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500-Euro-Banknote : Euro-Alchemisten

  • -Aktualisiert am

Bargeld sei „gedruckte Privatsphäre“, sagt EZB-Direktor Yves Mersch. Bild: Wonge Bergmann

Nachdem die EZB das Aus für den 500-Euro-Schein beschlossen hat, versucht der für Bargeld zuständige EZB-Direktor die Kritiker zu beruhigen. Was er sagt, ist redlich. Aber leider stieß er innerhalb der EZB bislang auf taube Ohren.

          Zum Abschied vom Fünfhunderter reicht die Europäische Zentralbank ein paar Beruhigungspillen. Yves Mersch, der für Bargeld zuständige EZB-Direktor, beteuert: Im Euroraum gelte weiter, Bares bleibt Wahres. Aber er nennt drei Interessengruppen, die Bargeld abschaffen wollen: das Recht-und-Ordnung-Lager, die Finanz-Tech-Allianz und Alchemisten.

          Für die „Alchemisten“ stelle das Bargeld eine störende Hürde dar, da es verhindere, die Leitzinsen tief in den negativen Bereich zu senken, um die Leute zum Geldausgeben zu zwingen, auf dass die Wirtschaft endlich mehr wachse. Denn durch die Flucht in Bargeld könnten die Leute einer Entwertung ihrer Bankeinlagen bei zu hohen Strafzinsen entgehen.

          Es ist redlich, solche Motive einmal klar zu benennen, nachdem einige dies als Verschwörungstheorie abtun wollten. Richtig ist auch, dass negative Zinsen negative Effekte haben, wenn Sparer etwa mehr sparen statt weniger, weil es keinen Zinseszins mehr gibt oder sie befürchten, dass ein Teil des Ersparten genommen wird.

          Der 500-Euro-Schein wird schrittweise abgeschafft.

          Dass Finanzinstitute und Digitalkonzerne Bargeld abschaffen wollen, um ihre Profite zu steigern und um Kunden besser kontrollieren zu können, versteht sich von selbst, ist aber kein Grund, ihnen diesen Gefallen zu tun. Für das Recht-und-Ordnung-Lager hat Mersch einen netten Vergleich. Kriminelle sprächen sich auch über Mobiltelefone ab. Aber niemand komme auf die Idee, Handys zu verbieten. Gut gebrüllt, Löwe, darf man Yves Mersch zurufen. Aber vermag er mit seiner Haltung im geldpolitischen Rat der EZB zu überzeugen?

          Zweifel sind erlaubt. Er und auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann haben sich in der Debatte über den schrittweisen Abschied vom Bargeld gegen den Einzug des Fünfhunderters ausgesprochen, doch ihre Argumente stießen auf taube Ohren. Obwohl es keinen Beleg für einen Zusammenhang zwischen Bargeldnutzung und Kriminalität gibt. In Schweden, wo Bargeld kaum eine Rolle spielt, gibt es mehr Schattenwirtschaft als in der Schweiz, wo große Scheine und Barzahlung üblich sind. Wer meint, in der digitalen Welt gebe es kein Verbrechen, sollte mal ins Darknet schauen, wo sich Abgründe auftun.

          Solange im EZB-Rat die Anhänger der Alchemisten dominieren, droht nach dem Abschied vom Fünfhunderter auch der vom Zweihunderter. Denn im Rat finden die Euro-Alchemisten oftmals Gehör. Die Schlacht um das Bargeld hat erst begonnen. Dieser Kampf lohnt: Nur Bargeld ermöglicht dem Einzelnen Freiheit, Privatheit und Selbstbestimmung.

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