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11 Prozent Minus im 5-Kilometer-Umkreis : Atomausstieg lässt Häuserpreise sinken

Raum für Weideland: Das Atom-Aus bringt ökonomische Einbußen. Bild: Bode, Henning

Die Abschaltung von Kernkraftwerken hat für die betroffenen Kommunen erhebliche wirtschaftliche Auswirkung. Eine neue Untersuchung zeigt nun erstmals, wie drastisch sie sich auf die Immobilienpreise auswirkt.

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          Um 11 Prozent sind die Preise für Häuser im Umkreis von 5 Kilometern um deutsche Kernkraftwerke innerhalb gut eines Jahres im Vergleich zu Häusern außerhalb dieses Radius gesunken, nachdem die Kraftwerke nach dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima im März abgeschaltet wurden. Selbst die Häuserpreise in der Nähe von Atomkraftwerken, die zwar weiter betrieben werden, aber deren Abschaltung beschlossen ist, sanken deutlich um 5 Prozent gegenüber dem allgemeinen Preisniveau.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der Preise von 900.000 Immobilien, die zwischen März 2009 und Mai 2012 in dem Internetportal „Immobilienscout 24“ angeboten wurden, durch Ökonomen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RIW) in Essen und des Kieler Instituts für Weltwirtschaft.

          Zwei gegenläufige Effekte

          „Die Höhe des Effekts hat uns überrascht“, sagt Thomas Bauer, Wirtschaftsprofessor an der Ruhr-Universität Bochum und RWI-Vizepräsident.

          Als Ursachen für die Preisentwicklung nennt er zwei gegenläufige Effekte: Einerseits sollten zwar die Häuser- und Grundstückspreise um Atomkraftwerke steigen, wenn die gefühlte Sicherheit nach einer AKW-Abschaltung zunimmt.

          Andererseits aber bedeutet die Abschaltung für die Kommunen eine wirtschaftliche Einbuße. „Es fallen Arbeitsplätze weg“, erläutert Bauer. Nach einer Umfrage der Forscher sind in einem Kernkraftwerk durchschnittlich 700 Personen beschäftigt, deren Einkommen dann wegfallen. Zudem entgehen den betroffenen Kommunen die bisherigen und künftige Gewerbesteuerzahlungen für die Kraftwerke. Das reißt in manchen öffentlichen Haushalt ein erhebliches Loch. Die betroffenen Kommunen können weniger ausgeben und investieren.

          Mit der Schließung des AKW sei somit eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage der Region verbunden, erläutern die Ökonomen der beiden Institute. Diese schlechteren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spiegeln sich dann in den Immobilienpreisen wieder. Diese Interpretation der Marktpreisentwicklung wird nach Ansicht der Forscher auch dadurch gestützt, dass die Grundstücks- und Häuserpreise um schon vor 2011 stillgelegte Atomkraftwerke herum sich nach Fukushima nicht anders als der allgemeine Immobilienmarkt entwickelten. Im März 2011 liefen in Deutschland 17 Atomkraftwerke. Davon sind sieben schon drei Tage nach Fukushima stillgelegt worden. Die Laufzeit der übrigen neun deutschen Kernkraftwerke wurde begrenzt. Das letzte Atomkraftwerk soll nach dem Beschluss der Bundesregierung im Jahr 2022 vom Netz gehen.

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