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Angus Deaton : Wirtschaftsnobelpreis für Konsum- und Armutsforscher

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Angus Deaton erhält den Wirtschaftsnobelpreis 2015 Bild: HAMILTON/REA/laif

Der Schotte Angus Deaton wird mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet. Der 69-jährige lehrt an der Universität Princeton in Amerika, er wird für seine Arbeiten zu Konsum und Armut geehrt.

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          Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft geht in diesem Jahr an den britischen Ökonomen Angus Deaton. Das teilte die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm mit.  Er werde „für seine Analyse des Konsums, der Armut und der Wohlfahrt“ geehrt. Seine Arbeiten hätten dazu beigetragen, die Fachgebiete der Mikro- und der Makroökonomie sowie der Entwicklungsökonomie zu verändern. Der 69-jährige Forscher beschäftigt sich unter anderem mit Fragen der Entwicklungs- und Gesundheitsökonomie.

          Deaton wurde vom Anruf der schwedischen Jury am Montag aus dem Schlaf gerissen. „Meine Güte, ich war ganz schön verschlafen!“, sagte der in Amerika lebende Forscher, der bei der Pressekonferenz in Stockholm per Telefon zugeschaltet war. „Ich war überrascht und erfreut, die Stimmen meiner Freunde vom Komitee zu hören“, sagte der 69-Jährige: „Es war mir natürlich wie vielen anderen Ökonomen bewusst, dass es eine Chance dafür gab.“ Er freue sich darauf, im Dezember zur Preisverleihung nach Schweden zu kommen.

          Der gebürtige Schotte lehrt seit 35 Jahren an der amerikanischen Eliteuniversität Princeton. Zuvor hatte er in England studiert, wo er 1974 an der Universität Cambridge promovierte. Er hat sich im Laufe seines Lebens mit unterschiedlichen Feldern der Ökonomie befasst. Für seine Beiträge zur Theorie des Konsums und Sparens, zur Messung des Lebensstandards und der Armut sowie zur Effizienz der Entwicklungshilfe und der Gesundheitssysteme hat er große Anerkennung erfahren.

          Ein Schwerpunkt seiner Forschung waren individuelle Konsumentscheidungen. Dabei geht es etwa um die Frage, wie Konsumenten ihr Geld für den Kauf verschiedener Güter aufteilen. Das ist auch wirtschaftspolitisch wichtig, um zu beurteilen, wie sich bestimmte Änderungen in der Steuerpolitik auf verschiedene Personengruppen auswirken werden. Wer profitiert von einer Mehrwertsteuererhöhung auf ein bestimmtes Gut, wer verliert?

          Um solche Fragen zu beantworten, müssen Ökonomen zuvor verschiedene Nachfragefunktionen schätzen - also ein System von Gleichungen. Eine Gleichung kann dabei etwa die Nachfrage nach einem Gut in Abhängigkeit von dessen Preis, dem Preis anderer Güter und dem Einkommen darstellen. Schon in den 60er und 70er Jahren arbeiteten Ökonomen mit solchen Schätzungen, aber die Ergebnisse waren wenig zufriedenstellend. Deaton zeigte um das Jahr 1980, dass oft falsche Annahmen über das Verhalten der Grund war, dass die Modelle schlechte Ergebnisse lieferten. Die Forschung von Deaton hat dabei große Bedeutung in der Praxis vieler Ökonomen: „Deatons System wird von Ökonomen und politischen Entscheidungsträgern auf der ganzen Welt genutzt“, sagt Nobeljuror Per Strömberg.

          Später befasste er sich auch mit der Frage, wie wir unsere Konsumausgaben im Laufe unseres Lebens auf unterschiedliche Zeitperioden aufteilen. Wann sparen wir, und wovon hängt das ab? Er versuchte dabei, makroökonomische Modelle, mikroökonomisch zu untermauern.

          Geld macht glücklich - aber nur bis zu einem bestimmten Jahreseinkommen

          In jüngerer Zeit schließlich forschte er über Armut und den Lebensstandard in Entwicklungsländern. Einen Schwerpunkt legt er auf das Schwellenland Indien und die Frage, wie Armut sich wissenschaftlich fassen und messen lässt. Er untersuchte mit Hilfe von Daten über einzelne Haushalte, welchen Einfluss das Einkommen auf die Ernährungsgewohnheiten hat.

          Auch über die Frage, ob Geld glücklich macht, forschte der Schotte. Seine Erkenntnis:  Ja, Geld macht glücklich - aber nur bis zu einem bestimmten Jahreseinkommen. Armut hingegen mache Menschen sowohl unzufrieden als auch unglücklich. In Arbeit ist seinem Lebenslauf zufolge eine Schrift darüber, welche Rolle Glücksmessung in der Politik spielen könnte.

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          Er selbst ist nun eindeutig glücklich: Die Auszeichnung ist mit acht Millionen schwedischen Kronen (etwa 850.000 Euro) dotiert. Anders als die traditionellen Nobelpreise geht sie nicht auf das Testament des Dynamit-Erfinders Alfred Nobel zurück. Die Reichsbank in Schweden stiftete den Preis erst 1968.

          Er heißt deshalb auch nicht offiziell Nobelpreis, sondern „Preis der schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften zum Andenken an Alfred Nobel“. Verliehen wird der Preis gemeinsam mit den klassischen Nobelpreisen am 10. Dezember, dem Todestag Nobels.

          Im vergangenen Jahr war der Franzose Jean Tirole für seine Forschungen über Marktmacht und Regulierung mit der Auszeichnung geehrt worden.

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