https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/4-35-prozent-china-senkt-die-leitzinsen-13872401.html

4,35 Prozent : China senkt die Leitzinsen

  • Aktualisiert am

Chinas Zentralbank hat abermals die Zinsen gesenkt. Bild: AFP

Chinas Zentralbank senkt abermals die Zinsen. Damit will das Land die Folgen der schwächeren Konjunktur abmildern. Es gibt aber auch noch einen anderen längerfristigen Grund.

          2 Min.

          Chinas Notenbank senkt abermals die Zinsen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde. Pekings Währungshüter verringerten den Leitzins mit einjähriger Laufzeit um einen Viertelprozentpunkt auf 4,35 Prozent. Zudem müssen die meisten Großbanken künftig weniger Kapital als Mindestreserve bereithalten.

          Das bedeutet, dass weniger Geld als Sicherheit gebunden ist und mehr Mittel für Kredite bereitstehen. Der entsprechende Mindestreservesatz wurde auf 17,5 Prozent gekappt.

          Chinas Wirtschaft wächst den offiziellen Angaben zufolge mittlerweile mit etwas weniger als 7 Prozent und damit langsamer als in den vergangenen Jahren. Allerdings ist für entsprechende Vergleich zu berücksichtigen, dass die chinesische Volkswirtschaft mittlerweile um ein Mehrfaches größer ist als noch vor zehn Jahren und die geringere Wachstumsrate insofern immer noch einen absolut größeren Zuwachs bedeutet.

          Eine flexiblere Währung

          Zugleich kommt der Zinsschritt nicht überraschend, hatte die chinesische Administration in den vergangenen Wochen doch schon angedeutet, die Konjunktur noch mehr unterstützen zu wollen. China befindet sich derzeit in einen Transformationsprozess weg von Industrie und Export und hin zu mehr Konsum und Dienstleistungen.

          Zugleich strebt die Führung an, schrittweise immer mehr Wettbewerb im Land zuzulassen, wie die beiden Ökonomen Andrew Sheng und Xiao Geng in einem aktuellen Beitrag auf der Internetseite Project Syndicate erklären. Daraus resultiert für sich genommen ein nachlassender Preisdruck, was ihrer Ansicht nach auch durch eine etwas lockerere Geldpolitik der PBoC flankiert werden sollte - so wie das schon seit einigen Monaten geschieht.

          Im Sommer hatte China zudem bereits seine Währung Yuan ein Stück weiter flexibilisiert. Zugleich fielen die Aktienkurse zumal an den chinesischen Festlandbörsen auf das Niveau vom Dezember des vergangenen Jahres zurück - und viel Angst über womöglich große Schwierigkeiten oder eine "harte Landung" machte insbesondere in der angelsächsischen Presse die Runde.

          Mittlerweile haben sich solche Sorgen merklich entspannt. Mitte der Woche sagte der stellvertretende Chef der staatlichen Währungsbehörde Safe, Wang Xiaoyi, nach Angaben des Finanzdienstes Bloomberg, dass das China auch kein Problem habe mit einer Zinserhöhung in den Vereinigten Staaten. Die Verringerung der gewaltigen Währungsreserven Chinas ist im September verglichen mit dem Monat zuvor ebenfalls zurückgegangen.

          Als wichtigster Grund für die viele Milliarden Dollar umfassenden Kapitalabflüsse in diesem Jahr gilt, dass Anleger Positionen abgebaut haben wegen der größeren Währungskurs-Flexibilität infolge der niedrigeren Wachstumsraten. Sie positionierten sich nach Angaben von Marktteilnehmern zuvor unter der Annahme, dass der Wechselkurs konstant ist oder der Yuan aufwertet und mit den im Vergleich zu Amerika höheren Zinsen in China im Blick. Dies hat sich auch durch die schlecht kommunizierte Änderung in der chinesischen Wechselkurs-Strategie verändert.

          Weitere Themen

          Warnstreiks bei der Post gehen weiter Video-Seite öffnen

          Frankfurt : Warnstreiks bei der Post gehen weiter

          Verdi fordert 15 Prozent mehr Lohn für die rund 160.000 Tarifbeschäftigten in Deutschland bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Post hatte die Gehaltsforderung bereits mehrfach als realitätsfern abgewiesen.

          Topmeldungen

          Die amerikanische Küstenwache zieht Teile des chinesischen Ballons auf ihr Boot

          Chinesische Ballon-Affäre : USA warnen Verbündete vor Spionageprogramm

          Die Ballon-Affäre geht in die zweite Runde. Die USA haben damit begonnen, die chinesische Verlegenheit für sich diplomatisch nutzbar zu machen. Peking fordert dagegen die Aushändigung der Trümmer.
          Die gefälschten Titelblätter der Satire-Zeitschriften.

          Russland fälscht Satireblätter : Das ist keine Satire, das ist dumpfe Propaganda

          Die russische Propaganda tobt sich auf einem neuen Feld aus. Sie fälscht Titel von Satireblättern wie „Charlie Hebdo“, „Mad“ und „Titanic“. Die Botschaft lautet: Die Ukrainer seien Nazis und die Europäer hätten die Ukraine-Hilfe satt. Ein Gastbeitrag.

          Erdbeben in der Türkei : „Wir hören Stimmen“

          Während den Rettern die Zeit davonläuft, beginnt der Kampf um die Deutung des Umgangs mit der Katastrophe. An vielen Orten ist noch keine Hilfe angekommen. Die türkische Regierung reagiert dünnhäutig und schränkt Twitter ein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.