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3,8 Prozent Minus : Amerika steckt tief in der Rezession

  • -Aktualisiert am

Amerikas Wirtschaft geht's nicht gut Bild: AFP

Die schlechte Nachricht: Die amerikanische Wirtschaft ist Ende des vergangenen Jahres so stark eingebrochen wie seit 1982 nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im vierten Quartal um 3,8 Prozent. Die gute Nachricht: Analysten hatten mit einem Minus von mehr als fünf Prozent gerechnet.

          Die amerikanische Wirtschaft erlebt ihre schlimmste Rezession seit Anfang der achtziger Jahre. Der Konjunkturabschwung hat sich in den letzten Monaten des vergangenen Jahres deutlich beschleunigt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist einer ersten Schätzung des Wirtschaftsministeriums in Washington zufolge im vierten Quartal 2008 mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,8 Prozent geschrumpft. Im dritten Quartal hatte das Minus 0,5 Prozent betragen. Im gesamten Jahr 2008 lag das Wachstum damit bei plus 1,3 Prozent. Bankvolkswirte an der Wall Street hatten für das vierte Quartal einen BIP-Rückgang von 5,5 Prozent erwartet.

          In den letzten Monaten des Jahres sei der private Konsum weiter geschrumpft, und die Unternehmensinvestitionen seien deutlich gesunken, hieß es. Außerdem sei, zum ersten Mal seit Frühjahr 2003, der Export gefallen. Auch die schlechte Verfassung der Bauwirtschaft aufgrund der Häuserkrise trage zur Rezession bei. Ökonomen rechnen frühestens gegen Ende des Jahres mit einer leichten Besserung der Konjunktur.

          Tiefe Spuren auf dem Arbeitsmarkt

          Derweil hinterlässt die desolate Lage der Wirtschaft tiefe Spuren auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt. Die Liste von Unternehmen, die Kündigungen in großem Umfang aussprechen, wird täglich länger: Caterpillar, einer der bedeutendsten Hersteller von Bau- und Bergbaumaschinen, will aufgrund der schlechten Wirtschaftslage rund 20.000 Stellen streichen. Der Pharmakonzern Pfizer hat die Entlassung von 8000 Mitarbeitern angekündigt. Texas Instruments, das zu den wichtigsten Technologieunternehmen zählt, wird sich von 3400 Arbeitnehmern trennen, rund 12 Prozent seiner Belegschaft. Corning, ebenfalls ein Technologieunternehmen, teilte mit, rund 3500 Jobs zu streichen, etwa 13 Prozent aller Stellen.

          Das Mobilfunkunternehmen Sprint Nextel wird 8000 Mitarbeiter nicht länger beschäftigen, Home Depot wird seine „Expo“-Einrichtungshäuser schließen und 7000 Arbeitnehmern kündigen, und der angeschlagene Autokonzern General Motors wird weitere 2000 Mitarbeiter vor die Tür setzen. Kodak wird sich von 3500 bis 4500 Mitarbeitern trennen, der Versicherungskonzern Allstate hat für 1000 Beschäftigte keinen Bedarf mehr. Starbucks wird dieses Jahr rund 200 seiner Kaffeehäuser in Amerika schließen. Dadurch werden rund 6700 Mitarbeiter ihre Stelle verlieren. Auch Bankenriese Citigroup, der Mischkonzern General Electric und der Motorradhersteller Harley-Davidson sehen sich angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise zu Stellenstreichungen gezwungen.

          In zwei Monaten 1,1 Millionen Jobs weg

          Hinzu kommt der Arbeitsplatzabbau in kleinen und mittelgroßen Unternehmen, der sich ebenfalls fortsetzen dürfte. Berichten zufolge haben kleine Betriebe mit 1 bis 49 Mitarbeitern im Dezember 281.000 Stellen gestrichen. Der Statistik des Arbeitsministeriums in Washington zufolge sind seit Beginn der Rezession im Dezember 2007 und dem Ende des vergangenen Jahres im Saldo rund 2,6 Millionen Arbeitsplätze in Unternehmen außerhalb der Landwirtschaft verlorengegangen.

          Inzwischen hat der Stellenabbau nahezu alle Zweige der amerikanischen Wirtschaft erfasst. Vor allem in den letzten Monaten des vergangenen Jahres hat sich die Lage schnell und dramatisch verschlechtert. Im November und Dezember sind zusammen rund 1,1 Millionen Jobs gestrichen worden. Bankvolkswirte an Wall Street befürchten, dass im Januar abermals rund 550.000 Arbeitsplätze verloren gehen und die Arbeitslosenquote auf 7,6 Prozent klettern wird. Die Arbeitsmarktzahlen für Januar werden am Freitag kommender Woche veröffentlicht.

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