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8,50 Euro für Friseure : Das Mindestlohn-Experiment

  • -Aktualisiert am

Endlich unter der Haube Bild: plainpicture

Die Friseure haben ein Problem: Die Preise sind zu niedrig, um die Mitarbeiter anständig zu bezahlen. Nun kommt für die ganze Branche der Mindestlohn. Viele Salons werden das nicht überleben.

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          Seit Anfang März findet in Dana Konradts Friseursalon ein Experiment statt, dessen Ergebnis die ganze Innung der deutschen Friseure brennend interessiert. Denn in ihrem und elf weiteren Salons im Osten Deutschlands probiert die Friseurkette Klier aus, was bald überall im Land Realität sein dürfte: Sie führt einen Stundenlohn ein in Höhe des Mindestlohns für Friseure, der gerade von den Tarifparteien für den Sommer beschlossen wurde.

          Dieser soll, so der Plan von Gewerkschaften und Innungen, von der Politik für allgemeinverbindlich erklärt werden und damit für alle Friseure gelten. Die große Frage lautet: Was ändert sich, wenn die Salons sich daran halten? Werden sie überleben?

          Der Salon, den Dana Konradt leitet, ist groß. 15 Angestellte hat der sogenannte Flagship Store der Kette Klier, die bundesweit fast 900 Salons betreibt, viele davon in Einkaufszentren. Auch Konradts Mitarbeiter schneiden die Haare der Besucher eines Einkaufszentrums in Sachsen. Seit 1. März erhalten sie 7,50 Euro Stundenlohn - das ist der tarifliche Mindestlohn, der vom Sommer an für Westdeutschland gilt, im Osten sind es 6,50 Euro. 2015 sollen es dann 8,50 Euro für ganz Deutschland sein.

          Werden die Kunden das zahlen?

          Die Auswirkungen sind aber schon bei 7,50 Euro erheblich für Konradt, weil ihre Friseure bislang äußerst schlecht verdienten. Vor dem Experiment bekamen sie nur 4,50 bis 5 Euro in der Stunde. Viele bezogen zusätzlich Hartz IV, weil das Gehalt vorne und hinten nicht reichte. Ganz normal in Sachsen, wo ein Friseur mit Berufserfahrung nach Tarif 830 Euro brutto verdient, ein Geselle, der neu einsteigt, 755 Euro. In Ländern wie Hessen oder Nordrhein-Westfalen verdienen Friseure nach Tarif schon heute beinahe das Doppelte, was auch noch nicht üppig ist. Dazu kommt allerdings noch das steuerfreie Trinkgeld.

          Tariflöhne in Nordrhein-Westfalen und Sachsen im Vergleich Bilderstrecke
          Tariflöhne in Nordrhein-Westfalen und Sachsen im Vergleich :

          Für die Friseurinnen in Konradts Salon ist das Experiment erst einmal positiv. „Die Mitarbeiter sind sehr froh, dass sie nun kein Hartz IV mehr zusätzlich beantragen müssen“, sagt Konradt. Schlechter geht es für die Kunden aus. „Die Personalkosten sind stark gestiegen, deshalb kostet der normale Schnitt jetzt 2 bis 2,50 Euro mehr“, sagt Konradt. Michael Klier, einer der beiden Geschäftsführer der familiengeführten Kette, sagt: „Die Mindestlohn-Vereinbarung wird die Löhne bei den meisten Klier-Mitarbeitern in den neuen Bundesländern um durchschnittlich 30 Prozent steigern. Das bedeutet in einem nicht gerade margenstarken Geschäft wie unserem, dass auch die Preise an diesen Standorten um 30 Prozent steigen müssen.“ Das allerdings stimmte nur, wenn alle Kostenpositionen sich verteuerten.

          Die große Frage bleibt trotzdem: Werden die Kunden das zahlen? Oder lassen sie sich lieber schwarz die Haare machen? Kommen sie schlicht seltener? Für die Friseurinnen stellt sich die weitere Frage, ob nun das Trinkgeld weniger wird.

          Michael Klier kann bislang nur die erste Frage beantworten. „Die Kunden reagieren erst einmal sehr positiv, wenn sie hören, dass die Preiserhöhung den Mitarbeitern zugute kommt“, sagt er. „Ob und wann sie wiederkommen, wissen wir aber noch nicht.“ Dafür läuft der Test noch nicht lang genug.

          Der Wettbewerb ist jetzt schon hart

          Die Erkenntnisse der Ökonomen hierzu sind allerdings eindeutig, wie Lars Feld berichtet, Mitglied des Sachverständigenrats für Wirtschaft. „Ein Mindestlohn muss nicht schädlich sein und zu höherer Arbeitslosigkeit führen“, sagt er. Etwa wenn er niedrig gewählt ist und auf einen sehr flexiblen Arbeitsmarkt trifft, wie in Amerika oder Großbritannien. „Das kann aber für die Friseure in Deutschland nicht gelten.“ Denn nicht nur ist der deutsche Arbeitsmarkt unflexibel mit starkem Kündigungsschutz.

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