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Abenomics : Die Bundesbank warnt vor einem Strohfeuer in Japan

Tokio Bild: dpa

Die aggressive Geldpolitik in Japan wird nach Einschätzung der Bundesbank auf mittlere Sicht zur Belastung für die Wirtschaft des Fernost-Landes. Schon 2015 könnten die Erfolge der „Abenomics“ verpufft sein.

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          Die Bundesbank zeigt offene Skepsis gegenüber der japanischen Wirtschaftspolitik. Die mit dem Regierungswechsel Ende 2012 begonnene Neuausrichtung dürfte die Wirtschaft des Landes zwar vorübergehend erheblich stimulieren. „Mittelfristig entpuppt sich diese Entwicklung aber als konjunkturelles Strohfeuer, dessen Erlöschen die Wirtschaft ab 2015 tendenziell belastet“, schreibt die Deutsche Bundesbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht für August. Wesentlich dauerhafter sei die stimulierende Wirkung auf die Inflationsrate.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Zu dieser Einschätzung kommt die Bundesbank auf der Grundlage von Simulationsrechnungen. Danach werden die „Abenomics“ (die nach dem japanischen Regierungschef Shinzo Abe benannte Kombination aus aggressiver Geldpolitik und schuldenfinanzierten Konjunkturhilfen) zwar in diesem Jahr das reale Wachstum zusätzlich um 1,25 Prozent steigern, doch schon im kommenden Jahr verbleibe nur noch ein wesentlich kleinerer Effekt. Da das Auslaufen der wachstumssteigernden Maßnahmen voraussichtlich mit der für April 2014 vorgesehenen ersten Stufe der Erhöhung der Mehrwertsteuer zusammenfalle, könnte die Fiskalpolitik die Konjunkturausschläge verstärken, statt sie zu glätten, warnt die Bundesbank. Umso wichtiger sei ein Erfolg der von Abe im Juni nur vage angekündigten Wachstumsstrategie. Es bleibe abzuwarten, ob durchgreifende Reformschritte kämen. Die Zweifel an der Entschlossenheit Abes, die überfälligen Strukturreformen zu wagen, sind zuletzt auch an den Finanzmärkten stark gewachsen.

          Die internationalen Wirkungen der „Abenomics werden nach Ansicht der Bundesbank eher gering bleiben. „Trotz der starken Yen-Abwertung kommt es weder in Deutschland noch in einem anderen bedeutenden Wirtschaftsraum zu einem deutlichen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion.“ Oft stellten sich derzeit sogar positive Effekte ein, durch die anziehende japanische Importnachfrage.

          Shinzo Abe
          Shinzo Abe : Bild: AP

          Die neuen Zahlen zur Handelsbilanz, die am Montag in Tokio vorgestellt wurden, bestätigten die Thesen der deutschen Notenbanker. Ein starker Importschub hat das Defizit der japanischen Handelsbilanz im Juli weiter in die Höhe getrieben. Wie das japanische Finanzministerium berichtete, wuchs der Passivsaldo in der Handelsbilanz auf 1,024 Billionen Yen (7,8 Milliarden Euro) an. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt wies damit den 13. Monat in Folge ein Minus aus. Das ist die längste Defizit-Serie seit 1980. Der wichtigste Grund für den rapiden Anstieg der Importe ist, dass seit der Atomkatastrophe in Fukushima 2011 nahezu alle 50 Atomreaktoren abgeschaltet worden sind. Die Energieunternehmen schließen die Energielücke mit Öl- und Kohleimporten, vor allem aber mit der Einfuhr von Flüssiggas.

          Die japanischen Importe legten daher auf Jahressicht um 19,6 Prozent auf 6,986 Billionen Yen zu. Die Kosten für Ölimporte stiegen im Jahresvergleich um 30,2 Prozent, die für Flüssiggas um 16,9 Prozent. Die Exporte stiegen um 12,2 Prozent auf 5,962 Billionen Yen. Der Yen verlor gegenüber Juli 2012 um 24,3 Prozent an Wert. Die Exporte sind damit so stark gestiegen wie seit 2010 nicht mehr, sie stehen aber nur für einen relativ kleinen Teil der japanischen Wirtschaft und machen nur rund 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Doch sie sind entscheidend für Gewinne und Aktienkurse der Exportunternehmen, die rund die Hälfte zum japanischen Wirtschaftswachstum beitragen.

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