott oder Altpapier viel Geld verdienen ließ, sind erst einmal vorüber. Die Finanzkrise hat auch die Entsorgungswirtschaft erreicht.

Wichtiges Korrektiv gegen private Regionalmonopole

Vor einigen Monaten noch gab es wegen der hohen Preise einen regelrechten „Häuserkampf“ ums Altpapier. Jetzt seien manche Unternehmen froh, überhaupt einen Käufer zu finden, sagte Jörg Lacher vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE). Die Bestellungen aus China seien fast zum Erliegen gekommen, und die Papierindustrie werde ihre Beschaffungsmengen kurzfristig wohl noch erheblich weiter zurückfahren.

Der BDE befürchtet sogar, dass sich das Altpapiergeschäft nicht mehr lohnt, wenn die Erlöse noch weiter wegbrechen. Der Verband hat vorsorglich bereits eine zusätzliche Umlage ins Gespräch gebracht, welche dann die Sammel- und Transportkosten decken müsse. Branchenkenner sind davon überzeugt, dass die Konjunkturflaute den Konsolidierungsdruck auf dem Entsorgungsmarkt weiter erhöhen wird. Die Branche hat schon eine Übernahmewelle hinter sich, die nun weitere, vor allem mittlere und kleine Unternehmen erfassen könnte.

Vier Konzerne kämpfen um die Vorherrschaft: Remondis aus Lünen, Alba mit der mehrheitlich beherrschten Kölner Interseroh AG, die deutsche Tochter des französischen Konzerns Veolia und die ebenfalls französische Sita. BSR-Chefin Gäde-Butzlaff warnte vor Verhältnissen wie auf dem Energiemarkt. Auch dort dominierten vier Konzerne weitestgehend den Markt. Umso mehr seien die kommunalen Entsorgungsbetriebe gefordert, meinte Gäde-Butzlaff: „Sie bilden ein wichtiges Korrektiv gegen diese Entwicklung und gegen private Regionalmonopole, die sich sonst herausbilden würden.“

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