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Wirtschaftsnobelpreis : Die treibenden Kräfte hinter den Konjunkturzyklen

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Nobelpreisträger Kydland (re.) und Prescott Bild: AP

Der Norweger Finn Kydland und der Amerikaner Edward Prescott erhalten für ihre Forschungen im Bereich Makroökonomie den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.

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          Der diesjährige Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft geht an den Norweger Finn E. Kydland und den Amerikaner Edward C. Prescott. Das teilte die schwedische Wissenschaftsakademie am Montag in Stockholm mit.

          Die beiden Wirtschaftswissenschaftler erhalten den Nobelpreis für ihre Forschungen im Bereich Makroökonomie, wo sie das Problem der Zeitinkonsistenz wirtschaftspolitischer Entscheidungen und die treibenden Kräfte hinter Wirtschaftszyklen untersucht haben. Die wissenschaftlichen Arbeiten von Kydland und Prescott haben die monetäre Analyse und die Geldpolitik in zahlreichen Ländern beeinflußt.

          Der 60jährige Kydland lehrt an der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh, Pennsylvania. Der drei Jahre ältere Prescott ist Professor an der Arizone State University in Tempe, Arizona. Gleichzeitig ist er Mitglied im Rat der Federal Reserve im amerikanischen Bundesstaat Minnesota.

          In ihrer Arbeit zum Problem der Zeitinkonsistenz aus dem Jahr 1977 wird die Frage gestellt, ob Wirtschaftspolitik auf der Grundlage von Regeln erfolgen sollte oder ob ihr Entscheidungsspielräume gegeben werden sollten. Die Fragestellung läßt sich sowohl auf Geldpolitik wie auch beispielsweise auf Steuerpolitik anwenden. Kydland und Prescott haben in ihrer Arbeit grundsätzlich gezeigt, daß ohne bindende Regeln für die politischen Handlungsakteure immer ein Anreiz besteht, von einer anfangs gewählten Politikstrategie abzuweichen, wenn sich hieraus kurzfristige Vorteile ergeben können. Längerfristig wird sich ein solches Verhalten jedoch negativ niederschlagen, so z.B. in dauerhaft hoher Inflation, ohne daß hierdurch positive Wachstums- oder Arbeitsmarkteffekte erzielt werden.

          Amerikanische Forscher vorn

          Im Bereich Wirtschaft zählten in den vergangenen 35 Jahren 32 amerikanische Forscher zu den Gewinnern, allerdings nur ein Deutscher: Reinhard Selten. Selten teilte den Sieg mit zwei Amerikanern. Ihre gemeinsame Leistung: Die Analyse des Gleichgewichts in der nicht-kooperativen Spieltheorie.

          Kydland ist der dritte Norweger, der den Wirtschaftsnobelpreis erhält. Bei der erstmaligen Vergabe 1969 hatte sich Ragnar Frisch den Preis mit dem Niederländer Jan Tinbergen geteilt. 20 Jahre
          später (1989) bekam dann Trygve Haavelmo die begehrte Auszeichnung.

          Wirtschaftsnobelpreis erst seit 1969

          Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ist eigentlich gar kein Nobelpreis. In seinem Testament legte der Dynamit-Erfinder Alfred Nobel 1896 nur die Stiftung der Preise für Physik, Chemie und Medizin sowie Literatur und für den Einsatz für den Frieden fest. Die Wirtschaftswissenschaften waren dem Chemiker und Industriellen Nobel angeblich Zeit seines Lebens suspekt - und offenbar nicht preiswürdig.

          Aufgewertet wurde die vernachlässigte Zunft der Ökonomen erst 1968. Damals rief die Schwedische Reichsbank anläßlich ihres 300jährigen Bestehens „im Gedenken an Alfred Nobel“ den Wirtschaftspreis ins Leben. Er wird seit 1969 verliehen. Als Jury fungiert wie bei den Nobelpreisen für Physik und Chemie die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften. In diesem Jahr ist der Wirtschaftsnobelpreis mit zehn Millionen schwedischen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotiert.

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