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Geldpolitik : 1000-Milliarden-Anleihekauf brächte nur Mini-Inflationsschub

Der Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt Bild: Eilmes, Wolfgang

Die EZB erwägt das größte Anleihekaufprogramms ihrer Geschichte. Welche Folgen es haben wird, ist unklar. Simulations-Rechnungen zeigen nach Informationen der F.A.Z. nur geringe Effekte.

          In der Europäischen Zentralbank (EZB) gibt es nach Informationen der F.A.Z. aktuelle Berechnungen zu den möglichen Auswirkungen des größte Anleihekaufprogramms ihrer Geschichte. Der Kauf von Anleihen, überwiegend Staatsanleihen, im Volumen von 1000 Milliarden Euro hätte demnach eher kleine Effekte – gemessen am großen finanziellen Einsatz und den politischen Risiken. Verschiedene makroökonomische Simulationen ergaben, dass das Kaufprogramm nur 0,15 bis 0,6 Prozentpunkte zusätzliche Inflation bringen würde, heißt es aus Notenbankreisen.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Die obere der Schätzung von 0,6 Prozent Inflationsschub basiert auf der Annahme eines stärkeren Effekts auf das Zinsniveau. Diese Rechnung wird in Notenbankkreisen aber kritisch gesehen. „Das ist Wunschdenken“, sagte ein Notenbank-Insider. Der kritische Punkt sei die Annahme, dass sich das Zinsniveau um ein Prozentpunkt drücken ließe. Das sei kaum realistisch, denn deutsche und auch französische zehnjährige Papiere rentieren mit weniger als ein Prozent.

          Der wichtigere Wirkungskanal der sogenannten quantitativen Lockerung (QE) der Geldpolitik wäre wohl der Wechselkurs. Wenn europäische Anleihen fast keine Zinsen mehr abwerfen, werden Anleger vermehrt in außereuropäische Anleihen und vor allem Dollar-Papiere ausweichen. Dadurch würde der Euro-Kurs gegenüber dem Dollar weiter sinken. Eine weitere Abwertung könnte die Exporte und die Konjunktur beleben und Importe verteuern. Dadurch würde die Inflationsrate angehoben. Im November ist die Teuerungsrate auf 0,3 Prozent gesunken. Im Dezember könnte sie wegen des starken Ölpreisrückgangs sogar unter die Nulllinie fallen.

          Die Kritiker eines Kaufprogramms wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann halten das Vorhaben des EZB geldpolitisch derzeit nicht für geboten. Ihrer Ansicht nach hat vor allem der Ölpreis die Inflation stark gedrückt. Der Ölpreisverfall stärke die Kaufkraft und gebe der Konjunktur einen Schub. Er werde so mittelfristig helfen, die Inflation wieder in Richtung des EZB-Ziels von 2 Prozent anzuheben.

          Die Bundesbank verweist darauf, dass es keine Anzeichen einer deflatorischen Abwärtsspirale mit Konsumzurückhaltung gebe. Draghi hat hingegen mögliche schädliche „Zweitrundeneffekte“ der niedrigen Inflation in Form einer Bremsung der Löhne betont. Juristische Hürden gegen einen Massenkauf von Staatsanleihen sieht er keine. Die Anreizwirkung hat er als nicht relevant bezeichnet. Kritiker warnen vor negativen Anreizen, nämlich einem sinkenden Reformdruck in den Krisenländern.

          Die Überlegungen in der Europäischen Zentralbank zu einem massenhaften Ankauf von Staatsanleihen stoßen bei prominenten deutschen Ökonomen teils auf scharfe Kritik. „Staatsanleihekäufe der EZB in Höhe von 1000 Milliarden Euro würden wirken wie die Einführung von Eurobonds in gleicher Höhe, für die die Eurostaaten gemeinsam haften“, kritisierte Clemens Fuest, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), gegenüber dieser Zeitung. Eventuelle Verluste durch Ausfälle würden nach dem Kapitalschlüssel der EZB unter den Euromitgliedstaaten aufgeteilt. „Das ist ohne Zustimmung der Parlamente nicht akzeptabel“, sagte der ZEW-Chef, der zu den kritischen Befürwortern der Euro-Rettungspolitik gehört. Der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, warf der EZB vor, sie überschreite ihr Mandat. „Was die EZB vorhat, ist eine fiskalische Rettungspolitik unter dem Deckmantel der Geldpolitik, beschlossen von einem Gremium, dem es dafür an demokratischer Legitimation fehlt“, sagte er.

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